Bergisches Städtedreieck

Arbeitsmarkt: Wo Licht ist, ist auch Schatten

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Mehr Jobs, niedrigere Arbeitslosenquote: Aber nicht alle profitieren davon.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Der Arbeitsmarkt im bergischen Städtedreieck präsentierte sich im aktuellen Jahr mit „Licht und Schatten“, wie es Martin Klebe formuliert. Der Chef der hiesigen Agentur für Arbeit hielt bei der Jahresbilanz 2021 durchaus erfreuliche Zahlen bereit, insbesondere angesichts der aktuellen Situation. Machte aber auch deutlich, dass sich nicht alle Bereiche positiv entwickelt hätten.

So habe insbesondere die Zahl der sogenannten Mini-Jobs zuletzt erheblich abgenommen, sagt Klebe und das „fast im Gleichschritt“ in allen Städten des Arbeitsamtsbezirkes. Betrachtet man die Beschäftigten, die ausschließlich einer solchen geringfügigen Beschäftigung nachgehen, ging deren Zahl seit 2019 um über 4200 oder 11,7 Prozent zurück. Das betreffe vor allem die Gastronomie und den Einzelhandel, sagt Martin Klebe: „Und im Moment ist auch nicht absehbar, wann diese Jobs zurückkommen.“

„Das ist ja auch eine gute Nachricht, dass wir über Instrumente verfügen, um solche Krisen zu bewältigen.“

Martin Klebe über staatliche Hilfen

Auch andere Personengruppen profitieren demnach nicht von der insgesamt eher positiven Entwicklung. Selbst in Remscheid, wo die Arbeitslosenquote insgesamt abnahm, waren in diesem Jahr mehr Alleinerziehende (+4,1 Prozent), mehr über 55-Jährige (+28,5 Prozent) und mehr Menschen ohne Berufsausbildung (+4 Prozent) arbeitslos als noch vor zwei Jahren. „Das zeigt, die Frage der beruflichen Qualifizierung wird sich weiter zuspitzen“, sagt Klebe.

Auch zwischen den drei Städten des Bezirks gibt es Unterschiede. Vom leichten Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen (+0,3 Prozent auf jetzt über 227 650 im Städtedreieck) profitiert zum Beispiel am meisten Wuppertal, wo neue Jobs im Gesundheitswesen und bei Zustelldiensten die Verluste in der Industrie mehr als ausgleichen konnten. Das gelingt Solingen und Remscheid nicht. In der Werkzeugstadt gingen beispielsweise fast 700 Jobs in den Branchen Herstellung von Metallerzeugnissen und Maschinenbau verloren. Die 80 neuen Stellen im Gesundheitswesen reichten da nicht aus.

Trotzdem ist die Arbeitslosenquote in Remscheid, auch in Folge der demografischen Entwicklung, im Jahresverlauf gesunken – und lag im November mit 6,8 sogar unter dem Wert vor der Pandemie. Wuppertal hat mit einer Quote von 8,8 fast das Vorkrisenniveau erreicht. Während Solingen bei 7,7 und damit noch etwas über der Quote von Februar 2020 liegt.

„Das ist ja auch eine gute Nachricht, dass wir über Instrumente verfügen, um solche Krisen zu bewältigen“, sagt der Arbeitsamtschef mit Blick auf staatliche Hilfen, vor allem das Kurzarbeitergeld. Ohne diese Maßnahmen hätte sich der Arbeitsmarkt anders entwickelt, so Klebe: „Da bin ich mit sicher.“ Die Zahl der Kurzarbeiter, die aufgrund des Antragsverfahrens erst mit einigen Monaten Nachlauf erfasst werden, hatte im Städtedreieck zu Beginn der Pandemie im Frühjahr/Sommer 2020 ihren Höhepunkt erreicht.

In diesem Sommer lag der Wert dann wieder unter dem aus dem ersten Corona-Monat März 2020. Zum Jahresende sei aber erneut mit einer leichten Zunahme zu rechnen, schätzt Klebe. Nicht zuletzt aus der Gastro-Branche, die eigentlich mit Weihnachts- und anderen Feiern gerechnet hatte: „Dieses ganze Geschäft fällt ja jetzt praktisch aus.“

Für das Jahr 2022 rechnet die Agentur für Arbeit, trotz noch nicht überwundener Pandemie und Störungen in den Lieferketten, mit Wirtschaftswachstum und einer weiteren Erholung am Arbeitsmarkt. Nicht nur deswegen richten Klebe und sein Team den Blick nun wieder vermehrt auf das nächste große Problem der bergischen Wirtschaft; den Fachkräftemangel. Dem werde man mit neuen Vermittlungsmethoden und mehr Weiterbildung begegnen, so Klebe. So habe man das Budget für Weiterbildungen von 14 auf 18 Millionen Euro erhöht: „Da gehen wir noch mal in die Vollen.“

Unterbeschäftigung

Neben der Arbeitslosenquote betrachtet die Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal auch die sogenannte Unterbeschäftigungsquote, in der auch Job-Suchende erfasst sind, die sich in Weiterbildungsmaßnahmen befinden oder aus anderen Gründen in der Arbeitslosenquote nicht berücksichtigt werden. Die lag im November im Arbeitsamtsbezirk bei 13,3 Prozent und damit über dem NRW-Schnitt von 9,5. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel aber mit 4,1 Prozent auch stärker aus als im Landesschnitt (-1,9).

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