Solinger und Remscheider Firmen vertreten

Die Werkzeug-Welt kommt wieder in Köln zusammen

Die Remscheider Klaus Friedrich GmbH stellt isolierte Sicherheitswerkzeuge her. Hier spricht Geschäftsführer Kai Felten (2. v. l.) mit Remscheids Wirtschaftsdezernent Peter Heinze, OB Burkhard Mast-Weisz und dem Landtagsabgeordneten Sven Wolf (v. l.)
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Die Remscheider Klaus Friedrich GmbH stellt isolierte Sicherheitswerkzeuge her. Hier spricht Geschäftsführer Kai Felten (2. v. l.) mit Remscheids Wirtschaftsdezernent Peter Heinze, OB Burkhard Mast-Weisz und dem Landtagsabgeordneten Sven Wolf (v. l.)

Die Internationale Eisenwarenmesse ist merklich geschrumpft, für manchen Aussteller lohnt sie sich dadurch aber sogar noch mehr.

Von Sven Schlickowey

Köln. Für die Eisenwarenmesse hat Ledlenser mal so richtig aufgefahren. Der Solinger Lampenhersteller präsentiert in Köln sein neues Spitzenmodell, den Hand-Suchscheinwerfer XP 30 R, der mehr als 32 000 Lumen erzeugt. Damit lässt sich selbst die taghelle Messehalle deutlich erkennbar ausleuchten. Sogar noch in 50 Meter Entfernung. Das sei „technisch schon sehr extrem“, sagt Produktmanager Alexander Isphording, der als Zielgruppe vor allem Polizei und Rettungsdienste im Auge hat. Doch auch auf der Eisenwarenmesse, Treffpunkt der weltweiten Werkzeugindustrie, schindet das Eindruck.

Der XP 30 R von Ledlenser ist über 32 000 Lumen hell.

Während die Lampen bei Ledlenser merklich wachsen, schrumpft die Messe, auf der sie präsentiert werden, ebenso merklich. Nachdem die 2020er Ausgabe der Eisenwarenmesse erst verschoben und dann abgesagt wurde und die 2022er vom Frühjahr in den Herbst wanderte, sind noch rund 1400 Aussteller übrig. Auch das Bergische hat seinen Teil dazu beigetragen. Aus dem Städtedreieck, zuletzt immer mit etwa 70 Ausstellern vertreten, waren diesmal noch 22 dabei. Unter denen, die fehlen, sind auch etliche ganz Große wie Gedore, Hazet oder Knipex. 25 000 Fachbesucher zählt die Messe Köln am Ende. Vor der Pandemie waren es deutlich mehr als 40 000.

Bohr- und Frässpezialist Famag präsentierte neue Sets.

Die, die gekommen sind, bereuen es mehrheitlich trotzdem nicht. „Wir sind angenehm überrascht“, sagt zum Beispiel Kai Felten, Geschäftsführer der Remscheider Klaus Friedrich GmbH, einem Hersteller von isolierten Werkzeugen. Es kämen zwar wesentlich weniger Besucher, berichten viele Aussteller. Die dafür aber mit einem echten Interesse – und nicht aus Gewohnheit oder um einen Jutebeutel abzustauben. „Die Qualität der Gespräche ist viel höher“, sagt Famag-Geschäftsführer Ralf Hunke. Auch weil beide Seiten mehr Zeit dafür hätten.
Auch interessant: Werkzeughersteller bekommen ein virtuelles Schaufenster

Remscheider und Solinger Firmen haben bis zu 80 Neuheiten im Katalog

Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung seien etwas in den Hintergrund gerückt, meint Hunke. In diesem Bereich hätten viele Firmen während Corona „harte Hausaufgaben“ gemacht: „Das war das Gute im Schlechten.“ Und wenn man Zeit hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen, kommt auch viel Neues dabei rum. Bei dem Remscheider Bohr- und Frässpezialist finden sich zum Beispiel knapp 80 Neuheiten im aktuellen Katalog.

Produktmanager Anton Reiswich und Marketing-Mitarbeiterin Sina Shirin Windeck präsentieren den neuen Drehmomentschlüssel Bau am Stand von Heyco Qualitätswerkzeuge.

Bei Heyco aus Remscheid sind gut zwei Dutzend Neuheiten, die man am Stand präsentiert. Darunter der Drehmomentschlüssel Bau in zwei Größen. Gedacht sei der für Verschraubungen von Bewehrungsstäben und Muffenverbindungen im Stahlbetonbau, erklärt Produktmanager Anton Reiswich. Bisher würden solche Arbeiten meist mit einer Zange vorgenommen. Obwohl eigentlich ein Drehmomentschlüssel vorgeschrieben sei.

Die Solinger Martor KG hat das Secubase 383 dabei, ein optionales Sicherheitsmesser, das beides kann: mit festgestellter Klinge schneiden. Oder mit einer, die zurückspringt, wenn man loslässt. Und Dursol aus Solingen präsentiert für die Marke Autosol eine Serie von Reinigungsmitteln auf rein pflanzlicher Basis.

Eisenwarenmesse: Firmen treffen endlich wieder Kunden

Auch Thomas Küll, Geschäftsführer des Solinger Zangenherstellers NWS, präsentiert stolz seine Neuheiten, darunter den Zangenschlüssel Gripper, der einen ganzen Satz Schraubenschlüssel ersetzt. Noch mehr freut er sich aber, seine Kunden wieder zu treffen. Zumal sich Kosten und Ertrag nach wie vor die Waage halten würden: Der Aufwand, Kunden aus rund 60 Ländern zu besuchen, sei vermutlich größer als der für die Messe.

Die meisten bergischen Aussteller waren in der Halle 10.1 vertreten, hier Völkel aus Remscheid und NWS aus Solingen direkt nebeneinander.
Der Gewindewerkzeug-Hersteller Völkel zeigte, dass man mit Spänen durchaus auch spielerisch umgehen kann.

Am Stand nebenan geht es Daniel Völkel, Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers von Gewindewerkzeugen aus Remscheid, kaum anders. Ein Verzicht auf die Eisenwarenmesse habe nie zur Debatte gestanden, betont er: „Es gibt keine zweite Veranstaltung weltweit, die diese Bedeutung für uns hat.“ Firmen wie Völkel bräuchten die Eisenwarenmesse. „Und wir erhalten sie nicht durchs Wegbleiben.“

„Ohne diese Messe hätten wir ein Problem“, sagen Thomas Schläfer (l.) und Peter Eickhorn am Stand von Wilpu.

Von dieser Bedeutung gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist auch Peter Eickhorn überzeugt: „Der Nukleus dieser Messe ist das bergische KMU, das weltweit distribuiert“, sagt der Verkaufsleiter des Remscheider Sägeblattherstellers Wilpu. Hier könnten kleinere Qualitätshersteller ihre weltweiten Kontakte knüpfen. „Wenn diese Messe nicht mehr existiert, haben wir ein Problem.“

Termin: Die nächste Internationale Eisenwarenmesse findet vom 3. bis zum 6. März 2024 statt.

Preisverleihung beim FWI

Am Stand des in Remscheid ansässigen Fachverband Werkzeugindustrie (FWI) wurden erstmals die beliebtesten Beiträge auf dem Internetportal 365.werkzeuge.org prämiert. Thomas Holland-Letz (FWI, r.) überreichte den ersten Preis an Sarah Ockenfels von Zangenhersteller Knipex (M.), den zweiten an Dr. Ina Terwey von Pferd Werkzeuge aus Marienheide (l.) und den dritten an Frank J. Goebbels vom Abisoliertechnik-Spezialist Jokari im münsterländischen Ascheberg.

Am Stand des in Remscheid ansässigen Fachverband Werkzeugindustrie (FWI) wurden erstmals die beliebtesten Beiträge auf dem Internetportal 365.werkzeuge.org prämiert. Thomas Holland-Letz (FWI, r.) überreichte den ersten Preis an Sarah Ockenfels von Zangenhersteller Knipex (M.), den zweiten an Dr. Ina Terwey von Pferd Werkzeuge aus Marienheide (l.) und den dritten an Frank J. Goebbels vom Abisoliertechnik-Spezialist Jokari im münsterländischen Ascheberg.

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