Podcast

Steadybit-Gründer Benjamin Wilms ist zu Gast bei „Bergische Macher“

Das IT-Unternehmen peilt rasantes Wachstum an. Unter anderem darüber spricht der Unternehmer in der neuen Folge des Wirtschaftspodcasts.

Von Manuel Böhnke

Benjamin Wilms ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Steadybit. Das Start-up hat sich auf Chaos Engineering spezialisiert.

Solingen. Für viele junge Menschen ist es ein Traum, ein erfolgreiches Start-up zu gründen. Während der Schulzeit oder im Studium suchen sie nach einer erfolgversprechenden Geschäftsidee, dem nächsten großen Ding. Benjamin Wilms war dieser Drang unbekannt. „Ich war nie jemand, den es unbedingt getrieben hat, etwas Eigenständiges aufzubauen“, erzählt der 40-Jährige in der neuen Episode des Podcasts „Bergische Macher“. Das war zumindest die längste Zeit seines bisherigen Berufslebens so. Vor etwas mehr als zwei Jahren kam es zu einem Sinneswandel: Mit Dennis Schulte und Johannes Edmeier gründete Wilms nach knapp 20 Berufsjahren im Angestelltenverhältnis die Steadybit GmbH. Das Start-up mit Sitz in der Klingenstadt peilt in den kommenden Jahren ein rasantes Wachstum an.

Ihren Ursprung hat die junge Firma im Dunstkreis des Solinger Softwareunternehmens Codecentric. Dort heuerte Wilms 2015 als Softwareentwickler ein. Zuvor absolvierte er bei TNT Express eine Ausbildung zum Informatikkaufmann, darf sich staatlich geprüfter Techniker im Bereich Informatik nennen. Bei seinem neuen Arbeitgeber an der Hochstraße in Ohligs beschäftigte er sich mit Chaos Engineering. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, Schwachpunkte von IT-Systemlandschaften zu identifizieren, um die Gefahr unvorhergesehener Ausfälle zu minimieren.

Benjamin Wilms trieb das Thema bei Codecentric voran, hielt Vorträge, sensibilisierte Kunden. Der Troisdorfer suchte das Gespräch zu Mirko Novakovic, der neben Codecentric unter anderem auch das erfolgreiche IT-Unternehmen Instana gegründet hat. Eigentlich erhoffte sich Wilms Hinweise, um den Schwerpunkt Chaos Engineering weiterzuentwickeln. Stattdessen stand am Ende des Austauschs die Idee für Steadybit.

Steadybit soll Unsicherheiten im Netz ausräumen

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, eine Software zu erstellen, mit der unsere Kunden herausfinden können, was mit ihren Systemen passiert, wenn gewisse Komponenten sich anders verhalten als geplant“, erklärt Wilms das Konzept. Welche Folgen hat es, wenn eine Datenbank langsamer arbeitet als gewohnt? Bricht ein Onlineshop zusammen, wenn es wegen einer erfolgreichen Marketingaktion zu einem plötzlichen Kundenansturm kommt? Unsicherheiten wie diese soll Steadybit ausräumen.

Möglich machen das sogenannte Experimente. Die Software schafft es, gezielt Bestandteile eines Systems unter Druck zu setzen, um zu überprüfen, wie die Komponenten darauf reagieren. Netflix gilt in diesem Bereich als Vorreiter. Die Streaming-Plattform ist darauf angewiesen, dass ihre Dienste rund um die Uhr zuverlässig funktionieren. Laufend werden die Systeme deshalb einem Stresstest unterzogen.

Weil sich dieses Konzept nicht ohne weiteres auf andere Unternehmen übertragen lässt, verfolgt Steadybit einen anderen Ansatz. Die Software zeigt bereits im Entwicklungszyklus eines Systems mögliche Ausfallszenarien auf, nicht während des laufenden Betriebs. Außerdem haben sich Benjamin Wilms und seine Mitstreiter das Ziel gesetzt, Chaos Engineering – ein komplexes Thema, das Expertenwissen erfordert – für jedermann zugänglich zu machen.

Das Konzept scheint aufzugehen. Über das Codecentric-Netzwerk – die Gründer Mirko Novakovic und Rainer Vehns unterstützen Steadybit bis heute – konnte Wilms weltweit mit Menschen über seine Idee ins Gespräch kommen. Nach der Gründung im Herbst 2019 dauerte es nicht lange, bis ihn ein Anruf aus New York erreichte.

Amerikanisches Interesse an deutschen Start-ups steigt

Ein potenzieller Investor wollte die Gründer kennenlernen. „Das war wie im Film“, erinnert sich Wilms lachend. Beim gemeinsamen Abendessen wurde das Handy gezückt, darauf stand eine große Geldsumme, der Deal nahm Form an. Immer häufiger möchten amerikanische Investoren in Deutschland und Europa investieren, stellt Wilms fest. Und liefert gleich einen Erklärungsansatz für diese Entwicklung: „Sie haben verstanden, was für eine Qualität die Firmen hier abrufen können.“

Steadybit befindet sich auf Expansionskurs. Im Januar wuchs das Team von sieben auf elf Mitarbeiter. Nimmt das Unternehmen eine ähnliche Entwicklung wie Codecentric? 2005 wurde das Softwareunternehmen gegründet, inzwischen zählt es mehr als 550 Mitarbeiter an 17 Standorten in Europa. Vielleicht, sagt Wilms, verlaufe die Entwicklung sogar noch rasanter. Das Interesse von Geldgebern sei jedenfalls groß.

Alle Folgen des Podcasts „Bergische Macher“

Räumliche Grenzen sind der Entwicklung von Steadybit nicht gesetzt. Zwar hat das Unternehmen seinen formalen Sitz am Solinger Codecentric-Standort. Es handelt sich jedoch um eine Remote-First-Company. Das heißt, das mobile, ortsungebundene Arbeiten ist der Normalfall – unabhängig von der Corona-Pandemie. „Das braucht Rituale“, erklärt Benjamin Wilms. Morgens kommen die Kollegen etwa kurz zusammen, um über Gott und die Welt zu sprechen – eine virtuelle Kaffeeküche.

Die Entscheidung, auf verteiltes Arbeiten zu setzen, hat einen strategischen Hintergrund. Soll Steadybit in den kommenden Jahren die vorgesehene Entwicklung vollziehen, sind dafür Fachkräfte notwendig. Bei der Suche danach steht Benjamin Wilms die ganze Welt offen.

Podcast

Benjamin Wilms ist in der elften Folge des Formats „Bergische Macher“, dem Wirtschaftspodcast von Remscheider General-Anzeiger und Solinger Tageblatt, zu Gast. Das einstündige Gespräch ist auf gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes, Deezer und Youtube abrufbar.

Rubriklistenbild: © Steadybit

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