Remscheider Erfindung

Was hat Mannesmann mit Corona zu tun? Professor Wessel klärt auf

Prof. Dr. Horst A. Wessel hat 2019 die Mannesmann-Familienchronik herausgebracht.
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Prof. Dr. Horst A. Wessel hat 2019 die Mannesmann-Familienchronik herausgebracht.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Robert Koch traf bekannte Remscheider – und setzte sich maßgeblich für eine bahnbrechende Erfindung ein.

Remscheid. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie beherrscht ein Name täglich die Nachrichten: das Robert-Koch-Institut nach dem gleichnamigen Professor Dr. Robert Koch (1843-1910). Dass dieser Mann der Begründer der modernen Bakteriologie und Mikrobiologie sowie Entdecker des Tuberkulose-Erregers ist, dürfte unlängst bekannt sein. Wohl auch, dass er den großen Lenneper Sohn und Entdecker der Röntgenstrahlen, Wilhelm Conrad Röntgen, oft bei Bergwanderungen begleitete. Aber dass sich Robert Koch mit nachhaltigem Erfolg für eine bahnbrechende Remscheider Erfindung eingesetzt hat, ist relativ unbekannt. Professor Dr. Horst A. Wessel, Vorsitzender des Vereins MannesmannHaus, klärt auf:

Als Reinhard Mannesmann senior, der Vater der berühmten Remscheider Erfinderbrüder Reinhard und Max, 1890/1891 mit einem Teil seiner Familie Urlaub in Ägypten machte, traf er dort durch Zufall Prof. Robert Koch. Dieser gratulierte ihm zur Erfindung seiner Söhne und versicherte ihm, dass die Mannesmannröhren für seine Arbeit von größtem Interesse seien. Er habe sich vor seiner Abreise damit befasst, deren vorzügliche Eignung für den Einsatz in Lazaretten und Krankenhäusern erkannt und deren Einsatz mit Nachdruck gefordert.

Im Unterschied zu den damals üblichen Holzmöbeln seien die aus den nahtlosen Mannesmannröhren gefertigten Betten, Tische, Stühle und Tragen nicht nur stabiler und leichter sowie platzsparender und feuersicher, sondern auch, was ihm besonders wichtig war, hygienischer. „Zwar hatte man in der Zeit, in der man noch über kein Penizillin und kein Antibiotikum verfügte, diese Eigenschaft der Rohre schon vorher erkannt, aber man hatte sie nicht nutzen können“, erklärt Prof. Wessel. Denn Gussrohre waren zu schwer, längsnahtgeschweißte Rohre waren nicht ausreichend form- und belastbar, beide federten nicht. Die aus dem Vollen erbohrten Rohre waren zu teuer. Ganz anders das in der Nacht vom 21. auf den 22. August 1886 zum ersten Mal nahtlos gewalzte Mannesmannrohr: Es war nicht nur hygienischer, sondern auch leichter, beliebig verformbar, hochbelastbar und federnd. Und vor allem preiswert.

Laut Robert Koch waren diese Möbel perfekt für die Ausstattung von Krankenzimmern geeignet. Diese Einschätzung, die rasch von immer mehr Klinikärzten geteilt wurde, hat zur raschen Umrüstung der Klinikbereiche und außerdem dazu geführt, das Infektionsrisiko entscheidend zu senken, berichtet Prof. Wessel. Das Mannesmannröhren-Werk in Remscheid hat in den 1920er Jahren eine weitere Pioniertat auf diesem Gebiet vollbracht: „Hier zuerst gelang die Herstellung von Edelstahlrohren. Diese sehen nicht nur gut aus, sind robust und langlebig, sondern sind auch korrosions- und säurebeständig und vor allem noch weitaus hygienischer.“ Deshalb werden diese Rohre oft in der Nahrungs- und Genussmittel- sowie in der Pharmaindustrie verwendet.

Buchtipp: Die Geschichte zu Robert Koch und Mannesmann hat Prof. Dr. Horst A. Wessel in seinem Buch „Tüchtige Handwerker – Geniale Ingenieure – Wagemutige Unternehmer“ erwähnt. ISBN: 978-3-8375-2171-9.

Hinweis: Am 28. September möchte der Verein die Feier zur Innovationsauszeichnung 2020 im Deutschen Werkzeugmuseum nachholen.

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