Orthopädie

Bergische Schuh-Einlagen für die ganze Welt

Prokuristin Anne Tuchtfeldt zeigt in Wermelskirchen hergestellte Einlagen-Rohlinge.
+
Prokuristin Anne Tuchtfeldt zeigt in Wermelskirchen hergestellte Einlagen-Rohlinge.

Seit dem Verkauf an Medi ist Pisana stark gewachsen.

Von Laura Wagener

Wermelskirchen. „Aus der Manufaktur liefern wir in die USA, nach Japan, Europa und in viele weitere Länder“, sagt Anne Tuchtfeldt, Prokuristin bei Pisana in Wermelskirchen-Elbringhausen. „Mit unseren Einlagen sind wir in 40 Ländern vertreten – man braucht die Produkte einfach.“

Im Jahr 2000 hatte der Orthopädie-Unternehmer Giorgi Pisana das nach ihm benannte Unternehmen Pisana gegründet, das sich auf die Herstellung von Einlagen-Rohlingen spezialisiert hatte. 2012 regelte er seine Nachfolge und verkaufte die Firma an das weltweit tätige Unternehmen Medi (Eigenschreibweise: medi). Für Medi war das ein strategischer Kauf: Durch Pisana konnten die Bayreuther, die im Bereich Kompressionsstrümpfe und Orthopädieprodukte tätig sind, ihre Produktpalette um orthopädische Einlagen erweitern. Beliefert werden Sanitätshäuser und orthopädische Schuhtechniker in Deutschland, aber auch international wird exportiert.

„Wir produzieren in Kleinserien sehr spezielle Vorprodukte für unsere handwerklichen Kunden“, sagt Tuchtfeldt, die bei Medi den Bereich Footcare leitet. Sie betont den Manufaktur-Charakter der Produktionsgesellschaft. Und tatsächlich sieht man in der Produktion – einer Werkstatt, die sich über drei Stockwerke erstreckt – neben einigen wenigen Maschinen vornehmlich Mitarbeiter, die in sorgfältiger Handarbeit Sohlen anfertigen. Nachdem Schneide- und Stanzmaschinen die Rohmaterialien bearbeiten haben, werden die unterschiedlichen Kleinteile per Hand geformt und zusammengefügt.

Pisana: Handwerkliche Qualität der Einlagen ist einzigartig

„Teilweise finden sich bis zu 14 Bauteile in einer Einlage“, verrät Tuchtfeldt. Eine breite Vielfalt an Materialien kommt dabei zum Einsatz: verschiedene Schäume (zum Beispiel aus Polyurethan oder EVA), feste Elemente aus verschiedenen Kunststoffen, Leder, Carbon, Kork, Textilien. „Diese handwerkliche Qualitätsarbeit mit dem fachlichen Background unserer Medical-Experten gibt es in anderen Ländern auf diesem Niveau nicht.“

Die vielen Kleinserien erklären sich durch die zahlreichen unterschiedlichen Bedürfnisse der Patienten und Träger. Egal ob Spreiz-, Knick- oder Plattfuß – für jede Fehlstellung gibt es die richtige Einlage zur Behandlung. Die Rohlinge von Medi bieten dabei Abhilfe. Vom Orthopädietechniker vor Ort können sie durch kleine Modifizierungen weiter auf die Bedürfnisse dessen Kunden zugeschnitten werden. „Es ist eine echte Herausforderung des Manufakturansatzes und bedeutet lange Einarbeitungszeiten der Mitarbeiter“, sagt Tuchtfeldt.

„Wir haben eine super Mannschaft von Herrn Pisana übernommen. Diese haben wir seitdem mehr als verdoppelt.“ 60 Angestellte seien es zu Beginn gewesen, mittlerweile bestehe das Team am Standort Wermelskirchen aus 140 Personen. Ab 2023 sollen auch Auszubildende eingestellt werden – vorerst ist eine Stelle in der Verwaltung geplant. Insgesamt arbeiten mehr als 3000 Mitarbeiter weltweit an 25 Niederlassungen für Medi.

Pisana: Neu- und Umbau werden im Herbst eingeweiht

Neben zahlreichen weiteren Einlage-Kleinserien verfügt Medi über Patente – zum Beispiel auf spezielle Einlagen für Patienten mit Fersenschmerz. „Die haben ein Carbon-Chassis. Das bietet Flexibilität aber auch Festigkeit für die Therapie“, erklärt Tuchtfeldt. Erst kürzlich gewann das Unternehmen zudem gemeinsam mit einem Erfinder den German Innovation Award für eine 3D-gedruckte Einlage, die speziell für Patienten mit Plattfuß entwickelt wurde. Sie soll durch ihre gebogene Form beim Anheben des Fußes unterstützen und so den Träger entlasten.

Am Wermelskirchener Standort befinden sich neben der Produktion auch das Lager, der Kundenservice, das Produktmanagement und die Personalabteilung. „Alles ist hier vor Ort.“ Der ursprüngliche Altbau wurde komplett entkernt und saniert, 2019 wurde ein Neubau angebaut. „Hier entstehen gerade Kantine und Terrasse“, sagt Anne Tuchtfeldt und zeigt auf die große Baustelle vor dem Medi-Hauptgebäude in Elbringhausen.

Neu- und Umbau sollen in diesem Herbst eingeweiht werden. Im umgebauten Teil sollen zudem zukünftig ein Schulungs- und Seminarbereich Platz finden, verrät sie. „Es ist toll, dass wir die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter deutlich verbessern. Wir sind stark gewachsen und möchten auch weiter wachsen.“

Unternehmen

Die 2000 gegründete Firma hatte anfangs ihren Sitz in Remscheid-Lennep. Seit 2002 werden in Elbringhausen Einlagen für den Orthopädiebereich produziert. 2012 wurde Pisana vom fränkischen Unternehmen Medi übernommen. Am Standort Wermelskirchen arbeiten derzeit rund 140 Mitarbeiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Böllern wieder nach Herzenslust: So steht es um die Branche
Böllern wieder nach Herzenslust: So steht es um die Branche
Böllern wieder nach Herzenslust: So steht es um die Branche
Rabbasol: Ihr unkonventioneller Weg zahlt sich aus
Rabbasol: Ihr unkonventioneller Weg zahlt sich aus
Rabbasol: Ihr unkonventioneller Weg zahlt sich aus
Steinhaus erweitert in Rekordzeit
Steinhaus erweitert in Rekordzeit
Steinhaus erweitert in Rekordzeit
Elektromeister will auf eigenen Füßen stehen
Elektromeister will auf eigenen Füßen stehen
Elektromeister will auf eigenen Füßen stehen

Kommentare