Ausstellung

Sellerie und Stachelbeere: Künstler würdigt Wunderwerke der Natur

Der Wuppertaler Dietmar Wehr ist Künstler und Orchestermusiker. Für den Sellerie erhielt er 2019 den internationalen Reclaim Award. Foto: mw
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Der Wuppertaler Dietmar Wehr ist Künstler und Orchestermusiker. Für den Sellerie erhielt er 2019 den internationalen Reclaim Award.

Dietmar Wehr stellt bis 2. Oktober in der Zentralbibliothek aus und beantwortet Fragen – Mehrere Fotografien werden zu einem scharfen Bild.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Die drei Birnen unterhalten sich, haben einander die Köpfe zugewandt. Bei dieser Vergrößerung der Fotografie erkennt der Betrachter erst die vielen Noppen auf der Oberfläche. Und wie schön doch jede einzelne ist. Kleine Wunder der Natur. Geschaffen, um den Menschen Leben zu schenken.

Der Wuppertaler Künstler Dietmar Wehr möchte genau darauf aufmerksam machen. Bis 2. Oktober stellt er unter dem Titel „Lebensmittel/Basic Food“ in der Zentralbibliothek etwa 20 fotografische Arbeiten aus. „Mir geht es darum, genau hinzusehen bei Dingen, die uns täglich unter die Finger kommen. Denn wir würdigen die kleinen Wunderwerke der Natur nicht wirklich“, sagt der Künstler, der sich selbst 30 Jahre lang vegetarisch ernährt hat, und heute „zu 95 Prozent“.

Er arrangiere Obst und Gemüse so, dass sie uns wie Wesen vorkommen – vital, überraschend, teils bizarr. Ein Radicchio hat beim genauen Hinsehen plötzlich ein Gesicht. Ein Romanesco, perfektes Beispiel für ein natürliches Fraktal, kommt einem mit seiner aggressiven Schnauze entgegen, die wilde „Punkzwiebel“ hinterlässt Dreck am Boden, Pilze werden zu Freunden und halten sich mit ihren Schlapphüten gegenseitig, der Sellerie schaut drein wie ein grimmiger alter Mann. „Sellerie kommt oft vor, weil er so spannend ist“, sagt Wehr. Für sein Sellerie-Foto-Kunstwerk, das im Bibliotheks-Treppenhaus zu sehen ist, erhielt er 2019 sogar den internationalen Reclaim-Award. Die Schwarzwurzeln haben es ihm angetan. „Das waren die schönsten ihrer Art, so schöne mit Blüten habe ich nie wieder bekommen.“ Oder die Fette Henne. „Ein Pilz, der gehandelt wurde wie das Steak des armen Mannes. Ich habe Spaß an seltenen Sachen.“ So auch an einer französischen Tomate, die nicht der EU-Norm entsprach. Wehr setzt sie hier gekonnt in Szene.

Für seine fotografischen Arbeiten nutzt er das „Focus-Stacking-Verfahren“, bei dem mehrere Aufnahmen zu einem einzigen, superscharfen Bild zusammengerechnet werden.

Dietmar Wehr ist seit 1978 als Kontrabassist im Sinfonieorchester Wuppertal beschäftigt. Seit 1982 ist er künstlerisch tätig. Er ist unter anderem Mitglied des Kölner Künstlervereins 68elf. Bereits 2015 stellte er in der Zentralbibliothek aus, damals ging es um die Metamorphose der Kartoffeln. Weitere Einzelausstellungen hatte Wehr in Köln, Wuppertal, Essen und Düsseldorf, außerdem war er an zahlreichen auch internationalen Ausstellungen beteiligt. Eines seiner Kartoffelbilder hängt im Von der Heydt-Museum.

Ausstellung: Dietmar Wehr „Lebensmittel/Basic Food“, bis 2. Oktober, Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6, Remscheid, zu sehen während der Öffnungszeiten: di. bis fr. 11 bis 17, sa. 10 bis 13 Uhr. An folgenden Samstagen steht Dietmar Wehr zudem für Fragen bereit: Heute, 18. und 25. September.

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