Jazz

Wasserfuhr-Brüder: Zwei Jahre – gepresst in elf Songs

Julian (vorne) und Roman Wasserfuhr präsentieren ihr siebtes Album, mit dessen Produktion sie völlig neue Wege beschritten haben.
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Julian (vorne) und Roman Wasserfuhr präsentieren ihr siebtes Album, mit dessen Produktion sie völlig neue Wege beschritten haben.

Neues Album der Hückeswagener Jazz-Brüder Roman und Julian Wasserfuhr: „Mosaic“. Motto: Nicht noch ein Youtube-Channel. Mit dabei ist unter anderem Rap-Star Harry Mack.

Von Sven Schlickowey

Hückeswagen. Julian und Roman Wasserfuhr melden sich mit einem neuen Album zurück. Fast vier Jahre haben die beiden Hückeswagener Brüder, die zur allerersten Garde des Young German Jazz gehören, seit ihrer letzten Platte ins Land ziehen lassen - und diesmal alles ein bisschen anders gemacht. Zumindest fast alles.

Hatten sie die beiden Vorgänger „Landed in Brooklyn“ und „Relaxin‘ in Ireland“ noch mit einer festen Crew in einem überschaubaren Zeitraum am jeweils namensgebenden Ort aufgenommen, entstanden die elf Stücke des neuen Longplayers „Mosaic“ über einen Zeitraum von fast zwei Jahren, in wechselnden Besetzungen. Und zum Teil über Kontinente hinweg.

Corona: „Nicht noch so eine Nummer aus dem Wohnzimmer“

„Eigentlich war gar nicht geplant, dass wir ein Album aufnehmen“, erinnert sich Roman, der ältere der Wasserfuhr-Brüder, an den Start dieser Reise. Am Anfang habe nur der Vorsatz gestanden, trotz Pandemie weiter Musik machen zu können. „Aber kein Youtube-Channel, nicht noch so eine Nummer aus dem Wohnzimmer.“ Also schrieben sie ein paar Stücke und luden befreundete Musiker ein. „Das ist alles ganz spielerisch entstanden.“

Herausgekommen ist das vielleicht bisher persönlichste Album der beiden. Nachdem die 2017 veröffentlichte „Landed in Brooklyn“ dem Drive der US-Metropole nachspürte und „Relaxin‘ in Ireland“ ein Jahr später, die musikgewordene Entspannung an der irischen Küste war, sind die Stimmungen auf „Mosaic“ deutlich vielschichtiger. „So eine Art Tagebuch“, nennt es Roman Wasserfuhr. „Alle Stimmungen, die wir in dieser Zeit erlebt haben, sind mit der Musik verbunden.“

Auch die Produktionsweise unterscheidet sich deutlich. Nur ein Teil wurde live im Studio eingespielt, viele Stücke entstanden, indem die Musiker ihre Parts digital austauschten.

Musiker tauschen ihre Parts digital aus

So ging Romans Klavierspiel nach Los Angeles und bekam dort das Schlagzeug verpasst, ehe in New York der Bass dazu kam und in Hückeswagen dann schließlich Julians Trompete. „Verschachtelt“, nennt Roman Wasserfuhr diese Entstehungsgeschichte, oder auch „patchwork-artig“. Niedergeschlagen hat sie sich im Album-Titel: „Mosaic“.

Nur Julian und Roman sind an allen Stücken beteiligt, daneben gibt es in wechselnden Line-Ups alte Bekannte wie Schlagzeuger Oliver Rehmann (vom vierten Album „Running“), Bassist Tim Lefebvre („Landed in Brooklyn“) und Cellist Jörg Brinkmann („Relaxin‘ in Ireland“) sowie ein paar neue, darunter Drummer Keith Carlock oder auch Harry Mack. Der Rapper, ein Star der amerikanischen Freestyle-Szene, ist auf der ersten Single „Never hold back“ zu hören.

Ein Rapper auf einer Jazz-Platte, das habe selbst das Label überrascht, sagt Roman Wasserfuhr. Erfahren habe das aber erst ganz am Ende der Produktion davon. „Wir haben das komplette Album selbst produziert und abgemischt.“ Sicherlich auch ein Vertrauensbeweis nach bald 17 Jahren Zusammenarbeit.

Bei allen Neuerungen, einer kleinen Tradition sind die Hückeswagener treu geblieben. Auch auf „Mosaic“ gibt es wieder ein Cover-Stück, das man nicht unbedingt auf einer Jazz-Platte erwarten würde. Nach Stings „Englishman In New York“, „Behind blue eyes“ von The Who und dem Gassenhauer-Shanty „Drunken Sailor“ ist es diesmal „Smells like teen spirit“ von Nirvana geworden.

„Mosaic“ erscheint am 26. August als CD und auf Vinyl und kann bereits über die Internetseite des Labels vorbestellt werden. Danach sind die Wasserfuhr-Brüder wieder live zu hören. Am 19. November bei den Leverkusener Jazztagen, einem der wichtigsten Festivals der Szene. Und vorher am 9. September im Haus Eifgen in Wermelskirchen.

Brüder brauen auch eigenes Bier: Schnaff

„Mosaic“ erscheint am 26. August als CD und auf Vinyl.

Damit fällt das Release-Konzert der neuen Platte ausgerechnet auf den Freitag des Hückeswagener Altstadtfests, bei dem die beiden wieder mit einem Bierwagen ihrer eigenen Brauerei „Schnaff“ vertreten sind.

Offiziell wird an dem Freitag nur aufgebaut, für die Hückeswagener hat er sich aber längst als wichtigster Tag des Fests etabliert. „Wir haben schon überlegt, das Konzert abzusagen“, gibt Roman Wasserfuhr zu. „Aber dann gäbe es dieses Jahr gar nichts in der Nähe.“

Vom Konzert direkt aufs Altstadtfest

Also beginne man früh, gegen 19 Uhr, und ziehe anschließend nach Hückeswagen um. „Und die Leute von Konzert ziehen wir einfach mit.“

Zur Person: Die Wasserfuhr-Brüder

Julian und Roman Wasserfuhr haben gemeinsam bisher sieben eigene Alben veröffentlicht, zudem waren sie an zwei „Relax Jazzed“-Alben des Produzenten- und DJ-Duo Blank & Jones beteiligt, für das erste gab es 2013 unter anderem den German Jazz Award in Gold. Julian (34) spielt Trompete und Flügelhorn, Roman (37) Klavier. Beide Brüder wurden in Hückeswagen geboren, wo sie bis heute leben.

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