Es geht wieder aufwärts – aber nicht für alle

Regionales Konjunkturbarometer der Uni Wuppertal

Von Andreas Boller

BERGISCHES LAND Mit welchen Spätfolgen wird die bergische Wirtschaft nach der Pandemie kämpfen müssen? „Neben dem Infektionsgeschehen wird vor allem die Funktionsfähigkeit der Lieferketten darüber entscheiden, ob 2021 ein Wachstumsjahr werden kann“, heißt es in der jüngsten Ausgabe des Regionalen Konjunkturbarometers, das vierteljährlich an der Bergischen Universität erstellt wird.

Sowohl in der Industrie als auch im Baugewerbe stellen fehlende Rohstoffe und Vorprodukte sowie damit verbundene Preissteigerungen derzeit eine große Herausforderung dar. Rund 44 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, ihre Lieferketten in den vergangenen Monaten zumindest teilweise umstrukturiert zu haben, berichten die Wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. André Betzer und Jun.-Prof. Dr. Markus Doumet.

263 Unternehmen mit zusammen rund 20 000 Beschäftigten haben sich an der aktuellen Umfrage zum Regionalen Konjunkturbarometer beteiligt. Die Stimmung in der bergischen Wirtschaft hat sich im 1. Quartal 2021 merklich verbessert. Mit der steigenden Zahl der Impfungen wächst die Hoffnung auf eine umfassende Erholung der Wirtschaft.

Der Geschäftsklimaindex des Regionalen Konjunkturbarometers konnte gegenüber dem 4. Quartal 2020 deutlich zulegen und erreicht mit 66,3 Punkten das Niveau vom Frühjahr 2019. Sowohl die Lageeinschätzungen als auch die Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten fallen deutlich optimistischer aus als zu Beginn der Covid-19-Pandemie. „Dass die positiven Erwartungen auf einer breiten Basis stehen, zeigt sich am Rückgang unseres Streuungsindikators. Ein niedrigerer Wert dieses Indikators drückt einen stärkeren Konsens in den Erwartungen aus“, sagt Doumet.

Doch noch immer gilt, dass das Bild nicht einheitlich ist. „Branchenspezifische Auswertungen offenbaren eine zweigeteilte Entwicklung“, erläutert André Betzer. Große Teile der Industrie und exportorientierte Großhändler konnten im 1. Quartal 2021 von der anziehenden Weltkonjunktur profitieren und schätzen ihre wirtschaftliche Lage daher sehr positiv ein. Auf der anderen Seite sind Gastronomie, Hotellerie, Freizeit-, Kultur und Sporteinrichtungen sowie weite Teile des stationären Einzelhandels sehr stark negativ betroffen.

Wesentlicher Treiber der positiven Entwicklung für die sehr stark exportorientierte bergische Region ist derzeit das verarbeitende Gewerbe. Während im 2. Halbjahr 2020 nur einzelne Branchen wie Medizintechnik, Schutzausrüstung oder Reinigungs- und Körperpflegemittel eine positive Geschäftslage vermeldeten, befinden sich inzwischen auch wieder Hersteller von klassischen Industriegütern im Aufschwung. Eine Sonderstellung nimmt die Digitalwirtschaft ein. Nach einem kurzen Einbruch während des ersten Lockdowns profitiert die seit Mitte 2020 von einem deutlichen Digitalisierungsschub.

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