Interview

Vorsitzender über Klosterkirche: „Die nächsten zwei Jahre müssen wir meistern“

Der neue Vorsitzende des Vereins Kulturzentrum Klosterkirche, Torsten Kohl, und die zweite Vorsitzende Gabriele Hötte im Minoritensaal der Klosterkirche.
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Der neue Vorsitzende des Vereins Kulturzentrum Klosterkirche, Torsten Kohl, und die zweite Vorsitzende Gabriele Hötte im Minoritensaal der Klosterkirche.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Der neue Vorsitzende des Vereins Kulturzentrum Klosterkirche über Corona, Sanierung und seine Wünsche für die Kulturstätte.

Remscheid. Herr Kohl, in der Klosterkirche steht die wohl größte Sanierung jemals an. Der erste Abschnitt hat bereits stattgefunden. Hat alles geklappt?

Torsten Kohl: Grundsätzlich sind wir als Verein ja nicht Bauherr dieser Sanierung, sondern die Stadt Remscheid. Hinsichtlich Planung und Terminierung liegt die Verantwortung bei der Stadt beziehungsweise beim beauftragten Architekturbüro. Ja, es wurden bereits Arbeiten durchgeführt, teilweise mussten diese aber auch verschoben werden. Wir als Verein, aber auch der Pächter Klosterschänke, hoffen und erwarten, dass alles innerhalb der vorgegebenen Zeiträume erledigt werden kann, damit die Einschränkungen für alle kalkulierbar bleiben.

Im Januar folgt dann die zweite, längere Sanierungsphase. Dafür muss die Klosterkirche fast drei Monate schließen. Warum?

Kohl: Weil die Sanierungsarbeiten so umfangreich sind - unter anderem wird die gesamte Elektrik auf den neuesten Stand gebracht -, so dass ein Parallelspielbetrieb in dieser Zeit allein technisch nicht möglich sein wird. Das Objekt war 30 Jahre ohne Grundsanierung. Danach haben wir eine runderneuerte Klosterkirche. Denn auch die Fassade wird gemacht.

Wie hart trifft die dreimonatige Schließung den Verein?

Kohl: Da wir etwa ein Jahr Vorlaufzeit hatten, wurden für das erste Quartal 2023 natürlich keine Veranstaltungen mehr geplant, beziehungsweise die wenigen schon feststehenden konnten in andere Zeiten verlegt werden. Aber natürlich: Weder Veranstaltungen noch Vermietungen können stattfinden.

Sie folgen auf Wolfgang Moritz als neuer Vorsitzender des Vereins Kulturzentrum Klosterkirche, der das Kulturzentrum seit fast 30 Jahren begleitet hat. Eine große Verantwortung für Sie?

Kohl: Natürlich. Immerhin wurde hiermit quasi endgültig die neue Generation an Verantwortlichen ins Rennen geschickt. Alle Gründungsmitglieder sind inzwischen ausgeschieden, so dass es nun an uns liegt, den Verein und das ganze Projekt Klosterkirche erfolgreich zu erhalten und auch für eine nachfolgende Generation zu bewahren. Ich selbst bin seit 2004 dabei. Die Arbeit ist aber keine One-Man-Show, sondern Teamarbeit. Jeder bringt hier seine Stärken ein: Ich bin eher der Finanzmensch, die neue zweite Vorsitzende Gabriele Hötte bringt sich seit Jahren ehrenamtlich im Kulturkreis ein. Alina Picard ist neue Schatzmeisterin. Zum erweiterten Vorstand gehören fünf weitere Personen. Daher: Ja, es ist eine durchaus große Verantwortung, allein aus Respekt vor der Arbeit der Vorgänger.

„Die Klosterkirche hat ein gutes Standing.“

Torsten Kohl

Welche Pläne und Wünsche haben Sie für die Kloki?

Kohl: Da ich bereits seit 2004 als Schatzmeister Teil des Vorstandes bin, wäre es weder sinnvoll noch nachvollziehbar, jetzt alles neu machen zu wollen. Der Verein leistet sich seit Beginn ein professionelles Kulturmanagement, das, egal in welcher Besetzung, über die vielen Jahre stets eine tolle Arbeit gemacht hat. Wir als Vorstand sehen unsere Aufgabe in erster Linie darin, die Grundlagen für diese Arbeit zu schaffen. Aktuell und sicherlich auch noch die nächsten ein bis zwei Jahre heißt das, die Probleme durch und nach der Coronazeit zu meistern. Daher kann Plan und Wunsch für die jetzige Amtszeit nur sein, dass der Verein wieder auf Normalbetrieb geführt werden kann. Darüber hinaus wollen wir Mitte 2023 den Besuchern ein durchsaniertes Objekt präsentieren können. Kulturell soll sowohl der Bereich Kinder/Jugend/Familien-Kultur als auch Veranstaltungen für Senioren mehr ausgebaut werden. Hier steht bereits am 2. Oktober eine tolle Veranstaltung für Familien an: „Krümelmucke“. Unsere vor Corona begonnene Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat der Stadt wird ebenfalls jetzt wieder aktiviert. Mittelfristig muss sich auch unser Verein, wie fast jeder Verein, mit seiner Mitgliederstruktur beschäftigen. Junge Menschen sehen oft nicht mehr den Grund, Mitglied eines Vereins zu werden. Wir müssen Anreize schaffen und Überzeugungsarbeit leisten.

Ein großes Problem zuletzt für alle Kulturstätten war das fehlende Publikum, das noch nicht den Weg zurückfand. Was vermuten Sie, woran das liegt?

Kohl: Hierfür gibt es sicher verschiedene Gründe. Zum einen gibt es aktuell ein Überangebot an Kulturveranstaltungen, da viele Veranstaltungen, die in der Coronazeit ausgefallen sind, nun nachgeholt werden. Wer noch kein Ticket hat, bleibt zurückhaltend und nutzt erst einmal die noch bestehenden Tickets. Darüber hinaus kann jeder sein Geld auch nur einmal ausgeben - und in der aktuellen Phase mit stark steigenden Verbraucherpreisen bleibt die Kleinkunst, auch gegenüber den Mainstream-Großveranstaltungen, sicher teilweise auf der Strecke. Die Angst, sich zu infizieren, spielt - so glaube ich - immer weniger eine Rolle.

Letztes Jahr kam die Kloki noch finanziell mit einem blauen Auge davon. Aber was ist, wenn es nach dem Start nach der Sommerpause so weitergeht?

Kohl: Auch die Spielzeit 2022/23 ist aufgrund unserer Planungen und Rücklagenbildung in der Vor-Coronazeit durchführbar. Ab der Spielzeit 2023/24 hoffen wir natürlich wieder auf normale Verhältnisse. Sollten diese mittelfristig auch dann nicht wieder kommen, so werden wir unser Kulturangebot sicherlich einschränken müssen. Vor Corona hatten wir 18 000 Besucher im Jahr inklusive Vermietung. Da die Klosterkirche ein gutes Standing hat, gehe ich davon aus, dass wir diese Zahlen auch wieder erreichen werden.

Was zeichnet die Klosterkirche aus?

Kohl: Von Künstlern hört man immer wieder: Sie lieben die persönliche, vertrauliche Atmosphäre des Hauses. Hierdurch konnten in der Vergangenheit auch immer wieder Künstler nach Remscheid geholt werden, die ansonsten in deutlich größeren Veranstaltungsorten auftreten: Markus Krebs, Dieter Nuhr. Das Objekt als solches, ein altes Minoritenkloster, sucht darüber hinaus sicherlich seines Gleichen im weiteren Umfeld.

Zur Person

Torsten Kohl: Der gebürtige Lenneper (51) ist seit 2004 Schatzmeister des Vereins Kulturzentrum Klosterkirche. Er ist Mitgesellschafter bei der Steuerkanzlei Lepperhoff, Kohl und Partner in Lennep. Kohls Vorgänger in Beruf und Verein war Erich Lepperhoff, der ihn zur Klosterkirche brachte. Kohl lebt mit seiner Frau in Wermelskirchen.

Verein: Der Verein Kulturzentrum Klosterkirche hat 503 Mitglieder. Er hat den Auftrag der Stadt Remscheid, die Eigentümerin des Gebäudes ist, die Kulturstätte mit Leben zu füllen - sich um Veranstaltungen und Vermietungen zu kümmern. Öffentliche Mittel erhielt der Verein vor Corona nicht.

klosterkirche-lennep.de

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