810 Gewerbeanmeldungen in Remscheid

Auch in der Pandemie wird weiter gegründet

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In Remscheid gab es im vergangenen Jahr 810 Gewerbeanmeldungen und 690 -abmeldungen.

Untersuchung zeigt: Fast alle Städte in der Region verzeichnen mehr Gewerbean- als Abmeldungen.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Corona zum Trotz: Im Bergischen werden nach wie vor neue Unternehmen gegründet. Und zwar in der Regel mehr als im gleichen Zeitraum abgemeldet werden. Eine regelmäßig von der Auskunftei Creditreform durchgeführte Untersuchung zeigt: Viele Städte in der Region haben zum Teil deutliche Zuwächse bei den Gewerbe-Anmeldungen zu verzeichnen.

So standen in Solingen im Vorjahr 1019 Abmeldungen 1143 Anmeldungen gegenüber, ein positiver Saldo von 124. Für Remscheid standen zwar keine Daten der Gewerbemeldestelle zur Verfügung, die Creditreform schätzt aber auf Basis ihrer Daten, dass auf rund 810 Neugründungen nur 690 Abmeldungen kommen. Auch Burscheid (+36), Wermelskirchen (+100), Haan (+30) und Radevormwald (+33) verzeichneten positive Salden. Einzig Hückeswagen hatte eine negative Bilanz: 105 An- stehen 146 Abmeldungen gegenüber.

Etwa 600 Mitarbeiter haben durch die Insolvenz ihres Unternehmens ihren Arbeitsplatz verloren oder müssen darum bangen.

Aus der Untersuchung

„Die verstärkten Gründungsaktivitäten machen Hoffnung auf eine nachhaltig positive Entwicklung der lokalen Wirtschaft“, sagt Ole Kirschner, Geschäftsführer der Creditreform Solingen. Zumal die meisten Kommunen bereits 2020 mehr Gründungen als Aufgaben verzeichnen konnten. Im Gebiet der Solinger Creditreform, zu dem neben Remscheid und Solingen auch Leverkusen und acht weitere kleinere Städte gehören, habe es zuletzt 7100 Neuanmeldungen und 5300 Löschungen und Gewerbe-Abmeldungen, heißt es in der Untersuchung. Den Löwenanteil machen dabei mit 72 Prozent Dienstleister aus. Handelsunternehmen sind mit 16 Prozent vertreten, das Baugewerbe mit acht Prozent und die fürs Bergische so prägende Industrie mit immerhin noch fünf Prozent.

Die vergleichsweise geringe Zahl von Abmeldungen habe auch mit einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu tun, sagt die Creditreform. Deren Zahl sei im Bergischen wie im gesamten Bundesgebiet rückläufig. Im Bereich der Solinger Creditreform gab es demnach im Vorjahr 170 unternehmerische Insolvenzverfahren. Nach 184 Verfahren im Jahr 2020 ein Rückgang von mehr als sieben Prozent. Das sei auch ein Verdienst des Anfang 2021 in Kraft getretenen Gesetzes über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen, kurz: StaRUG. Vor allem aber den staatlichen Corona-Hilfen zu verdanken.

Deswegen sei diese Entwicklung durchaus auch kritisch zu betrachten, sagt Ole Kirschner: Einige Firmen würden sich wohl nur noch dank diverser Corona-Hilfen „über Wasser“ halten. „Außerdem wird sich noch erweisen müssen, wie die Unternehmen der Region mit den zurzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen umgehen, wie Rohstoffmangel, stark gestiegene Bezugspreise und Fachkräftemangel.“

Den wirtschaftlichen Schaden, der im Vorjahr durch Unternehmensinsolvenzen in ihrem Gebiet entstanden ist, schätzt die Creditreform Solingen auf zusammen rund 100 Millionen Euro. Im Schnitt seien von jeder Insolvenz 3,2 Jobs betroffen: „Etwa 600 Mitarbeiter haben durch die Insolvenz ihres Unternehmens ihren Arbeitsplatz verloren oder müssen darum bangen.“

Besonders anfällig für Insolvenzen sind Firmen in der Region nach der aktuellen Untersuchung in den Jahren drei und vier ihres Bestehens. In dieser Phase sind sie rund zweieinhalb mal häufiger betroffen als der Durchschnitt. Auch danach sinkt die Anfälligkeit nur langsam: Fünf- bis zehnjährige Unternehmen gehen noch 1,4-mal häufiger pleite als der Schnitt. „Erst ab dem zehnten Jahr nach Gründung verbessern sich die Überlebenschancen dann merklich.“

Die Solinger Creditreform ist eines von bundesweit fast 130 selbstständigen Unternehmen, die zusammen die Creditreform-Gruppe bilden. Zusammen agieren sie als Wirtschaftsauskunftei und Inkassodienstleister und bieten weitere Dienstleistungen wie Factoring an. Zurück geht das auf den im Jahr 1879 von 25 Gewerbetreibenden gegründeten „Verein Barzahlung Mainz“.

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