Internationalisierung geplant

Bei WebID stehen alle Zeichen auf Wachstum

Die Gründer und Geschäftsführer der WebID Solutions GmbH: Sven O. (l.) und Frank S. Jorga. Foto: Jannis Dirksen
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Die Gründer und Geschäftsführer der WebID Solutions GmbH: Sven O. (l.) und Frank S. Jorga.
  • Manuel Böhnke
    VonManuel Böhnke
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Britischer Investor soll dem Anbieter von Online-Identifikationsdienstleistungen bei Internationalisierung helfen.

Solingen/Berlin. Einhörner sind nicht nur beliebte Fabelwesen. Im wirtschaftlichen Kontext steht die Bezeichnung für Start-ups mit einer Marktbewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Genau diese Marke möchte Frank S. Jorga in den kommenden vier Jahren mit seinem Unternehmen erreichen. Er ist der Geschäftsführer und Gründer der WebID Solutions GmbH, die jüngst den Einstieg des Investors Anacap vermelden konnte. Das Engagement beläuft sich Jorga zufolge auf einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“.

„In Solingen sichern wir die Qualität unseres Video-Ident-Verfahrens.“

Frank S. Jorga, WebID-Gründer und -Geschäftsführer

WebID wurde 2012 gegründet. Die Firma ist laut eigenen Angaben europaweit einer der größten Anbieter für Online-Identifikationsdienstleistungen, unter anderem per Videochat. Der Sitz des Unternehmens ist Berlin. Der größte Standort befindet sich allerdings in Solingen. Hier arbeiten knapp 700 der insgesamt mehr als 800 WebID-Mitarbeiter, darunter Teilzeitkräfte.

In einem Mehrschichtsystem führen sie an der Kieler Straße Online-Identifizierungen durch. Die Auftraggeber kommen aus verschiedenen Branchen. Die wichtigsten Kunden seien nach wie vor Banken. Rund 70 Prozent der namhaften Kreditinstitute in Deutschland setzt auf die Dienstleistungen seines Unternehmens, schätzt Frank S. Jorga. Hinzu kommen unter anderem Telekommunikationsanbieter, Online-Händler, die Videospiel-Industrie und Trading-Portale.

„In Solingen sichern wir die Qualität unseres Video-Ident-Verfahrens“, erklärt der Geschäftsführer. Und verbindet diese Ausführung mit einem klaren Bekenntnis zum Standort. Die Klingenstadt habe ein riesiges Einzugsgebiet, die WebID-Niederlassung in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof die „ideale Lage“. Diese Faktoren seien ausschlaggebend dafür gewesen, dass das Unternehmen im Bergischen Land bislang die nötigen Mitarbeiter für seinen Wachstumskurs gefunden hat.

Wenngleich sich WebID in Solingen wohlfühlt, würde sich Jorga einen engeren Kontakt zu Politik und Verwaltung wünschen: „Es wäre schön, wenn man ins Gespräch kommen könnte.“ Denn das Unternehmen führt auch Projekte in Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen durch. In Wiesbaden habe man etwa einen Prozess für die Online-Anmeldung zur Eheschließung geschaffen.

Nicht nur Vorhaben wie dieses lassen das Auftragsvolumen steigen. 2020 sei ein „außergewöhnliches Jahr“ gewesen, sagt Jorga. Der erzielte Umsatz machte einen Sprung von 13 auf 20 Millionen Euro. 2021 steuere man auf 30 Millionen Euro zu. Knapp 10 Prozent des Wachstums seien auf die Corona-Krise zurückzuführen. Auf der einen Seite habe die Pandemie einige Projekte bei Kunden beschleunigt und WebID damit in die Karten gespielt. Doch es habe auch negative Effekte gegeben: Einige Kunden, beispielsweise in der Automobilindustrie, hatten mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Außerdem musste das Unternehmen in seine Standorte investieren, um den Betrieb unter Corona-Bedingungen aufrechtzuerhalten.

Das ist gelungen. Und der Pfeil zeigt weiter nach oben. „In Solingen können wir in absehbarer Zeit wohl 50 zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen“, gibt Frank S. Jorga einen Ausblick. Allerdings werde der Platz allmählich eng. Aktuell gebe es Überlegungen, sich weitere Flächen innerhalb des Gebäudes an der Kieler Straße zu sichern. Einen zweiten Standort in Solingen aufzubauen, sei dagegen nicht geplant. „Das wäre die Notlösung.“

Derweil nimmt WebID auch den internationalen Markt in den Blick. Bislang sei man in der Schweiz und Österreich stark vertreten. Darüber hinaus sei das Engagement aber eher punktuell. Das soll sich ändern. Ein Hebel dabei könnten Zukäufe sein. Frank S. Jorga denkt einerseits an Identifikationsdienste in anderen Ländern, die WebID ganz oder anteilig übernehmen könnte. Gleichzeitig seien Firmen interessant, deren Technologie das aktuelle Geschäftsmodell ergänzt. „Wichtig ist, dass die Unternehmenskultur zu unserer passen muss.“

www.webid-solutions.de

Investor

Der britische Investor Anacap hat die Mehrheit an der WebID Solutions GmbH erworben. Frank S. Jorga bleibt mit seinem Bruder Sven O. Jorga jedoch nicht nur für die strategische und operative Steuerung des Unternehmens verantwortlich, sondern auch größter Einzelgesellschafter. Teil der WebID-Geschäftsführung war auch Thomas Fürst. Seit dem Frühjahr 2020 sei der gebürtige Solinger allerdings nicht mehr operativ für das Unternehmen tätig, erklärt Frank S. Jorga.

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