Jubiläum in Lennep

Barmag: Innovation als steter Begleiter

IHK-Präsident Henner Pasch und Hauptgeschäftsführer Michael Wenge überreichten im Namen der Kammer eine Urkunde zum Jubiläum an CEO Georg Stausberg (o. r.), der im Rahmen kurzer Gesprächsrunden (u. l.) Einblicke ins Unternehmen gab. Danach gab es eine Führung durch die Barmag-Produktion, an der auch Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (o. l.) teilnahm. Fotos: Michael Schütz
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IHK-Präsident Henner Pasch und Hauptgeschäftsführer Michael Wenge überreichten im Namen der Kammer eine Urkunde zum Jubiläum an CEO Georg Stausberg.

Der Remscheider Maschinenbauer feiert seinen 100. Geburtstag.

Von Sven Schlickowey

Danach gab es eine Führung durch die Barmag-Produktion, an der auch Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz teilnahm.

Remscheid. Die Barmag ist 100 geworden. Einen Tag nach dem eigentlichen Geburtstag, die Barmer Maschinenfabrik Aktiengesellschaft wurde am 27. März 1922 eingetragen, feierte der Hersteller von Maschinen für die Chemiefaserproduktion am Montag das Jubiläum mit einem kleinen Empfang mit geladenen Gästen. Der soll, wenn Corona es zulässt, nur der Auftakt für weitere Feierlichkeiten im Laufe des Jahres ein.

Dabei stand der Auftakt, trotz der Historie des Gastgebers, eher im Zeichen eines Ausblicks in die Zukunft. „Ich bin zuversichtlich, dass noch viele gute Jahre kommen“, sagte CEO Georg Stausberg, selber schon seit 33 Jahren im Unternehmen. Basis dafür sei die Innovationskraft der Barmag: „In unserer Branche sind wir in der Verantwortung, weit nach vorne zu schauen und Trends zu antizipieren.“

CEO Georg Stausberg gab im Rahmen kurzer Gesprächsrunden Einblicke ins Unternehmen gab.

Tatsächlich ist die Innovation der stete Begleiter der Firma, die zwar im heutigen Wuppertal gegründet wurde aber schon bald darauf nach Lennep umzog. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der französische Chemiker Hilaire Bernigaud de Chardonnet die Kunstseide entwickelt, doch auch 40 Jahre später steckten die Produktionsverfahren noch in den Kinderschuhen. Die Barmag machte das Wissen industriell nutzbar und ebnete damit einer ganzen Branche den Weg. Bis heute sammelte das Unternehmen mehr als 11 000 Patente.

„Eine wichtige Rolle spielt der Standort Remscheid“, betonte Stausberg. „Hier laufen die Fäden zusammen.“ Das Umfeld sei gerade für Mitarbeiter, die eine Familie gründen wollen, attraktiv. Rund 500 neue Arbeitsplätze hat die Barmag in den vergangenen drei Jahren geschaffen. Denn nach einer wechselvollen Geschichte mit Aufschwüngen in den „Goldenen Zwanzigern“ und im Wirtschaftswunder, aber auch einem im Krieg zerbombten Werk und einer harten Restrukturierung Mitte der 90er Jahre befindet sich das Unternehmen derzeit wieder im Aufschwung. Noch vor 25 Jahren habe man angenommen, eine Monatsproduktion von 350 sogenannten Wicklern, dem Hauptprodukt der Barmag, sei ausreichend, erinnerte sich Stausberg. Mehr brauche der Markt gar nicht. „Im letzten Monat haben wir 1000 gebaut.“

Barmag: Ein Pionier mit einer wechselvollen Geschichte

Inzwischen sei man mehr „Lösungsanbieter“ als Maschinenbauer, befand CEO Georg Stausberg. Gerade neue Kunden – die Produktion von Chemiefasern findet zunehmend nicht mehr nur in China, sondern auch in Indien, der Türkei und der USA statt – würden „komplette Fabriken“ kaufen. Eine Entwicklung, die auch Thomas Waldmann vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) würdigte: „Die Barmag ist ein toller Botschafter für ,Made in Germany‘“.

Bevor die geladenen Gäste eine Führung durchs Werk und durch das Technikum, das größte für Chemiefasern weltweit, bekamen, gab Stausberg in kurzen Talkrunden Einblicke ins Unternehmen. Neben Waldmann kam auch Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zu Wort, der vor allem die Bindung der Firma zur Belegschaft hervorhob, und die Betriebsratsvorsitzende Sabine Kuhlmann. Unter den 1500 Beschäftigten am Standort Remscheid seien rund 20 Nationen vertreten, so Kuhlmann: „Für uns ist das ganz normal.“ CEO Stausberg lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat: Den Ausgleich zwischen den Interessen zu finden, stärke das Unternehmen. „Sonst driftet es in eine Richtung ab.“

Zu weiteren Feier des Jubiläums ist im Spätsommer eine Feier mit allen Beschäftigen der deutschen Barmag-Standorte in der Wuppertaler Stadthalle geplant. Zudem soll es Events im Rahmen ohnehin stattfindender Messen für Kunden geben.

Hintergrund

Es gab eine Führung durch die Barmag-Produktion.

Seit dem Jahr 2007 gehört die Barmag zur Schweizer Oerlikon-Gruppe und trägt seither den Namen Oerlikon Barmag. Gegründet wurde die Firma 1922 in Barmen (heute Wuppertal), schon 1927 wurde der Unternehmenssitz aus Platzgründen in die damals noch eigenständige Stadt Lennep verlegt. Die Barmag ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bereich Spinnanlagen für Nylon, Polyester und Polypropylen sowie Texturiermaschinen, etwa die Hälfte aller weltweit im Einsatz befindlichen Maschinen stammen von ihr.

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