Ausblick

Das muss sich im Wirtschaftsjahr 2023 verändern

Was braucht es, damit sich die regionale Konjunktur in den kommenden zwölf Monaten positiv entwickelt?
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Was braucht es, damit sich die regionale Konjunktur in den kommenden zwölf Monaten positiv entwickelt?
  • VonSven Schlickowey
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  • Manuel Böhnke
    Manuel Böhnke
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Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, Energiekrise – diese Herausforderungen warten auch im neuen Jahr.

Zusammengestellt von Sven Schlickowey und Manuel Böhnke

Bergisches Land. Das abgelaufene Jahr war ein bewegtes für die Unternehmen der Region. Was braucht es, damit sich die regionale Konjunktur in den kommenden zwölf Monaten positiv entwickelt? Neun Persönlichkeiten der bergischen Wirtschaft erklären, was sich 2023 ändern muss.

Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK):

„Wir müssen Krisen wieder mehr als Chance für Veränderung und Verbesserung verstehen. Nicht erst darauf schauen, wie der Staat helfen kann, sondern mit Mut und Zuversicht die Zukunft selbst gestalten wollen. Dabei die Schwachen mitnehmen, aber den Starken den Freiraum lassen, sich zu entfalten.

Die bergische Zusammenarbeit muss wieder in den Fokus aller Beteiligten rücken. Man gewinnt stattdessen eher den Eindruck, dass es den drei Städten reicht, Primus des Städtedreiecks zu sein. Das kann nicht der Anspruch dieser tollen Region sein – denn nur gemeinsam sind wir stark.“

Arnd Krüger, Kreishandwerksmeister Solingen-Wuppertal:

„In einer Zeit von vielen Krisen beunruhigt mich vor allem der demografische Wandel unserer Gesellschaft. Den Mangel an beruflichem Nachwuchs in allen Bereichen, nicht zuletzt auch verstärkt im Handwerk, spüren wir vielfach in unserem Alltag. Meine Forderung für das neue Jahr 2023 ist folgende: Politik, Unternehmen und Gewerkschaften müssen sich der schwierigen Situation bewusst werden und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Ein ‚Weiter so‘ ist keine Option. Bei jährlich 500 000 fehlenden Menschen über alle Berufsgruppen hinweg ist äußerste Dringlichkeit angemahnt – ansonsten droht ein Staatsversagen mit einhergehendem Wohlstandsverlust, der unabsehbare Folgen mit sich bringen wird. Also bitte, legen wir los. Das Handwerk ist dabei!“

Nicole Haas, Projektmanagerin und „Gründermutti“ der Gründerschmiede Remscheid:

„Gründermutti“ Nicole Haas hofft 2023 auf mutige Investitionen trotz Krise.

„Für 2023 wäre es wünschenswert, dass wir weniger nur über Probleme reden, sondern Lösungen erarbeiten und anfangen, diese umzusetzen. Ich erwarte, dass wir – aufgrund der andauernden Energiekrise – nicht zurückhaltend wirtschaften, sondern dass wir trotzdem mutig investieren, um nicht ganz zum Stillstand zu kommen. Für den Wirtschaftsstandort Remscheid wünsche ich mir, dass es weniger um politische Befindlichkeiten geht und mehr um schnelle, mutige und innovative Problemlösungen, an denen Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam aktiv arbeiten.“

Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Solinger Wirtschaftsförderung:

Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol fordert sinnvolle Unterstützung vom Staat.

„Vor allem anderen brauchen wir für unsere produzierenden, heimischen Industrieunternehmen eine ‚Lex Energiekosten‘. Unsere Industrieunternehmen brauchen eine sinnvolle, aktivere und bessere Unterstützung vom Staat, damit deren Kosten hier gesenkt werden. Wenn Unternehmen wegen der zu hohen Energiekosten wegbrechen sollten, dann unwiederbringlich und mit großen Schwierigkeiten für die lokale Wirtschaft und die Mitarbeitenden.

Des Weiteren müssen die unterschiedlichen, teilweise absurden Gewerbesteuerhebesätze im jetzigen System in NRW endlich abgeschafft werden. Das jetzige System führt zu unsinnigen Wettbewerbsverzerrungen. Auch hier muss der Staat aktiv werden.

Zuletzt bedarf es auch eines veränderten Mindsets aller handelnden Akteure in dem Sinne, dass lokales Engagement immer auch ein Investment über das Investment des einzelnen Unternehmens hinaus ist, nämlich ein Investment in den Standort Solingen mit seinen Mehrwerten für das Unternehmen und den Standort Solingen.“

Inga Bauer, geschäftsführende Gesellschafterin der Bauer & Böcker GmbH & Co. KG:

Unternehmerin Inga Bauer bemängelt bürokratische und regulierende Zwänge.

„Lasst uns Freiräume, damit wir innovativ und kreativ sein können! Unser unternehmerischer Alltag ist viel zu sehr von bürokratischen und regulierenden Zwängen bestimmt. Wenn wir unsere Unternehmen mit ihren Arbeitsplätzen durch den Sturm der Veränderungen der nächsten Jahre bringen wollen, dann brauchen wir dafür Ideen, Muße, Mut, Kreativität und Geld, um verschiedene Strategien zu testen, zu investieren und umzusetzen.

Von der Politik wünsche ich mir, dass sie Unternehmen Freiräume für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle lässt. Wenn diese dann erfolgreich sind und eine wirtschaftliche Zukunft versprechen, ist es früh genug, Regulierung und Bürokratie einzufordern.“

Bärbel Beck, IHK-Vizepräsidentin und Geschäftsführerin des Modehauses Johann:

„Rückblickend auf das Jahr 2022 wünsche ich mir eine (Wieder-)Erstarkung der Innenstädte. Der stationäre Handel und die Gastronomie tragen die entscheidende Leitfunktion der Innenstädte. Da wir vor einem allgemeinen innerstädtischen Strukturwandel stehen, müssen entscheidende städtebauliche Maßnahmen wie Verkehrsführung, Verbesserung von Aufenthaltsqualitäten, Ansiedlung von Frequenzbringern und Wohnbebauung auf die Auswirkung auf Handel, Gastronomie und Bevölkerungsversorgung abgestimmt werden.

Aus Handelssicht fordere ich außerdem konkret, dass mehr Transparenz und eine Vereinfachung bei der Gesetzgebung für verkaufsoffene Sonntage zustande kommen. Der Anlassbezug blockiert diese wenigen Zusatztage, wichtig ist daher eine rechtssichere Durchführung einer begrenzten Anzahl an verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr.“

Ralf Zimmermann, Vorsitzender des Industrieverbands Schneid- und Haushaltswaren:

„An die Politik habe ich den Wunsch, den Bürokratieabbau endlich voranzutreiben. Derzeit gehen alle Versuche in Deutschland und Europa in die falsche Richtung und belasten besonders die kleinen und mittleren Unternehmen. 2023 soll zudem das Jahr der strukturierten Zuwanderung von Fach- und Hilfskräften sein, die die deutsche Wirtschaft dringend braucht.

Für Solingen und das Städtedreieck hoffe ich auf mutige Entscheidungen von Politik und Unternehmen – denn Stillstand ist Rückschritt. Über allem steht der Wunsch nach einem optimistischen Blick in die Zukunft – vor allem im Interesse unserer Kinder!“

Martin Klebe, Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal:

„Wer auf Fachkräfte nur wartet, wird in diesem Wettbewerb verlieren“, sagt Martin Klebe.

„Wer auf Fachkräfte nur wartet, der wird in diesem Wettbewerb verlieren! Fachkräfte werden immer weniger rekrutiert, Fachkräfte für das eigene Unternehmen müssen entwickelt werden! Es braucht eine Strategie, Zeit und Kreativität und vor allem Durchhaltevermögen, um als Unternehmen mit Aus- und Weiterbildung, Vielfalt in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Integration von Zuwandernden und Zugewanderten im Wettbewerb um Fachkräfte erfolgreich zu bestehen.“

Peter Lange, Vorsitzender des Remscheider Stadtverbandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes:

„Allen voran steht der Wunsch nach Frieden. Weltweit müssen entschlossenere Bemühungen gemacht werden, diese Kriege zu beenden. Deutschland hat hier aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verpflichtung, sich für den Frieden zu engagieren.

Die Kommunen müssen entschuldet werden, es fehlt ihnen an Mitteln, um in die soziale Infrastruktur, das Bildungssystem oder den ÖPNV zu investieren. Gleichzeitig werden sie von steigenden Energiepreisen getroffen. Deshalb ist es zentral, die Kommunen schnellstens zu entschulden und ihre Handlungsfähigkeit dauerhaft sicherzustellen.

Die Einkommen müssen gestärkt werden. Für existenzsichernde Einkommen muss die Tarifbindung gestärkt und das Tariftreuegesetz in NRW novelliert werden. Die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro sowie die Erhöhung des SGB-II-Regelsatzes mit der Einführung eines Bürgergeldes sind wichtige Schritte für Menschen mit geringem Haushaltseinkommen.

Die Wirtschaft muss stabilisiert werden! Wir dürfen nicht zulassen, dass Unternehmen aufgrund der hohen Energiekosten Beschäftigte entlassen, ins Ausland abwandern oder ihr Geschäftsmodell ganz aufgeben müssen. Für die Sicherung von Arbeitsplätzen braucht es daher auch passgenaue Stabilisierungsprogramme für Betriebe und sichere Perspektiven für Unternehmen, damit die Energiekosten wieder bezahlbar bleiben/ werden. Erstmal abgewanderte beziehungsweise verlorene Arbeitsplätze kommen in der Regel nicht mehr zurück.

Übergewinne müssen abgeschöpft werden. Während die steigenden Preise die privaten Verbraucherinnen und Verbraucher und viele Betriebe immer stärker belasten, profitieren einige Unternehmen von der Krise. Vor allem große Energie- und Mineralölkonzerne fahren aufgrund der steigendenden Preise auf den Rohstoffmärkten hohe Gewinne ein. Diese müssen zur Gegenfinanzierung der Entlastungsmaßnahmen genutzt werden.

Um dem bedrohlichen Fachkräftemangel in vielen Bereichen entgegenzutreten, müssen Berufe wie etwa im medizinischen Sektor und in der Kinderbetreuung attraktiver von der Entlohnung aber auch von den Arbeitsbedingungen gestaltet werden. Gleiches gilt auch für Handwerksberufe und viele andere. Ansonsten wird es in diesen Bereichen schwierig, Nachwuchs zu gewinnen und bestehende Arbeitskräfte zu halten.“

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