BSS Bohnenberg

Automatisierungsprofis aus dem Bergischen

Seit 2011 ist Martin Gräb Geschäftsführer der BSS Bohnenberg GmbH. Zuvor war er Vertriebsleiter des Unternehmens. Foto: Michael Schütz
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Seit 2011 ist Martin Gräb Geschäftsführer der BSS Bohnenberg GmbH. Zuvor war er Vertriebsleiter des Unternehmens.
  • Manuel Böhnke
    VonManuel Böhnke
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Die BSS Bohnenberg ist auf Intralogistiklösungen und Materialflusskonzepte spezialisiert.

Solingen. Die Ausmaße sind gigantisch. Rund 8000 Quadratmeter Nutzfläche umfasst das Lager der deutschen Supermarktkette. Bis zu 30 000 Kisten Obst und Gemüse stehen hier auf zwei Etagen – dreimal pro Tag kommt Nachschub, ständig machen sich neu beladene Lkw auf den Weg in die Märkte. Die Abläufe müssen schnell und reibungslos funktionieren, damit die Lebensmittel frisch in den Regalen ankommen. Wenngleich die meisten Endverbraucher davon wohl nie Notiz nehmen werden: Die BSS Bohnenberg GmbH hat einen erheblichen Anteil daran. Das von ihr entwickelte Hochleistungskommissioniersystem Flowpicker ermöglicht einen weitestgehend automatisierten Warenumschlag in rasanter Geschwindigkeit.

Wo es möglich ist, übernimmt die Maschine.

Martin Gräb, Geschäftsführer der BSS Bohnenberg GmbH

Seit 1991 ist das Solinger Unternehmen auf Intralogistiklösungen und Materialflusskonzepte spezialisiert. Für Geschäftsführer Martin Gräb zeigt das beschriebene Beispiel, wie sich der Fokus von BSS verändert hat: „Vor 30 Jahren ging es vor allem um Lagertechnik. Heute bieten wir intelligente Kommissionierung an.“

Auf Paletten kommen die sortenrein gepackten Kisten im Lager an. Die Behälter mit mehr als 300 Obst- und Gemüsearten werden an das Kommissioniersystem übergeben. Vollautomatisch transportiert die Anlage die Behälter an den richtigen Aufbewahrungsort, den Fließkanalspeicher.

Tausende Kisten Obst und Gemüse bringt das Hochleistungskommissioniersystem Flowpicker automatisiert von A nach B.

Dort lagern die Waren, bis die Bestellung eines Marktes eingeht. Dann werden Kisten in der richtigen Reihenfolge und Stückzahl ausgelagert. Über eine elf Kilometer lange Förderstrecke bringt das System sie in Richtung der Transportpaletten. Ein Hochleistungscomputer errechnet, wie diese beladen werden müssen, damit sie während der Lieferung stabil sind, keine Produkte zu Schaden kommen und es die Mitarbeiter im Markt möglichst einfach haben. Eine weitere Anforderung: möglichst wenige Paletten verwenden, um Ressourcen zu sparen. Mehr als 40 Packmuster-Regeln beachtet der Rechner.

Lagern die Produkte in einheitlichen Boxen, übernimmt ein Roboter die Palettierung auf Grundlage der Berechnungen. Geht das nicht, ist der Mensch gefragt. Auch hier schafft die intelligente Technik Abhilfe: Sie gibt vor, wie gepackt werden muss, und liefert die Behälter in der richtigen Reihenfolge an. Die Kommissionierarbeitsplätze sind ergonomisch: Die Höhe passt sich an die Mitarbeiter an – schweres Heben gehört der Vergangenheit an.

„Wo es möglich ist, übernimmt die Maschine. Wo das nicht geht, wird es für den Menschen einfacher“, fasst Martin Gräb zusammen. Das Ziel der BSS-Anlagen sei nicht, Mitarbeiter aus Fleisch und Blut abzuschaffen. Vielmehr gehe es darum, schwierige, eintönige, gesundheitsschädliche Aufgaben zu automatisieren.

Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kostet ein Kommissioniersystem dieser Größe. 2012 hat BSS die erste Anlage dieser Art an die Supermarktkette verkauft. Drei Jahre Entwicklungszeit – vom Entwurf über ein 3-D-Modell bis hin zur Testanlage – und zwei Jahre Bauzeit waren nötig. Seitdem wurde das Konzept an weiteren Standorten umgesetzt. Bei Schritten wie der Montage kooperiert BSS mit Zulieferern und Dienstleistern, die Entwicklung übernehmen die Mitarbeiter an der Ahrstraße, darunter Software-, Automations- und Datentechnikexperten.

Die Nachfrage nach intelligenten Intralogistiksystemen ist trotz langer Lieferzeiten und hoher Materialkosten ungebrochen. „Den Firmen fehlen Platz und Material, alles muss immer schneller gehen – diese Anforderungen können wir nur mit Automatisierung lösen“, betont Gräb. Ein Ende der Entwicklung ist für den 56-Jährigen nicht in Sicht.

Die BSS-Systeme kommen überwiegend in Deutschland zum Einsatz. Der Handel mache 30 Prozent des Umsatzes aus. Auch eine Universität und eine Notenbank setzen auf die bergischen Entwicklungen. Die meisten Kunden kommen aus der Industrie. Tierfutter-, Automobil-, Schneidwaren- und Werkzeughersteller zählen dazu. „Bei vielen alltäglichen Produkten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie von einer unserer Anlagen bewegt wurden.“

Unternehmen

Die BSS Bohnenberg GmbH ist seit 1991 auf Intralogistiklösungen und Materialflusskonzepte spezialisiert. Neben Entwicklung und Bau neuer Systeme gehört auch die Modernisierung bestehender Anlagen zum Angebot der Solinger. Das Unternehmen beschäftigt 160 Mitarbeiter, 140 davon in der Klingenstadt. Weitere Standorte existieren in Ilmenau sowie im polnischen Kattowitz. Die Geschäftsführung bilden Martin Gräb und Vasilios Dossis. Gräb ist zudem der für Intralogistik zuständige Vorstand der ROFA Industrial Automation AG, zu der BSS seit 2014 gehört.

www.bss.gmbh

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