Die Stadt scheint nur darauf gewartet zu haben

Nicole Haas (l.) und Sylvia Urbach begrüßen die ersten Nutzer im Gründerquartier. In einigen Bereichen wird noch gearbeitet, Büros und Kaffee-Ecke sind aber schon fertig. Foto: Roland Keusch
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Nicole Haas (l.) und Sylvia Urbach begrüßen die ersten Nutzer im Gründerquartier. In einigen Bereichen wird noch gearbeitet, Büros und Kaffee-Ecke sind aber schon fertig.

Das Remscheider Gründerquartier hat seinen Betrieb aufgenommen

Von Sven Schlickowey

REMSCHEID Raue Wände, kantiges Holz, aufputzverlegte Leitungen – das neue Remscheider Gründerquartier präsentiert sich in einem Look, der für die letzte Industriegroßstadt in NRW durchaus angemessen erscheint. Zum Jahresbeginn hat der Coworking-Space an der Hindenburgstraße seinen Betrieb aufgenommen. Und es scheint, als habe die Stadt – selbst in Zeiten von Corona – nur darauf gewartet.

Zwölf Einzel- und Teambüros seien bisher entstanden, berichtet „Gründermutti“ Nicole Haas. Sie alle seien längst vermietet. „Wir haben schon eine Warteliste.“ Deswegen überlege man nun, ob nicht andere Flächen noch zu Büros umgewandelt werden können.

Neben den Büros verfügt das Gründerquartier über einen Coworking-Bereich mit rund 40 Arbeitsplätzen, eine eigene Tüftler-Werkstatt, drei Meeting-Räume – und einen Escape-Room. „RScape“, von der Agentur Kottenritter im Dezember an den Start gebracht, seither aber pandemiebedingt zur Untätigkeit verurteilt, hat seinen Platz ebenso an der Hindenburgstraße gefunden wie der Youtuber ClayClaim alias Simon Haase, ein Steuerberater oder der Roboter-Händler Showbotixx.

„Manchmal fordern andersartige Meetingräume ja die Kreativität heraus.“

„Gründermutti“ Nicole Haas

Für sie alle solle das Gründerquartier mehr sein als nur eine Unterkunft, betont Nicole Haas. Das Ziel sei es, den Gründern Beratung und Vernetzung anzubieten. „Dabei können wir auf gewachsene Strukturen zurückgreifen.“ Schließlich steht hinter dem Quartier der Verein Gründerschmiede, der sich schon seit Jahren um Firmengründer kümmert.

Tagespässe für den Coworking-Bereich gibt es ab acht Euro. Wer dort rund um die Uhr Zugang haben will, zahlt 79 Euro pro Monat. Einzelbüros sind ab 280 Euro monatlich zu haben. „Da bringt man seinen Laptop mit und gut ist“, erklärt Haas. Die restliche Infrastruktur vom schnellen Internet bis zur Kaffeemaschine stelle das Gründerquartier.

Dabei richte sich das Angebot ausdrücklich nicht nur an hippe Digital-Start-ups. Gerade während Corona seien zum Beispiel auch Angestellte, die eine Alternative zum Homeoffice suchten, willkommen. Andere würden die Arbeitsplätze auf Zeit für besondere Aufgaben nutzen, so Nicole Haas. Zum Beispiel Grafiker, die den kreativen Part daheim erledigen – zum Schreiben von Angeboten, das Erledigen der Steuer und andere ungeliebte Aufgaben aber einen Ortswechsel benötigen.

Neben Dauermietern und Coworking-Nutzern zielt das Gründerquartier auch auf Firmen ab, die Meeting-Räume oder eine Event-Location suchen. So kann der Coworking-Bereich, der mit Präsentationstechnik und einer Bar ausgestattet ist, für Veranstaltungen mit bis zu 150 Teilnehmern genutzt werden.

Zwei der drei Meetingräume können zu einem großen zusammengelegt werden. Und der dritte lädt mit Boxsack und Tischtennisplatte als Konferenztisch zu aktiveren Zusammenkünften ein. „Manchmal fordern andersartige Meetingräume ja die Kreativität heraus“, sagt Nicole Haas. Und anschließend biete sich der Escape-Room für Team-Events an. Auch das ist Vernetzung.

Um seinem Namen als Quartier alle Ehre machen zu können, seien Erweiterungen des Coworking-Spaces geplant, sagt Haas. Ein Durchbruch zur Erleb-Bar, bisher Sitz der Gründerschmiede, komme bald. Mittelfristig sei zudem angedacht, die Flächen des benachbarten Kulturzentrums POM zu übernehmen und ebenfalls umzuwandeln. Und selbst Wohnraum für Gründer ist vorhanden: Die Wohnungen auf dem Gelände an der Hindenburgstraße gehören demselben Vermieter und können bei Bedarf vermittelt werden.

Die Industrie-Optik, in der das Gründerquartier gestaltet wurde, ist dabei übrigens mehr als „nur“ Design. Das industrielle Herz der Stadt sei der rote Faden, der sich durch das Vorhaben ziehe, sagt Haas. Die etablierten Firmen seien schließlich mögliche Partner und Kunden für die neugegründeten Unternehmen: „Ohne die Verbindung zur Industrie kann man Start-ups in Remscheid gar nicht denken.“

Umbau zum Gründerquartier

Finanziert wurde der Umbau der Gründerquartier-Immobilie, in der zuvor unter anderem ein Werkzeughersteller und das Sozialpsychiatrische Zentrum untergebracht waren, teilweise mit Fördermitteln von EU, Bund und Land. Erledigt wurden die Arbeiten ausschließlich von Unternehmen aus der näheren Umgebung. Einen maßgeblichen Anteil daran hatte die Remscheider Firma AKW Display Works, die als international tätiges Messebauunternehmen mit Beginn der Pandemie im Frühjahr eigentlich alle Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hatte – bis der Architekt des Gründerquartiers auf die Idee kam, sie zu fragen, ob sie sich den Umbau samt Entkernung zutrauen würden. So konnte AKW nicht nur die Kurzarbeit beenden und sogar noch zusätzliche Leute einstellen, sondern trug mit zahlreichen Ideen zum heutigen Erscheinungsbild bei.

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