Schauspiel

Teufels General überzeugt das Publikum

Gerd Silberbauer (links) verkörperte den Fliegergeneral Harras in dem Schauspiel „Des Teufels General“ nach einer Vorlage von Carl Zuckmayer. Foto: Michael Sieber
+
Gerd Silberbauer (links) verkörperte den Fliegergeneral Harras in dem Schauspiel „Des Teufels General“ nach einer Vorlage von Carl Zuckmayer.

REMSCHEID Die Aufführung des Dramas von Carl Zuckmayer im Teo Otto Theater übertraf die Erwartungen.

Von Sabine Naber

Carl Zuckmayer hatte in einem Gespräch einmal gesagt: „Wenn ich Theaterdirektor wäre, dann würde ich „Des Teufels General“ einer ganz jungen Generation vorstellen.“ Im Remscheider Teo Otto Theater ging dieser Wunsch am Dienstagabend in Erfüllung, als die Konzertdirektion Landgraf mit Zuckmayers Drama unter der Regie von Klaus Kusenberg zu Gast war. Und die jungen Leute waren es, die am Ende eines beeindruckenden Theaterabends als Erste aufstanden, um dem Ensemble rund um den Protagonisten Gerd Silberbauer mit ganz viel Applaus für seine hervorragenden schauspielerischen Leistung und diesen nachdenklich machenden Theaterabend zu danken.

Zuckmayer hatte sein berühmtes Stück 1943 in seiner Zeit im Exil, auf einer abgelegenen Farm im amerikanischen Bundesstaat Vermont geschrieben. Anlass war der Tod seines Freundes, des Fliegergenerals Ernst Udet. Die Nazis behaupteten, der Generalluftzeugmeister der deutschen Armee, der Suizid verübt hatte, sei beim Ausprobieren einer neuen Waffe tödlich verunglückt. Er wurde mit einem Staatsbegräbnis beerdigt.

Des Teufels General im Teo Otto Theater

 © Michael Sieber
 © Michael Sieber
 © Michael Sieber
Teo Otto Theater : Des Teufels General Foto: Michael Sieber
 © Michael Sieber
Teo Otto Theater : Des Teufels General Foto: Michael Sieber
 © Michael Sieber
Teo Otto Theater : Des Teufels General Foto: Michael Sieber
 © Michael Sieber
Teo Otto Theater : Des Teufels General Foto: Michael Sieber
 © Michael Sieber
 © Michael Sieber
 © Michael Sieber
 © Michael Sieber
 © Michael Sieber

Auf der Bühne des Teo Otto Theaters war eine reich gedeckte Tafel mit Hummer und Champagner zu sehen (Bühnenbild: Günter Hellweg). Zu Ehren einiger beurlaubter Frontoffiziere gibt Fliegergeneral Harras (Gerd Silberbauer) eine Gesellschaft. Das Fliegerass, der Draufgänger und zynische Opportunist glaubt nicht mehr an einen Sieg der Nazis. Und er schreckt nicht davor zurück, das NS-Regime - unter anderem in Gestalt des NS-Kulturleiters Dr. Schmidt-Lausitz (authentisch Markus Fisher) – anzugreifen: „Der lausige Schmidt, der die Kultur vertritt, bis sie nicht mehr aufsteht. Ich weiß doch genau, dass er bei der Gestapo ist.“

TEO OTTO THEATER 

TERMIN Rosenmontag 18 Uhr, wird im Teo Otto Theater „Best off - Das Leben ist ein Wunschkonzert“ gegeben. „Das wird ein Augen- und Ohrenschmaus ganz besonderer Art“, verspricht das Theater. Eintritt ab 21 Euro, Jugendticket 5 Euro, Seniorenticket 15 Euro.

Als nacheinander mehrere neu konstruierter Flugzeuge abstürzen, wird Harras der Sabotage verdächtigt. Die Gestapo setzt ihn unter Druck und stellt ihm ein Ultimatum. Harras findet am Ende heraus, dass sein engster Vertrauter, der Chefingenieur Oderbruch der Saboteur ist, weil er überzeugt war, dass Deutschland verloren ist, wenn Hitler diesen Krieg gewinnt. Harras schützt seinen Freund, Dr. Schmidt-Lausitz kann verkünden: „General Harras ist soeben in Erfüllung seiner Pflicht tödlich verunglückt. Beim Ausprobieren einer Kampfmaschine. Jawohl. Staatsbegräbnis.“

Gerd Silberbauer verkörpert die Rolle des Generals, dessen Lebensinhalt die Fliegerei war, grandios und mit ganzem Körpereinsatz. Um dieser Profession willen, dient er einem Regime, das er im Grunde verachtet.

„Ein Nazi bin ich nie gewesen. Immer nur Flieger. Ich habe nie einen Juden beklaut, nie aus der Parteikasse gelebt. Aber einen Luftkrieg ohne mich - nee, das könnte ich nicht aushalten. Diese unbegrenzten Mittel - diese Macht“, erklärt er seinem Freund Hauptmann Pfundtmayer (Peter Schmidt-Pavloff).

Zwiespalt zwischen Widerstand und Mitläufertum

Es wird gefeiert, getrunken, gelästert. Damen kommen dazu und Harras wird einmal mehr um Hilfe gebeten, als es gilt, Juden in Sicherheit zu bringen. Mehr und mehr wird ihm sein Zwiespalt bewusst – diese Erkenntnis kann auch seine Liebe zur jungen Diddo (wunderbar verkörpert von Elisabeth Halikiopoulos), mit der er eigentlich die Welt noch einmal neu entdecken will, nicht mehr beeinflussen.

Gerd Silberbauer gelingt es überzeugend, den Zwiespalt zwischen Widerstand und Mitläufertum im Zweiten Weltkrieg darzustellen. Und es geht dabei nicht nur um die Mitschuld, sondern auch um die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Ist ein Mensch, der tötet, weil er an die Sache glaubt, ein Held? Und ein anderer, der für eine Sache tötet, die er hasst und verachtet ein Mörder? Fragen, die wohl noch einige Zeit nach dem Theaterbesuch im Kopf bleiben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Drei Freunde leiten Kinder durchs Werkzeugmuseum
Drei Freunde leiten Kinder durchs Werkzeugmuseum
Drei Freunde leiten Kinder durchs Werkzeugmuseum
Temperamentvoll ins neue Jahr
Temperamentvoll ins neue Jahr

Kommentare