Arbeitswelt

Eine Abmahnung ist keine Einbahnstraße

Wenn der Chef seinen Mitarbeiter anschreit, kann das ein Abmahnungsgrund sein. Symbolfoto: Christian Beier
+
Wenn der Chef seinen Mitarbeiter anschreit, kann das ein Abmahnungsgrund sein.

Auch Arbeitnehmer dürfen ihrem Chef ein Warnsignal senden. Beide Seiten müssen einiges beachten.

Von Tristan Krämer

Christel Schwarz-Feuring, Anwältin für Arbeitsrecht.

Sie ist so etwas wie die Gelbe Karte der Arbeitswelt: die Abmahnung. Kommt es zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu Konflikten oder Unstimmigkeiten, die nicht so einfach zu lösen sind, ist sie ein Weg, um die letzte Warnung vor dem Platzverweis – also ernsten Konsequenzen – abzugeben. Sie signalisiert einerseits Unzufriedenheit, eröffnet andererseits aber die Möglichkeit, dass das abgemahnte Verhalten ohne weitere Sanktionen abgestellt werden kann.

„Dennoch sind Abmahnungen an Voraussetzungen geknüpft, damit sie ihre Warnfunktion erfüllen“, betont Christel Karin Schwarz-Feuring, Remscheider Fachanwältin für Arbeitsrecht. „Zunächst ist eine Abmahnung so zu formulieren, dass das abgemahnte Verhalten erkennbar und nachvollziehbar ist“, erklärt sie.

„Schikane“ hat auch Folgen für den Betriebsablauf

Bei einer Abmahnung wegen behaupteter Leistungsmängel sei zudem eine ausreichend lange Zeit zu gewähren, um eventuelle Leistungsmängel auch abstellen zu können. „Die Warnfunktion ist häufig verbunden mit einem ,Wenn- dann-Satz’, der den Hinweis auf eine mögliche Kündigung enthält“, sagt Schwarz-Feuring.

Meist ist es der Arbeitgeber, der eine Abmahnung ausspricht, wenn er davon überzeugt ist, dass sein Mitarbeiter „die arbeitsvertraglichen Pflichten nicht oder nicht ordnungsgemäß“ erfüllt hat. Wenig bekannt ist hingegen, dass auch Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, ihren Arbeitgeber abzumahnen.

FACHANWÄLTIN

ADRESSE Kanzlei für Arbeitsrecht für Arbeitnehmer, Betriebsräte und angestellte Führungskräfte Rechtsanwältin Christel Schwarz-Feuring, Haddenbrocker Straße 21, Remscheid.

KONTAKT Tel. (0 21 91) 29 13 82, Mobil: (01 73) 2 13 61 02

hilfe @schwarz-feuring.de

„Gründe für diese Abmahnungen liegen häufig im Führungsverhalten von Vorgesetzten“, erläutert die Remscheider Anwältin. So sei es beispielsweise nicht akzeptabel, wenn Mitarbeiter angeschrien oder beleidigt werden. Auch dass Türen geknallt werden, auf Begrüßung verzichtet wird oder falsche Behauptungen erhoben werden, gehörten zu den Gründen für eine Abmahnung durch den Arbeitnehmer.

„Eine Mitarbeiterin, die in einem Gastronomiebetrieb als Servicekraft arbeitete und als Alleinerziehende wegen der komplizierten Kinderbetreuung froh war, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben, wurde von ihrem Arbeitgeber regelmäßig beschimpft und als ,faule Socke’ bezeichnet, vor Gästen des Lokals angeschrien und schlecht gemacht“, beschreibt Schwarz-Feuring einen Fall aus der juristischen Praxis. Nachdem es der Mitarbeiterin schließlich zu viel geworden sei, habe sie in einem Schreiben die Schikanen aufgeführt und das Schreiben als „Abmahnung an meinen Arbeitgeber“ bezeichnet.

Dieser war darüber freilich nicht gerade erfreut – und wollte kündigen. „Andere Mitarbeiter haben dann durch ein Gespräch erreicht, dass der Arbeitgeber sein Fehlverhalten erkannte und sich entschuldigte“, erzählt die Anwältin weiter. Dieses Ergebnis sei für die Alleinerziehende eine Überraschung gewesen.

Einiges zu beachten: Das sollten Sie bei der Krankmeldung wissen

Abgesehen von der juristischen Perspektive, betont Christel Karin Schwarz-Feuring, sei die sogenannte „Schikane am Arbeitsplatz“ – nicht zu verwechseln mit Mobbing – schädlich für das Betriebsklima, und führe zu sinkender Motivation und reduziertem Leistungsvermögen unter den Mitarbeitern. „Erkrankungen sind häufig die Folge, was wiederum zu Störungen im Betriebsablauf führen kann“, schildert Schwarz-Feuring die innerbetrieblichen Auswirkungen.

In den Betrieben mit Betriebsrat, könnten sich Beschäftigte dort melden und die Probleme schildern. „Der Betriebsrat hat die Möglichkeit, sich mit dem Arbeitgeber in Verbindung zu setzen, damit Fehlverhalten abgestellt wird“, sagt die Anwältin. Dort wo es keine Betriebsräte gibt, sollten sich Beschäftigte vor Ausspruch einer Abmahnung arbeitsrechtlich beraten lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bunte Böden aus Remscheid für den weißen Sport
Bunte Böden aus Remscheid für den weißen Sport
Bunte Böden aus Remscheid für den weißen Sport
Die Münzzählautomaten verschwinden
Die Münzzählautomaten verschwinden
Die Münzzählautomaten verschwinden
Dank Corona stehen in der Pharmaindustrie Milliardentöpfe bereit
Dank Corona stehen in der Pharmaindustrie Milliardentöpfe bereit
Dank Corona stehen in der Pharmaindustrie Milliardentöpfe bereit

Kommentare