Überbrückungshilfe III

Ein Blick in den Fixkosten-Katalog kann sich lohnen

Digitalisierung, Personalkosten, Energie: Nur drei von 15 Punkten im Katalog der ansetzbaren Fixkosten im Rahmen der Überbrückungshilfe III. Sich mit dieser Liste zu beschäftigen, kann für coronageschädigte Unternehmen enorm wichtig sein.
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Digitalisierung, Personalkosten, Energie: Nur drei von 15 Punkten im Katalog der ansetzbaren Fixkosten im Rahmen der Überbrückungshilfe III. Sich mit dieser Liste zu beschäftigen, kann für coronageschädigte Unternehmen enorm wichtig sein.

Überbrückungshilfe III: Auch Marketing- und Werbekosten können teilweise erstattet werden.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Trotz einiger Lockerungen: Von der geschäftlichen Normalität ist die bergische Wirtschaft weiterhin weit entfernt. Viele Unternehmen, vor allem aus dem Dienstleistungssektor und dem Einzelhandel, sind weiterhin auf staatliche Hilfe angewiesen. Für die meisten Firmen kommen die inzwischen in Form der Überbrückungshilfe III daher. Und dabei gibt es einiges zu beachten.

Denn erstattet werden hier, einmal mehr, ausschließlich Fixkosten. „Das war bisher bei allen Programmen außer den November- und Dezember-Hilfe so“, sagt Thomas Grigutsch, Fördermittel-Experte der Bergischen IHK. Doch diesmal hat der Gesetzgeber wesentlich mehr zugelassen. So wurden sowohl die Höchstgrenzen erhöht, bis zu 1,5 Millionen Euro Förderung pro Monat sind nun möglich, als auch weitere Punkte in den Fixkosten-Katalog aufgenommen.

Jeder Posten muss einzeln angeschaut werden

Sich mit diesem Katalog eingehend zu beschäftigen, das empfiehlt der Solinger Steuerberater Ralf Götting betroffenen Unternehmern. Denn für den Antrag sei es notwendig, die entsprechenden Kosten in den Ausgaben des Referenzmonats des Vorjahres zu identifizieren. Das könne ein Buchhaltungsprogramm zwar vorbereiten, so Götting. „Aber darauf kann man sich nicht verlassen.“ Und so bleibe meist nichts anderes übrig, als sich jeden Posten einzeln anzuschauen.

Neben offensichtlichen Fixkosten wie Mieten, Zinsen für betriebliche Kredite, den Finanzierungskostenanteil von Leasingraten, Energie- und Instandhaltungskosten sowie Personalaufwendungen, soweit diese nicht vom Kurzarbeitergeld erfasst werden, enthält der Fixkosten-Katalog der Überbrückungshilfe III auch Punkte, die man dort nicht unbedingt erwarten würde. So sind zum Beispiel bauliche Maßnahmen im Rahmen eines Hygienekonzepts oder Investitionen in Digitalisierung bis zu bestimmten Höchstgrenzen förderfähig. Und auch Marketing- und Werbekosten werden teils vom Staat übernommen, Basis der Berechnung sind die Ausgaben im Jahr 2019.

Ein Umstand, den Jörg Laus, Anzeigenleiter bei der B. Boll Mediengruppe, dem Verlag des Remscheider General-Anzeiger und des Solinger Tageblatts, ausdrücklich begrüßt. Schließlich sei es gerade jetzt für regionale Unternehmen wichtig, ihre Kunden zu erreichen: „Wir sehen ja, dass die großen Online-Shops und Internet-Apotheken im Moment auch richtig Gas geben.“

Da gelte es gerade für Anbieter vor Ort dagegenzuhalten, so Laus. Und das habe nun wohl auch die Bundesregierung erkannt: „Dank der Aufnahme von Marketing- und Werbekosten in den Fixkosten-Katalog können Einzelhändler und andere Firmen vor Ort sich ihre Werbeaktivitäten jetzt auch vom Staat fördern lassen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.“

Doch bis dahin ist der Weg manchmal arbeitsreich, mahnt Steuerberater Ralf Götting. „Es kommt immer mal wieder zu Diskussionen mit Mandanten, was zu den Fixkosten gehört und was nicht“, sagt er. Laufe alles glatt, sei der Antrag für kleinere Unternehmen nach wenigen Stunden fertig. „Das setzt aber eine vernünftige Buchhaltung voraus.“

Und eine Grundsatzentscheidung. Denn im Rahmen der Überbrückungshilfe III könne man entweder Erstattung nach der Bundesregelung Fixkostenhilfe oder nach der Bundesregelung Kleinbeihilfe abrechnen, erklärt Götting. Zumindest wenn weniger als zwei Millionen Euro beantragt werden. So sei es bei der Fixkostenhilfe möglich, ein fiktives Unternehmergehalt mit einzubeziehen. Dafür müsse aber auch ein tatsächlicher Verlust nachgewiesen werden. Dieser Nachweis falle bei der Bundesregelung Kleinbeihilfe weg. „Das ist natürlich ein Riesen-Unterschied“, sagt der Steuerberater.

Um überhaupt Geld aus der Überbrückungshilfe III bekommen zu können, seien im Zeitraum November 2020 bis Juni 2021 Umsatzrückgänge von mindestens 30 Prozent in jedem Monat, für den eine Förderung beantragt wird, nötig, berichtet Thomas Grigutsch von der Bergischen IHK. Und zwar coronabedingte Rückgänge. Je nach Umsatzeinbruch liege die Erstattung bei bis zu 90 Prozent der Fixkosten des Vorjahresmonats.

Beantragungen seien allerdings ausschließlich über sogenannte beratende Dritte, also vor allem Steuerberater, Rechtsanwälte und Ähnliches möglich, betont Grigutsch. Auch er empfiehlt, sich vorher den Fixkosten-Katalog anzuschauen. Je besser vorbereitet der Antrag ist, je schneller ist er fertig. Und Abschlagszahlungen, so ist die Erfahrung von Steuerberater Götting, werden meist bereits wenige Tage nach Antragsstellung ausgezahlt.

Hintergrund

Um über Corona-Hilfen für Unternehmen zu informieren, neben den Überbrückungshilfen zum Beispiel auch über die Neustarthilfe für Soloselbstständige oder die November- und Dezemberhilfen, hat die Bundesregierung eine eigene Website online geschaltet. Hier findet sich unter anderem auch der komplette Fixkosten-Katalog.

ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de

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