Pandemie

Das kleine Remscheider „Testzentren-Imperium“

In diesem ehemaligen Kino an der Burger Straße in Remscheid fing alles an, inzwischen betreiben Volkan Bozkaya, Matthias Kloss und Süleyman Dogantekin (vorne, v.l.) ein gutes Dutzend ähnlicher Einrichtungen in mehreren Städten. Foto: Roland Keusch
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In diesem ehemaligen Kino an der Burger Straße in Remscheid fing alles an, inzwischen betreiben Volkan Bozkaya, Matthias Kloss und Süleyman Dogantekin (vorne, v.l.) ein gutes Dutzend ähnlicher Einrichtungen in mehreren Städten.

Die VM Handelsgesellschaft hat binnen kürzester Zeit zahlreiche Zentren aus dem Boden gestampft.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Ob Remscheider Süd-Bezirk, Hückeswagener Innenstadt, Herne-Wanne oder Essen-Fintrop, wer dieser Tage einen Corona-Schnelltest machen will, landet schnell bei der VM Handelsgesellschaft. Das Remscheider Unternehmen hat in kürzester Zeit ein gutes Dutzend Testzentren aus dem Boden gestampft. Weitere sollen bald folgen. Das war zwar naheliegend – aber eigentlich gar nicht geplant.

„Das Ganze ist so aus sich heraus gewachsen“, sagt Volkan Bozkaya fast ein wenig entschuldigend. Er hat die Zentren zusammen mit Geschäftsführer Süleyman Dogantekin und seinem Kollegen Matthias Kloss aufgebaut. Zwei sind es inzwischen in Remscheid, dazu eines in Hückeswagen, weitere im Ruhrgebiet. Werden alle bereits beantragten Zentren genehmigt, käme VM an Ende auf 20. „Wir sind schon sehr engagiert dabei“, sagt Volkan Bozkaya. Und mit sehr viel Freude: „Das wird so gut aufgenommen von der Bevölkerung, das macht richtig Spaß.“

Dabei laufen die Zentren je nach Standort recht unterschiedlich. Eines der Essener komme regelmäßig auf über 600 Testungen am Tag, verrät Süleyman Dogantekin. Andere hätten an manchen Tagen gerade mal 50. Im Schnitt erreiche man aber etwa 250 Tests pro Tag und Testzentrum.

Gleichwohl sei allen Beteiligten klar, dass das kleine Testzentren-Imperium nicht von Dauer sein wird. „Vielleicht läuft die derzeitige Teststrategie noch zwei Monate, vielleicht bis in den Winter“, orakelt Bozkaya. Sicher sei aber, dass das nicht ewig so weiter geht. Dessen seien sich alle Mitarbeiter, aber auch die Vermieter der Ladenlokale und Container, in denen die Zentren untergebracht sind, bewusst. „Wir gehen damit so transparent wie möglich um.“

Die Standorte so kurz hintereinander zu eröffnen, sei eine Herausforderung gewesen, berichtet Volkan Bozkaya. „Das geht natürlich nur in einem sehr guten Team.“ VM-Geschäftsführer Süleyman Dogantekin sei ein Organisationstalent und auch er selber bringe nach mehr als 20 Jahren im Vertrieb genügend Unternehmergeist mit. Vieles sei über gute Kontakte und Empfehlungen gelaufen.

Das gelte auch für die Zusammenstellung der Teams vor Ort. „Da mussten wir sehr stark Akquise betreiben.“ Fündig wurde man unter anderem bei Menschen, die durch Corona in Kurzarbeit sind oder sogar ihren Job verloren haben. Darunter auch Leute mit medizinischen Background wie Rettungsassistenten. „Aber natürlich setzen wir auch branchenfremdes Personal ein, das wird dann entsprechend geschult.“

Entstanden sind die Testzentren eher durch Zufall. Eigentlich ist Süleyman Dogantekin seit rund 20 Jahren im Bereich Mobilfunk aktiv, seine Vision Trading GmbH agiert als Reseller. Mit der Tochterfirma VM wiederum begann er vor einigen Jahren schon, Krankenhausbedarf zu importieren, ein Geschäftsbereich, der in der Corona-Krise naturgemäß stark wuchs.

„Wir haben auch Test-Kits an Krankenhäuser und Apotheken verkauft“, sagt Volkan Bozkaya. Da sei die Idee, ein Testzentrum zu betreiben naheliegend gewesen. „Das passte eigentlich ganz gut.“ Mit dem Besitzer der Immobilie in der Burger Straße 17, einem ehemaligen Kino, habe man außerdem in Kontakt gestanden, seit man auf der Suche nach einem neuen Lager gewesen sei. Der Rest fügte sich. Nach etwa zehn Tagen wurde das Testzentrum Süd eröffnet.

Und dabei wäre es wohl auch geblieben. Wäre das Team nicht angesprochen worden, dass ein Betreiber für ein weiteres Testzentrum auf dem Parkplatz von Möbel Knappstein gesucht wurde. Ähnlich sei es im Ruhrgebiet gelaufen, sagt Bozkaya, der selber in Mülheim wohnt. Nach einem ersten Zentrum in Essen-Fintrop seien weitere mögliche Standorte an sie herangetragen worden. „Da haben wir wohl einen guten Job gemacht.“

So viel so schnell zu bewegen, das schweiße zusammen, sagt Süleyman Dogantekin. Dass das irgendwann ein Ende nehmen wird und die Mitarbeiter arbeitslos werden könnte, „tut schon im Herzen weh“. Viele Angestellte hätten sich als extrem engagiert erwiesen. Deswegen arbeite man bereits an weiteren Projekten, um den Menschen eine Weiterbeschäftigung anzubieten. Doch bis dahin wird erst einmal weitergetestet. Der Bedarf ist ja nach wie vor groß.

Hintergrund

Finanziert werden die Testzentren über Landesmittel, die über die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet werden. Zwölf bis 15 Euro gibt es pro Abstrich, dazu bis zu sechs Euro Sachkosten. Außerdem erhalten viele Zentren pauschal 1000 Euro pro Monat über das jeweilige Gesundheitsamt. Voraussetzung für die Eröffnung eines Testzentrums ist, dass der Betreiber versichert, die in der Landesverordnung festgelegten Mindeststandards einzuhalten, eine Kontrolle findet kaum statt. Anspruch auf regelmäßige Tests hat übrigens jeder. In der Coronateststrukturverordnung sind keine Voraussetzungen genannt, deshalb dürfte das für jeden gelten, der sich rechtmäßig in NRW aufhält.

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