Jubiläum

Am Anfang stand vor allem Überzeugungsarbeit

Geschäftsführer Stephan Oberste-Beulmann zeigt einen Teil des Erfolgsgeheimnisses seiner Firma: Das Lager, in dem ständig zwischen 8000 und 10 000 Tonnen Stahl vorgehalten werden. Das Remscheider Stahlhandelsunternehmen feierte in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag.
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Geschäftsführer Stephan Oberste-Beulmann zeigt einen Teil des Erfolgsgeheimnisses seiner Firma: Das Lager, in dem ständig zwischen 8000 und 10 000 Tonnen Stahl vorgehalten werden. Das Remscheider Stahlhandelsunternehmen feierte in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag.

Stahlhändler Oberste-Beulmann feiert 50-jähriges Bestehen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Als Wilhelm Oberste-Beulmann 1971 nach Remscheid zog, tat er das vor allem für seine Kunden. Zehn Jahre lang hatte er zuvor als Vertriebler für die Deutschen Edelstahlwerke das Bergische Land betreut. Als er sich selbstständig machte, ließ er sich genau hier nieder. Ende Februar wurde die von ihm gegründete Firma 50 Jahre alt. Sie sitzt immer noch in Remscheid, ihre Kunden findet sie aber längst in der gesamten Welt.

In fast 50 Länder exportiere der Stahlhändler inzwischen, berichtet Geschäftsführer Stephan Oberste-Beulmann, Sohn des Firmengründers. Und in nicht viel weniger Ländern hat die Firma ihre Stähle schon eingekauft. „Das war bei der Firmengründung die entscheidende Frage und ist bis heute die Basis unseres Unternehmens“, sagt Oberste-Beulmann. Denn als sein Vater die Deutschen Edelstahlwerke verließ, wollte die ihn nicht beliefern. Also suchte er sich Alternativen im Ausland.

„Die Standortfrage stellt sich für uns nicht, eher im Gegenteil.“

Stephan Oberste-Beulmann

Los sei es in Österreich gegangen, als Werksvertretung einer kleinen Schmiede, erinnert sich Stephan Oberste-Beulmann. „Von da aus ging es immer weiter in die Ferne.“ Erst kam der Stahl aus dem damaligen Jugoslawien, dann aus Polen. Später aus Brasilien und ab Anfang der 1990er Jahre gar aus Russland. Was heute völlig normal ist, sei damals höchst ungewöhnlich gewesen, sagt der heutige Geschäftsführer: „In den 70er- Jahren hielten die Remscheider Mittelständler Stahl, der nicht aus Deutschland kam, für Mist.“

So hatte sein Vater also nicht nur gut damit zu tun, Bezugsquellen im Ausland zu finden, sondern auch seine Kunden im Inland davon zu überzeugen. „Dass das der richtige Weg war, hat die Entwicklung unseres Unternehmens sicherlich bewiesen“, sagt Stephan Oberste-Beulmann, der 1989 in den Betrieb einstieg.

Schon 1984 begann man, nach Südamerika zu exportieren, drei Jahre später kam die erste Auslandsniederlassung dazu. 1998 übersprang das Unternehmen erstmals die Grenze von 50 Mitarbeitern. Heute sind es rund 80, die an drei Standorten in Remscheid und in Niederlassungen in Holland, Italien und Spanien arbeiten.

Trotz der Internationalisierung ist man Remscheid als Firmensitz treu geblieben. „Die Standortfrage stellt sich für uns nicht, eher im Gegenteil“, sagt der Sohn des Firmengründers. Remscheid genieße weltweit einen guten Ruf, von dem man profitiere. Vater Wilhelm hingegen sei vor allem ins Bergische gekommen, um die hiesigen Kunden besser betreuen zu können. „Damals war es ja noch gang und gäbe, die Geschäfte vor Ort abzuschließen, meistens nach Dienstschluss bei einer Frikadelle und einem Bier in der Kneipe.“ Das habe sich inzwischen allerdings verändert.

Nicht die einzige Veränderung, die die Firma in fünf Jahrzehnten durchgemacht hat. Da längst auch andere Stahl in der halben Welt einkaufen, muss die Wilhelm Oberste-Beulmann GmbH & Co. KG inzwischen mehr bieten, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Das sei schon seit Jahren der Servicegedanke, sagt Stephan Oberste-Beulmann. Seine Firma biete eine hohe Lieferfähigkeit und schnelle Lieferungen – dank des umfangreichen Lagers, in dem stets 8000 bis 10 000 Tonnen Stahl vorgehalten würden.

Auch sogenannte Anarbeiten, Zuschnitte, Bohrungen und Ähnliches, die den Kunden Arbeitsschritte ersparen, werden angeboten. Ein Bereich, der weiter ausgebaut werden soll, so der Geschäftsführer: „Wir denken schon über weitere Expansionen nach.“

Corona-Verluste lassen sich teilweise ausgleichen

Ein Gedanke, der auch durch Corona nicht gebremst werden soll. Man spüre die Krise, sagt Oberste-Beulmann. Weil seine Firma aber breit und international aufgestellt sei, könnten Verluste an der einen Stelle woanders teilweise wieder ausgeglichen werden: „In Russland haben wir die Krise so gut wie gar nicht gespürt. Als hier der erste Lockdown war, haben die dort große Projekte umgesetzt.“

Was aber wegen der Pandemie ausfallen muss, ist die Feier zum Jubiläum. „Wir waren gerade in der Planungsphase, als klarwurde, dass wir das besser lassen“, berichtet Gabriele Röhling , die die Verwaltung bei dem Stahlhändler leitet. Stattdessen habe man sich nun entschieden, das Geld, das die Feier gekostet hat, als Jubiläumsprämie an die Mitarbeiter auszuzahlen, sagt Stephan Oberste-Beulmann: „Das ist sicherlich gut investiertes Geld.“

Hintergrund

Der Bedarf an Stahl hat in vergangenen Jahren enorm zugenommen. Lag die weltweite Erzeugung von Stählen 1970 noch bei 595 Millionen Tonnen pro Jahr, stieg sie bis auf mehr als das Dreifache: 1875 Millionen Tonnen im Jahr 2019. Den größten Bedarf in Deutschland haben der Bau (35 Prozent) und die Autoindustrie (26). Elf Prozent gehen zudem in den Maschinenbau.

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