Ausbildungsmarkt

Betriebe rechnen mit weniger Bewerbern

Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt
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Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt.
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Solinger u-form Testsysteme GmbH & Co. KG legt Studie Azubi-Recruiting-Trends 2022 vor.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist angespannt. Daran dürfte sich in näherer Zukunft nicht viel ändern. Zumindest rechnen fast vier von fünf Ausbildungsbetrieben mit steigenden Schwierigkeiten beim Besetzen ihrer Lehrstellen. Bei mehr als zwei Dritteln gefährde das die Fachkräftesicherung im Betrieb. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Azubi-Recruiting-Trends 2022.

Die Solinger u-form Testsysteme GmbH & Co. KG hat die Online-Umfrage durchgeführt. Wissenschaftlich begleitet wird die Untersuchung von Prof. Dr .Christoph Beck, Studienpartner ist die AUBI-plus GmbH. Laut U-Form-Angaben handelt es sich bei den Azubi-Recruiting-Trends um „die größte mehrperspektivische Studie zur dualen Ausbildung in Deutschland“. 2022 haben sich 5187 Auszubildende und 1571 Ausbildungsverantwortliche beteiligt.

Die Zahl der jungen Menschen auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle ist 2022 in Remscheid und Solingen geringer als in den Vorjahren. Dementsprechend fällt die Prognose der Betriebe in der U-Form-Umfrage negativ aus. Im gewerblich-technischen Bereich gehen 35 Prozent davon aus, dass die Bewerberzahlen stark abnehmen, 43 Prozent rechnen mit einem leichten Rückgang. Im kaufmännischen Bereich erwarten 39 Prozent einen leichten Rückgang.

Die Entwicklung führt dazu, dass Bewerberinnen und Bewerber die freie Wahl haben. Mehr als die Hälfte gibt an, zwei oder mehr Angebote zu erhalten. Freilich wirkt sich die sinkende Verfügbarkeit von Interessierten auch auf die Betriebe aus. Demnach stehe das Thema Ausbildung in fünf Prozent der Firmen auf der Kippe. 27 Prozent möchten verstärkt duales Studium anbieten, 17 Prozent Auszubildende im Ausland rekrutieren, sieben Prozent Bachelorabsolventinnen und -absolventen in den Blick nehmen. Sogar drei Viertel der befragten Betriebe gaben an, auf alternative Zielgruppen wie Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sowie Studienzweiflerinnen und Studienzweifler zu setzen.

Die Azubi-Recruiting-Trends beschäftigen sich auch mit der Frage, wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber potenzielle Nachwuchskräfte erreichen können. Diesbezüglich gebe es noch Nachholbedarf, konstatieren die Studienmacher. So informieren sich beispielsweise 83 Prozent der jungen Menschen bei Google über eine Ausbildung – auf der anderen Seite nutzt lediglich ein Fünftel der Ausbildungsverantwortlichen in den Unternehmen diesen Kanal aktiv. Zudem wachse für die Bewerberseite die Bedeutung von Arbeitgeberbewertungsplattformen sowie von Azubi-Karrierewebsites.

Eltern helfen bei der Bewerbung

Eine wichtige Rolle bei der Wahl des passenden Betriebs spielen weiterhin die Eltern. Sie zählen zu den „Top-Influencern in der Phase der Berufswahl“. Dazu gehört, dass Mama und Papa in 40 Prozent der Fälle beim Verfassen von Bewerbungen helfen.

Die Studie hat abgefragt, was Bewerberinnen und Bewerbern bei der Auswahl eines Unternehmens wichtig ist. Unter anderem wurde gefragt: „Mehr Geld während der Ausbildung oder ein klimafreundlicher Ausbildungsbetrieb?“ 72 Prozent entschieden sich für die höhere Vergütung. „Das bedeutet nicht, dass den Azubis der Umweltschutz völlig egal wäre: Der Wunsch, sich während der Ausbildung dafür zu engagieren, ist groß – in den meisten Fällen jedenfalls deutlich stärker ausgeprägt als die entsprechenden Angebote der Betriebe“, wird das Ergebnis eingeordnet.

Seit Anfang 2019 müssen Jobanzeigen in Deutschland genderneutral formuliert sein. 44 Prozent der Ausbilderinnen und Ausbilder empfinden die Diskussion darüber als „störend“ oder unnötig“. 38 Prozent sehen sie als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ an. 36 Prozent der Bewerberinnen halten es für „wichtig“ oder „sehr wichtig“, dass Stellenanzeigen alle Geschlechter ansprechen. Bei Bewerberinnen liegt der Anteil bei 46 Prozent.

Unternehmen

Der U-form-Verlag mit Sitz in Solingen bietet Materialien zur Vorbereitung auf IHK-Prüfungen. Das Familienunternehmen ist seit mehr als 70 Jahren Partner der Industrie- und Handelskammern. Die u-form Testsysteme GmbH & Co. KG wurden 2007 aus dem Verlag ausgegliedert.

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