Wirtschaft

Auch 2021 steht im Zeichen der Corona-Pandemie

Auf die bergische Wirtschaft – gleich ob Industrie, Handel, Handwerk oder Gastronomie – kommt ein schwieriges Jahr zu. Symbolfoto: Christian Beier
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Auf die bergische Wirtschaft – gleich ob Industrie, Handel, Handwerk oder Gastronomie – kommt ein schwieriges Jahr zu.

Fünf führende Köpfe der bergischen Wirtschaft blicken in Gastbeiträgen auf die Herausforderungen im neuen Jahr.

Zusammgengestellt von Manuel Böhnke und Sven Schlickowey

BERGISCHES LAND Das Jahr 2020 wird auch die Wirtschaft im Bergischen noch eine Zeit lang beschäftigen. Doch zu lange muss man sich mit der Vergangenheit auch nicht aufhalten, finden wir – und wagen daher mit Vertretern der heimischen Wirtschaft einen Ausblick: Welche Herausforderungen erwarten uns 2021? Worauf dürfen wir uns freuen?

Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK: Wir alle freuen uns über das Ende dieses schwierigen Jahres. Aber machen wir uns nichts vor: Auch 2021 wird im Zeichen der Corona-Pandemie stehen. Nicht nur weil das neue Jahr mit Einschränkungen beginnt, sondern auch weil keiner wissen kann, ob und wie lange die Maßnahmen wirken. Die Aussicht, auch in Deutschland einen wirksamen Impfstoff verabreichen zu können, ist zumindest ein Silberstreif am Horizont.

Wie sich die Wirtschaft entwickelt, hängt auch davon ab, ob es uns gelingt, die Pandemie endlich in den Griff zu bekommen. Das ist die wichtigste Herausforderung. Die Schäden – insbesondere in den besonders betroffenen Branchen Gastronomie und Einzelhandel – sind schon jetzt beträchtlich und werden die kommende Generation belasten. Die umfassenden Hilfen des Staates haben geholfen, aber sie können nicht auf Dauer wirtschaftliches Handeln ersetzen.

Ich bin aber optimistisch, dass die bergische Wirtschaft auch diese schwere Zeit überstehen und 2021 wieder durchstarten wird. Denn ich sehe, wie flexibel viele heimische Unternehmer auf die Krise reagieren. Es ist beeindruckend, wie sie die Produktion umstellen, die Digitalisierung vorantreiben, neue Dienstleistungen anbieten sowie neue Märkte und Kunden erschließen. Und sie unterstützen sich auch gegenseitig. Genau dieser Unternehmergeist hat die bergische Wirtschaft seit jeher ausgezeichnet und unsere Region erfolgreich gemacht.

Peter Lange, Vorsitzender Deutschen Gewerkschaftsbundes Remscheid (DGB): Wir als DGB-Stadtverband sehen in der Bewältigung der Corona-Krise und ihrer wirtschaftlichen Folgen eine der großen Herausforderungen für 2021. Wir hoffen, dass durch die Impfungen das Virus mittelfristig eingedämmt werden kann. Eine Teilnahme an der Impfung ist aus unserer Sicht nicht nur gesundheitlich, sondern auch gesamtwirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich dringend zu empfehlen.

Bereits Anfang 2021 stehen in der Metallindustrie Tarifverhandlungen an, hierbei wird es aus gewerkschaftlicher Sicht neben Entgelterhöhungen und Arbeitsplatzsicherung vor allem um die Mitgestaltung des Transformationsprozesses in der Arbeitswelt gehen.

Wir als DGB-Stadtverband planen im nächsten Jahr unsere Jugendarbeit zu intensivieren, unter anderem werden wir hier die Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen in Remscheid suchen. Noch unklar ist coronabedingt, in welcher Form in Remscheid 2021 der 1. Mai gefeiert wird.

Jens-Heinrich Beckmann, Geschäftsführer des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltwaren (IVSH):

Das Jahr 2021 ist auch für uns mit großen Unsicherheiten behaftet. Allerdings hat unsere Industrie die Coronakrise bislang relativ gut überstanden. Trotz massiver Einschränkungen dürfte der Gesamtumsatz nur um rund vier Prozent gesunken sein. Einzelne Firmen berichten sogar von einem recht guten Jahr.

Es ist offensichtlich so, dass unsere Branche in vielen Teilen zu den Gewinnern der Situation gehört, und es ist zu hoffen, dass sich dies 2021 fortsetzen wird. Sehr viel wird davon abhängen, wie schnell die Durchimpfung der Bevölkerung und damit einhergehend Lockerungen voranschreiten werden. Zugleich drohen neue Probleme. Allen voran massiv gestiegene Importpreise und Logistikkosten, deutlich steigende Energiepreise und wahrscheinlich auch höhere Arbeitskosten.

Unabhängig von alldem hat die Pandemie fatale Schwächen unseres Systems offengelegt, die von überbordender Bürokratie über lähmenden Föderalismus bis hin zu verwirrender Kommunikation reichen. Nicht nur für unsere Industrie ist zu hoffen, dass hieraus Konsequenzen gezogen werden.

Fred Schulz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Remscheid: Das Handwerk blickt auf ein sehr schwieriges Jahr zurück. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie waren von Handwerk zu Handwerk, von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich.

Fred Schulz von der Kreishandwerkerschaft Remscheid.

Dank der sehr guten Auftragslage vor Beginn der Corona-Krise die insgesamt abgearbeitet wurde und durch die zahlreichen finanziellen Unterstützungen, für die das Handwerk dankbar ist, konnte der Fortbestand vieler Betriebe gesichert und konnten auch Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten werden.

Die derzeitige Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist schwierig. Auf der einen Seite waren und sind die jungen Menschen sehr verunsichert, was eine Ausbildung insgesamt angeht, andererseits halten sich viele Betriebe bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen und der Einstellung von Auszubildenden zurück, da eine Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Situation der Betriebe besteht.

Das Handwerk als sehr wichtiger Wirtschaftszweig für Remscheid schaut angespannt aber auch erwartungsfroh auf das Jahr 2021. Die Corona-Pandemie wird auch im neuen Jahr das Handwerk prägen. Wir wünschen uns, dass die drei Auftragssäulen – Privatkunden, Mittelstand- und Wirtschaft und Öffentliche Hand – wieder verstärkt investieren können und somit die Auftragslage des heimischen Handwerks steigt und langfristig stabil bleibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Repräsentanten der Handwerkszweige die guten Kooperationen mit den Schulen wieder aufnehmen, die zukunftsstarken Berufe des Handwerks vorstellen und für eine Ausbildung im Handwerk werben können.

Das Handwerk ist ein ganz starkes Stück Zukunft für unsere Stadt und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Horst Gabriel, Vorsitzender des Solinger Arbeitgeberverbandes: In vielen Solinger Unternehmen ist die Stimmung so schlecht wie seit der Finanzkrise nicht mehr. 

Horst Gabriel vom Arbeitgeberverband Solingen. Archivfoto: Michael Schütz

Zu den schon in 2019 bekannten Sorgen wegen des transformationsbedingten Veränderungsdruckes kommen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, die für massive Verluste der Eigenkapitalbasis sorgen. Vorher schon schlecht aufgestellte Unternehmen werden 2021 nicht überstehen können.

Ein Drittel der Solinger Unternehmen bezeichnet die aktuelle Lage als „schlecht“ und sieht auch für die Geschäftserwartungen 2021 keine Trendwende. Fast ein Fünftel der Unternehmen erwartet sogar weiter rückläufige Geschäfte und eine sinkende Ertragslage. Die wird begründet mit dem schlechten Auftragseingang, der nach einem Zwischenhoch im Herbst wieder spürbar gesunken ist. Die Hoffnung für 2021 liegt hier in einer verbesserten Ordertätigkeit.

Die Lage spiegelt sich auch in der geringen Investitionstätigkeit und der hohen Kurzarbeit wider. Nach 60 Prozent in 2020 erwarten auch in 2021 über 40 Prozent der Unternehmen weitere Kurzarbeit. Nur bei der Ausbildung erweist sich die Situation als erfreulich stabil – allerdings war Solingen in diesem Bereich zuletzt auch nicht gut aufgestellt.

Der Arbeitgeberverband Solingen betrachtet die Situation als besorgniserregend, ist sich aber auch der Stärke der hiesigen Unternehmen bewusst, gerade aus Krisen gestärkt heraus zu kommen. Allerdings sind zusätzliche Lasten bei Arbeits- und Energiekosten nicht tragbar, hier sind eher spürbare Entlastungen notwendig, damit Zukunftsinvestitionen, zum Beispiel in die Digitalisierung gestemmt und die Arbeitsplätze gesichert werden können.

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