Schuldneratlas

Ältere sind stärker von Überschuldung betroffen

Die Städte im Vergleich
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Die Städte im Vergleich

Schuldneratlas der Creditreform: Die Quote nimmt weiter ab, bleibt in den Großstädten aber weiter hoch

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Der Anteil überschuldeter Menschen hat im Bergischen im vergangenen Jahr weiter abgenommen, liegt aber in den Großstädten immer noch deutlich über dem Bundes- und Landesschnitt. Das zeigt der sogenannte Schuldneratlas der Solinger Creditreform. Demnach können in Remscheid wie in Solingen jeweils mehr als zehn Prozent aller Erwachsenen ihre Verbindlichkeiten nicht mehr ausreichend bedienen.

Regelmäßig fasst der Inkasso-Dienstleister verschiedene Daten, darunter unstrittige Inkassofälle, negative Zahlungserfahrungen und insbesondere Merkmale wie eine Vermögensauskunft in einer mikrogeografischen Darstellung zusammen. Die Zahl der Betroffenen im Verhältnis zu den Volljährigen ergibt die Überschuldungsquote für jede Region, ausgewiesen nach Postleitzahlengebieten.

„Im Langzeitvergleich nimmt die Zahl überschuldeter jüngerer Verbraucher deutlich ab, bei den älteren Verbrauchern deutlich zu.“

Aus dem Schuldneratlas

Dabei zeigt sich einmal mehr: Die Überschuldungsquote liegt in Ballungsräumen in der Regel höher als in ländlichen Bereichen. Und auch innerhalb der Großstädte sind die innenstadtnahen Gebiete stärker betroffen als die Stadtteile am Rand.

So können im Solinger Postleitzahlenbereich 42651 fast 198 von 1000 Bewohnern ihre Rechnungen nicht mehr komplett bezahlen. Die Remscheider City (PLZ 42853) liegt mit einer Quote von 17,22 nur knapp dahinter. Die Überschuldungsquoten in den PLZ-Gebieten 42699 (Höhscheid, Merscheid, Ohligs-Aufderhöhe) und 42897 (Lennep) sind hingegen mit 9,73 und 9,62 nur etwa halb so hoch.

Noch besser kommen die bergischen Kleinstädte weg: Radevormwald (9,27), Burscheid (8,25) und Wermelskirchen (7,43) liegen zum Beispiel alle unter dem NRW-Schnitt von 10,47. Hückeswagen weist mit 6,91 sogar einen der besten Werte im gesamten Gebiet der Creditreform Solingen auf. Zum Vergleich: Das bundesweite Schlusslicht Bremerhaven hat eine Überschuldungsquote von 19,96.

Grundsätzlich ist der Anteil überschuldeter Menschen in allen Städten und Landkreisen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – und das mitten in der Pandemie. Ein Effekt, der sich nicht nur im Bergischen Land zeigt, sondern bundesweit.

Das habe es zuletzt 2009 gegeben, teilt die Creditreform mit – und sieht nicht nur deswegen Parallelen zur damaligen Finanzkrise: Der aktuelle Rückgang korrespondiere mit den Auswirkungen damals, schreiben die Autoren der Studie. Die Krise habe 2007 als Immobilienkrise auf dem Subprime-Markt in den USA begonnen. „Zeitlich versetzt gingen 2008 und 2009 die Anzahl der Überschuldungsfälle und die Überschuldungsquote in ähnlichem Maße zurück, wie in diesem Jahr in Folge der Corona-Pandemie.“

Gründe dafür seien insbesondere staatliche Schutzmaßnahmen für die Wirtschaft und „zunehmenden Erfolge der Impfkampagne“, die im Jahresverlauf zu „einem kräftigen Anstieg der Wirtschaftsleistung geführt“ hätten, heißt es weiter. Mangels Konsummöglichkeiten hätten zudem viele Menschen Geld gespart – oder genutzt, um Schulden zurückzuzahlen.

Das gelte aber vor allem für jüngere Menschen, hat die Creditreform herausgefunden. Der Rückgang bei der Überschuldungsquote betreffe alle Altersgruppen – außer bei den 60- bis 69-Jährigen, ist dem Schuldneratlas zu entnehmen: „Im Langzeitvergleich 2004- 2021 nimmt die Zahl überschuldeter jüngerer Verbraucher deutlich ab, bei den älteren Verbrauchern deutlich zu.“ Möglicherweise ein weitere Vorbote der steigenden Altersarmut, vor der Experten seit Jahren warnen.

Wie nahezu überall sonst auch in der Republik sind im Bergischen Männer häufiger überschuldet als Frauen. Auf mehr als 11 100 männliche Schuldner in Solingen kommen weniger als 7500 weibliche. Ein ähnliches Bild in Remscheid: Hier sind mehr als 7100 Männer aber nur knapp über 4500 Frauen betroffen.

Hintergrund

Bundesweit gelten etwa zehn Prozent der Erwachsenen als überschuldet oder weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. 2019 betraf das etwa 6,9 Millionen Menschen in Deutschland. Häufigste Gründe dafür sind laut Experten Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, Scheidungen, eine gescheiterte Selbstständigkeit und Krankheit.

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