Bergische Brandversicherung

Anfangs bezahlten Mitglieder ihre Beiträge mit Roggen

Bergische Brandversicherung besteht seit 100 Jahren – Bedarf ist nach wie vor da.

Von Friedemann Bräuer

Bergisches Land. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren für die Menschen in Deutschland Zeiten schwerster Prüfungen: Der Währungsverfall war so gravierend, dass die Gelddruckmaschinen heiß liefen und manche Unternehmen die Löhne in Millionenbeträgen täglich auszahlten. Und trotzdem: Das heute verdiente Geld hatte am nächsten Tag nur noch den Bruchteil seines Wertes. Wohl dem, der – so wie die Landwirte – sein Geld wertbeständig in Grund und Boden angelegt hatte. Aber: Wenn auf den Höfen des Bergischen Landes und seiner Umgebung ein Feuer ausbrach, wurde der Schaden in wertlosem Papiergeld beglichen, so dass man im Grunde auf dem Verlust von Wohnhaus, Stall und Scheune sitzenblieb.

Doch Notzeiten sind oft die Geburtsstunden revolutionärer Ideen. Und eine solche hatten die bergischen Bauern, indem sie sich 1922 zu einer Notgemeinschaft zusammenschlossen, die in diesem Jahr als Bergische Brandversicherung auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken kann. Die Idee bestand darin, dass man die Versicherungsbeiträge in Roggen einbezahlte und Schäden im Gegenwert von Getreide ausbezahlt bekam.

Es war ein Schritt zurück in die Naturalienwirtschaft. Die führenden Landwirte trafen sich 1922 und schlossen sich zur „Freien Bauernschaft – Abteilung Brandnotgemeinschaft“ zusammen. Bald hatte die Gemeinschaft rund 2000 Mitglieder. Als sich die Währung 1923 stabilisierte, versuchten die Feuerversicherungen, ihre einstigen Kunden zurückzugewinnen. Doch die Notgemeinschaft hielt, und auch dem Druck des Nazi-Regimes, die Gemeinschaft in ein größeres Unternehmen, geleitet von einem Bruder des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels, einzugliedern, widerstand sie.

Aus der Brandnotgemeinschaft wurde schließlich die Bäuerliche Brandversicherung, die später in die Bergische Brandversicherung V. a. G. (Versicherung auf Gegenseitigkeit) umgewandelt wurde. Man wollte seine Versicherungsdienste nicht mehr nur auf die Landwirtschaft beschränken, sondern fühlte sich auch für die private Risikoabsicherung und für die gesamte Bandbreite der Versicherung unternehmerischer Gebäude (Feuer, Wasser, Sturm und Hagel sowie Mietausfälle) zuständig und verantwortlich.

„Unser Ziel war es stets, möglichst nah am Kunden zu sein und ihn individuell und qualifiziert zu betreuen“, beschreibt Geschäftsführer Wolfgang Hager, Versicherungsfachwirt und seit 1984 beschäftigt bei der Bergischen Brandversicherung, die Philosophie des Unternehmens, das inzwischen rund 4000 Mitglieder zählt. „Natürlich freuen wir uns auch weiterhin über neue Kunden und Mitglieder. Und die gewinnen wir in erster Linie durch Mund-zu-Mund-Propaganda“, so Wolfgang Hager, einer von sechs Beschäftigten. Da der Bedarf bestehe, sei eine Erweiterung des Personalbestandes geplant, berichtet der Geschäftsführer.

Die Kundennähe sei zwar durch Corona erschwert worden, aber dennoch sei man stets in der Lage gewesen, im Schadensfall schnell und unbürokratisch zu handeln. Corona war allerdings schuld daran, dass die im Elberfelder Hofkamp im siebten Jahrzehnt ansässige Versicherung das Jubiläum nur im kleinen Rahmen feiern konnte.

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