Kultur

Symphoniker proben fleißig weiter

Die Bergischen Symphoniker proben derzeit mit den Dirigierstudenten der Musikhochschule Düsseldorf. Zwischen den Streichern müssen 1,5 Meter Abstand gehalten werden, zwischen den Bläsern 2 Meter. Foto: Roland Keusch
+
Die Bergischen Symphoniker proben derzeit mit den Dirigierstudenten der Musikhochschule Düsseldorf. Zwischen den Streichern müssen 1,5 Meter Abstand gehalten werden, zwischen den Bläsern 2 Meter.

Das bergische Orchester ist weiterhin in Kurzarbeit – In finanzieller Schieflage ist es aber nicht.

Von Melissa Wienzek

Wie im Bienenstock geht es derzeit im Probenraum der Bergischen Symphoniker Am Bruch zu. Denn wegen Corona dürfen derzeit nur 35 bis 40 Musiker gleichzeitig in den Raum hinein – und das, obwohl er schon viel größer ist als die Bühnen in den Spielstätten. „Zwischen den Streichern muss ein Abstand von 1,50 Metern, zwischen den Bläsern ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden“, erklärt Geschäftsführer Stefan Schreiner. So können nicht alle 72 Musiker gleichzeitig proben – sie wechseln sich also ab. Jeder kommt ein- bis zweimal die Woche dran. „Und das ist auch wichtig“, betont Schreiner. Denn die Musiker sind bereits seit Mai in Kurzarbeit, und Teil der Vereinbarung ist, dass die Dienstbelastung gleich bleibt. Derzeit heißt es: 60 Prozent Arbeitsleistung, 40 Prozent Kurzarbeit. Zugleich herrscht Einstellungsstopp. „Aber wir sind sehr glücklich, dass wir überhaupt proben dürfen“, sagt der Geschäftsführer. Schließlich sei die Probe die alltägliche Arbeit des Berufsmusikers. Und der muss sich fit halten.

Derzeit läuft der Probenbetrieb auch in anderer Hinsicht besonders ab: Die Symphoniker üben gemeinsam mit Dirigierstudenten der Musikhochschule in Düsseldorf und lassen sie ein wenig Orchesterluft schnuppern – gut durchlüftet, versteht sich. Wer sich durch den Probenraum bewegt, muss einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Wer auf seinem Platz sitzt, darf ihn abnehmen – wenn er möchte. Was für die Bläser natürlich nicht infrage kommt. „Wir müssen aber das Kondenswasser mit Einmalhandtüchern auffangen“, erzählt Oboist Christian Leschowski.

Für den 37-jährigen Solinger ging der Anfang der Pandemie mit einem sehr bedrückenden Gefühl einher. „Die Bläser waren anfangs der Judas der Ensembles.“ Vor einem halben Jahr noch sahen Wissenschaftler in Blasinstrumenten ein erhöhtes Infektionsrisiko. Sie gingen davon aus, dass darüber vermehrt schädliche Aerosole freigesetzt würden.

„Man muss die Ohren noch besser spitzen, um den Mitspieler zu hören.“
Christian Leschowski

Was sich allerdings nicht bestätigt hat. „Wenn ich in meine Oboe reinblase, kann ich noch nicht mal eine Kerze ausblasen“, sagt Leschowski. „Beim Sprechen ist der Luftstrom viel höher als beim Spielen.“

Anfangs sei es für die bergischen Musiker ein wenig seltsam gewesen, bei der Probe auf großem Abstand zu sitzen. „Man muss die Ohren noch besser spitzen, um den Mitspieler zu hören. Aber das schult“, sagt der Oboist, der auch zu Hause täglich übt. „Das muss man dem Vermieter natürlich unbedingt sagen“, erzählt er lachend. Etwa zwei Stunden spielt er in seiner Wohnung Oboe, macht dabei Atemübungen. Ab und zu geht er joggen. So hält er sich fit. „Als Berufsmusiker sollte man einen gesunden Lebensstil pflegen.“ Sein größter Weihnachtswunsch im Coronajahr 2020: Weihnachten das traditionelle Konzert mit seinem Orchester geben.

Erst einmal setzen er, seine Kollegen und Generalmusikdirektor Daniel Huppert aber alle Hoffnungen auf Anfang Dezember. Am 3. ist das Crossover-Konzert „On fire!“ als „Swinging Christmas“-Edition in Solingen geplant, am 4. in Remscheid. Beide Termine laufen als Doppelkonzerte – um 17 und um 20 Uhr. Swingsänger Tom Gaebel hat sich bereiterklärt, zweimal hintereinander aufzutreten. „Das ist nicht selbstverständlich. Das ist durchaus anstrengend“, sagt Schreiner. Es gäbe theoretisch noch einzelne Karten. Der Vorverkauf ruht derzeit jedoch aufgrund der unklaren Pandemie-Entwicklung.

In die „On fire!“-Proben steigen die Symphoniker Ende November ein. „Wir hoffen einfach, dass wir bald wieder auftreten dürfen. Und das ist gerade in diesen Zeiten auch für die Menschen wichtig. Sie sollen Konzerte live hören und sehen können“, sagt Christian Leschowski. Auch sonst arbeiten die Bergischen Symphoniker derzeit gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer und ihrem Generalmusikdirektor weiter am Programm. In den kommenden Wochen stehen zudem Dreharbeiten im Teo Otto Theater an – der eigene Youtube-Kanal soll weiter bespielt werden. Hier gibt es einige exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Reinklicken lohnt sich. „Wir arbeiten massiv an weiteren Dingen. Wir haben viele Ideen“, macht Schreiner neugierig. Mehr darf er allerdings noch nicht verraten.

Auch wenn sich das klingende bergische Schmuckstück derzeit in Kurzarbeit befindet, ist es durch Corona nicht in finanzielle Schieflage geraten, betont der Geschäftsführer. „Das passiert auch nicht, wir sind abgesichert durch die beiden Städte. Das ist auch wirklich sehr beruhigend für uns.“ Gerade vor dem Hintergrund der finanziell bewegten Geschichte der Symphoniker. Das gemeinsame B-Orchester ist bis 2029 gesichert. Das erklärten die Oberbürgermeister erneut erst im August.

Wegen der Pandemie fielen bereits im Frühjahr Konzerte aus, jetzt wieder. Das Geld, das die Stadt Remscheid im Lockdown Nr. 1 gespart hatte, weil sie weniger an die Orchester GmbH abführen musste, steckte sie kurzerhand in einen Notfallfonds Kultur. So erhielten Remscheider Künstler ein finanzielles Trostpflaster.

Hier gibt es mehr

Aktuelle Infos: Auf der Internetseite der Symphoniker gibt es aktuelle Infos:

www.bergischesymphoniker.de

Youtube-Kanal: Exklusive Einblicke geben die Musiker auf ihrem Youtube-Kanal:

https://www.youtube.com/user/BergischeSymphoniker

Spielstätten: Infos zu den Auftrittsorten in Remscheid und Solingen:

www.teo-otto-theater.de

www.theater-solingen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Spritziges Flötenspiel beeindruckt Zuhörer
Spritziges Flötenspiel beeindruckt Zuhörer
Spritziges Flötenspiel beeindruckt Zuhörer

Kommentare