Interview

Sven Wiertz: „Haus Cleff ist das bergische, bürgerliche Schloss Benrath“

Stadtdirektor und Kämmerer Sven Wiertz rechnet damit, dass der Innenausbau von Haus Cleff 2023 abgeschlossen ist.
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Stadtdirektor und Kämmerer Sven Wiertz rechnet damit, dass der Innenausbau von Haus Cleff 2023 abgeschlossen ist.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Stadtdirektor Sven Wiertz über gestiegene Kosten, das neue museale Konzept und warum das Gebäude so einmalig ist.

Herr Wiertz, wann wird Haus Cleff nach der Sanierung wiedereröffnet?
Sven Wiertz: Wir werden laut aktuellem Stand mit dem Innenausbau Ende 2023 fertig sein. Auf dem Baumarkt sind manche Dinge zurzeit knapp, auch Dienstleistungen sind teilweise nur schwer zu bekommen. Die weiteren Schritte erfolgen 2024. Einen genauen Öffnungstermin kann ich aktuell nicht nennen, wir sind abhängig von den weiteren Entwicklungen. Bei Haus Cleff wurden in der Vergangenheit Termine genannt, und dann hat uns das Haus leider immer wieder Überraschungen geboten. Niemand hätte gedacht, dass die Maßnahme so umfangreich werden würde. Was mit Fluglöchern im Boden begann, ist mittlerweile eine Komplettsanierung.
Was wird Haus Cleff dann zeigen?
Wiertz: Es wird nicht mehr das sein, was es früher einmal war. Früher war das Archiv in Teilen in Haus Cleff untergebracht, dieses haben wir verlagert. Und es wird auch nicht mehr die heimathistorische Sammlung sein, die man kannte. Es wird eine neue Konzeption geben, die wir unter Beteiligung von Vereinen, Kulturausschuss, Deutschem Werkzeugmuseum und anderen erarbeiten. Generell ist es wichtig, dass wir Ideen und Hinweise aufnehmen. Wir sollten den offenen Dialog pflegen, das machen wir anhand einer Kommission. Denn wir haben es bei Haus Cleff mit einem Objekt zu tun, bei dem es nicht naheliegend ist, was wir damit machen. Wir haben Materialien von ehemaligen Bewohnern, wir haben damals Arntz und Hasenclever gezeigt. Fakt ist: Ein Museum sollte kein Störfaktor in einem Stadtteil sein, sondern dazugehören. Einen Cafébetrieb sollte man so auch mitbedenken. Die Entscheidung über ein Konzept wird die Aufgabe für das kommende Jahr sein.
Aber es gibt ja schon ein Konzept, das auch dem Kulturausschuss vorgestellt wurde. Was ist geplant?
Wiertz: Wir sprechen über insgesamt 524 Quadratmeter Ausstellungsfläche im gesamten Gebäude, davon können wir 370 Quadratmeter durch den Aufzug, der das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss verbindet, barrierefrei machen.
Wobei der Aufzugbau doch gerade stockt.
Wiertz: Stocken ist der falsche Begriff. Es ist alles soweit geplant, es ist auch bautechnisch möglich, wir haben den zweiten Risalit dafür bereits zurückgebaut. Wie in anderen Fällen haben wir es auch hier mit Lieferverzögerungen zu tun, es verschlägt aber nichts. Es macht sogar Sinn, den Aufzug erst am Ende einzubauen. Das ist hier im Gegensatz zum Teo Otto Theater auch möglich, weil es sich um einen Außenaufzug handelt.
Kommen wir noch einmal zurück zum Konzept. Darum gab es zuletzt auch Diskussionen im Kulturausschuss. Handelt es sich hierbei um ein fertiges Konzept oder um eine Ideensammlung?
Wiertz: Das ist schon mehr. Es gibt Skizzen, die von Anfang an entwickelt wurden. Wir müssen jedoch im weiteren Verlauf sehen, wie wir es weiterentwickeln. Zum Beispiel gibt es im ersten Obergeschoss Flächen für wechselnde Ausstellungen. Denn eines ist klar, und das ist auch die generelle Herausforderung für Museen in der Zukunft: Museen müssen sich den Gewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer anpassen. Das ist nicht mehr die traditionelle Ausstellung, die unveränderlich steht, sondern das sind Ausstellungen, die variieren, um immer wieder aufs Neue für das Museum zu interessieren. Das müssen wir auch bei Haus Cleff beachten. Durch die Corona-Pandemie hat das Thema noch einmal zusätzlichen Schub erhalten.
Wie?
Wiertz: Zum Beispiel, was das Thema Augmented Reality betrifft. Das wurde in der Vergangenheit gar nicht gesehen. Heute ist es so, dass die Menschen den Displayer selbst mitbringen – in Form ihres Handys. Wir müssen schauen, wie wir das in die Konzeption integrieren. Und welche Themen wir aufnehmen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Bei aller Debatte findet man hier viel Leidenschaft für Haus Cleff. Und das ist ja etwas Positives. Haus Cleff bewegt nicht nur den Stadtteil, sondern die gesamte Stadt.
Warum hängen die Remscheider so sehr an diesem Gebäude? Warum ist es so besonders?
Wiertz: Dr. Klaus Thiel vom Landschaftsverband sagt immer so schön, Haus Cleff ist das bergische, bürgerliche Schloss Benrath. Das Gebäude thront auf einem Hügel mit Blick ins Tal, es ist ein Symbol der damaligen Zeit. Aber was für die Menschen so wichtig ist, denke ich: Es ist ein Stück Historie in unserer Stadt. Denn durch den Zweiten Weltkrieg haben wir viele historische Bauten verloren. Haus Cleff ist ein Stück lokale Identität. Darüber hinaus ist es ein Musterbeispiel für den bergischen Barock mit vollkommener Symmetrie bis in den Schornstein und die Internationalität Remscheids.
Inwiefern?
Wiertz: Die Erbauer, die Gebrüder Hilger, haben sich von ihren Reisen inspirieren lassen. Das sieht man zum Beispiel an den Fenstern. Sie werden nicht, wie normalerweise bei bergischen Fachwerkhäusern üblich, nach außen geöffnet, sondern nach englischer Manier nach oben geschoben. Haus Cleff zeigt also auch die Innovationsfreude im Bergischen. Und es ist wunderbar lichtdurchflutet. Wir haben einige Fenster dazu wieder geöffnet, die in der Vergangenheit stets verschlossen waren. Es gibt kein vergleichbares barockes Haus in dieser Größe im Bergischen Land. Deshalb ist es auch so schade, dass wir im inneren Bereich relativ wenig Befunde aus der historischen Zeit gefunden haben. Wir wissen, dass die Wände nicht tapeziert waren, sondern mit Seidenrahmen bespannt waren. Das war damals en mode in Frankreich und Großbritannien, das hat man dann adaptiert. Übrigens ist Haus Cleff älter als die Stadt Remscheid: fast 250 Jahre.
Mit welchen Sanierungskosten rechnen Sie aktuell?
Wiertz: Die aktuelle Kostenschätzung wird gerade überarbeitet. Denn wir sind auch hier betroffen von den aktuellen Kostensteigerungen. Die Schätzung wird im Haushalt, der am 19. Januar eingebracht wird, entsprechend berücksichtigt. Das Problem haben wir zurzeit bei allen Bauvorhaben. Wir sind bei Haus Cleff bisher im Kostenrahmen, aber für die weiteren Schritte müssen wir die Ausschreiben abwarten. Die wichtige Nachricht lautet aber: Wir werden das Objekt zu Ende führen, wir lassen nichts unfertig stehen. Im großen, 60 Quadratmeter großen Mittelraum, wollen wir künftig Trauungen stattfinden lassen. Es handelt sich um die Beletage. Das wird bei den Brautpaaren sicher regen Anklang finden. Denn es fehlt in Remscheid zurzeit ein entsprechender Raum mit solch einem Ambiente für Trauungen.
Wir haben auf dem Hasten die Besonderheit eines historisch einmaligen Ensembles. Das Haus Cleff ist ein Teil des Historischen Zentrums, für das es ein Gesamtkonzept gibt. Wann wird dieses umgesetzt sein?
Wiertz: Wir haben hier eine historisch gewachsene Gemengelage. Dazu gehören Haus Cleff, das Kontorhaus, in dem zurzeit ein Teil der Verwaltung untergebracht ist – das ist auch der Teil, den ich mir persönlich sehr gut für die Gastronomie vorstellen kann, weil damit schöne Außenflächen verbunden sind. Zudem das Deutsche Werkzeugmuseum und der Park, der früher mal ein barocker Park war. Er bietet Möglichkeiten. Zudem das Haus Berger mit der Werkzeughalle dahinter, für das wir im nächsten Schritt eine Gebäudezustandserhebung durchführen werden. Es war früher einmal eine Fertigung mit Essen. Hier wäre es interessant zu erfahren, was historisch noch vorhanden ist.
Wie soll das finanziert werden?
Wiertz: Wir brauchen Förderungen, wie wir sie auch für Haus Cleff eingeholt haben, auch für die Gesamtmaßnahmen. Wir werden alle Möglichkeiten nutzen. Man muss sehen: Wir begeben uns hier auf einen Marathon. Dieser lässt sich nicht über fünf Jahre realisieren, es braucht sicher 15 Jahre, um es zu Ende zu führen. Dass das sinnvoll ist, haben wir beim Deutschen Röntgen-Museum gesehen. Auch der Landschaftsverband hat bei seiner Betrachtung festgestellt, dass es sich hier um ein einmaliges Ensemble handelt. Wir haben hier ein Objekt, das für das Rheinland etwas Besonderes darstellt. Deshalb können wir, so denke ich, auch mit Unterstützung rechnen.

Zur Person: Sven Wiertz

Sven Wiertz (47) wurde in Remscheid geboren, wuchs am Hasenberg auf. Er studierte Mathematik und Sozialwissenschaften auf Lehramt, war erst studentischer Mitarbeiter beim damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Hans Peter Meinecke. Von 2000 bis 2004 war er Fraktionsgeschäftsführer der SPD Remscheid, von 2004 bis 2014 persönlicher Referent und ab 2005 auch OB-Büroleiter der damaligen OB Beate Wilding (SPD). Seit 2014 ist Wiertz, der in Remscheid lebt, Beigeordneter und Stadtkämmerer, seit 2018 Stadtdirektor für Finanzen und Kultur. Er sagt: „Kommunen sind die Wurzeln unserer Gesellschaft.“

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