Westdeutsches Tourneetheater

Ohne das Team hinter den Kulissen läuft hier nichts

Ist der Scheinwerfer richtig ausgerichtet? Techniker Nils Blumenschein prüft, sein Kollege Kim Preyer checkt das System auf dem Tablet.
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Ist der Scheinwerfer richtig ausgerichtet? Techniker Nils Blumenschein prüft, sein Kollege Kim Preyer checkt das System auf dem Tablet.

Nils Blumenschein und Kim Preyer sorgen im WTT für Licht und Ton und fahren den Lkw. Neue LED-Leuchten sorgen für Wow-Effekte.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Wenn Nils Blumenschein (44) und Kim Preyer (32) einmal gleichzeitig krank würden, könnte das Westdeutsche Tourneetheater (WTT) die Tür abschließen. Denn die Techniker sorgen für Licht und Ton und schaffen die Kulissen heran – und stellen so den Theaterbetrieb sicher. „Einer kann zur Not den anderen noch ersetzen. Aber ohne die beiden geht hier halt nichts“, sagt Intendantin Claudia Sowa. Nils Blumenschein und Kim Preyer sehen die Gäste eher selten, sie halten sich hinter der Bühne auf – doch für das WTT sind sie unverzichtbar. Denn sie müssen genau wissen, an welcher Stelle der Ton einsetzt und bei welcher Textstelle das Licht von Grün auf Rot wechseln soll. Dafür müssen sie natürlich jedes Stück genau kennen.

Kim Preyer kam über Umwege zu seinem heutigen Job. Nach seinem Studium der Kulturwissenschaft in Hildesheim stellte er sich die Frage: Selbstständig machen oder nicht? Er entschied sich für Letzteres und wollte beim WTT einsteigen. Dieses hatte der Wermelskirchener bereits während eines Praxissemesters kennengelernt. „Aber wir hatten nur eine Stelle als Reinigungskraft frei“, berichtete Claudia Sowa. Also putzte der Kulturwissenschaftler erst mal das Theater im Studio – bis 2014 die zweite Technikerstelle frei wurde. Und dann wurde es eilig: Die Intendantin brauchte dringend einen Lkw-Fahrer für die Tourneen. „Innerhalb von fünf Wochen habe ich den Lkw-Führerschein gemacht“, erzählt Kim Preyer. Und schaffte sich dann autodidaktisch das ganze technische Wissen drauf. „Ich konnte das alles nicht, ich bin eigentlich Wissenschaftler.“ Für ihn ein Traumjob mit viel Abwechslung. „In all den Jahren habe ich nie zwei Tage hintereinander das Gleiche gemacht.“

Auch der erste Techniker Nils Blumenschein kam erst auf dem zweiten Weg zu seinem Job-Glück im WTT. Er absolvierte erst eine Ausbildung zum technischen Assistenten für Mediengestaltung, wollte dann aber Karriere als Schlagzeuger machen. Es kam anders. Jedoch setzte sich Blumenschein schon früh mit der elektronischen Musikproduktion auseinander – und arbeitete später in der Videoproduktion. Dort war er für den guten Ton zuständig. „Ich habe den Wandel im Veranstaltungssektor mitgemacht“, sagt der gebürtige Wuppertaler, der heute in Remscheid lebt. Mit Mitte 30 nahm er noch einmal ein Studium zum Toningenieur auf – und finanzierte dies aus Ersparnissen. Dann las er 2009 die Stellenanzeige des WTT. „Eigentlich wollte ich mit dem Job nur mein Konto auffüllen“, gesteht er. Der damalige Intendant stellte ihn ein.

Als Claudia Sowa 2011 die Intendanz übernahm und die hierarischen Strukturen abschaffte, die heute noch in vielen Häusern gelten, wurde für Nils Blumenschein der Job in der Technik nach und nach „eine Herzensgeschichte“, wie er sagt. „Jeder hat hier die Möglichkeit, etwas beizutragen. Wir sind die perfekte Antithese zum Sprichwort ,Viele Köche verderben den Brei.‘“ Das sieht auch Claudia Sowa so. „Jeder bringt hier seine eigene Profession ein. Wir sind nicht nur ein gut eingespieltes Team, sondern auch Freunde.“ Und die haben mittlerweile ein sehr gutes Verständnis für die künstlerischen Ansichten der Regisseurin.

Manchmal rufe ich Nils nachts an und singe ihm was vor.

Intendantin Claudia Sowa

Sie wissen genau, was zu tun ist, wenn Claudia Sowa über die Musik in einem Stück sagt: „Es muss schmissig sein.“ Oder wenn sie Nils Blumenschein nachts anruft und ihm eine Melodie durchs Handy singt. Denn der 44-Jährige sorgt für selbstkreierte Musik im WTT. „So sind wir in die Entwicklung der Stücke eingebunden“, sagt Blumenschein, der auch schon mal eine Kulisse bemalt. Preyer kümmert sich zudem seit der Pandemie um Aufnahme und Schnitt von Videos.

Zu den Aufgaben der beiden zählen in erster Linie Licht, Ton und Technik. Das neue System mit nunmehr 40 Scheinwerfern, von denen fast alle schon auf LED umgerüstet sind, erleichtert ihnen die Arbeit. „Mit dem Tablet kann ich jetzt auch von hier unten steuern“, erklärt Preyer. „Und wenn wir Rot wollen, müssen wir jetzt keine Farbfolie mehr vor den Scheinwerfer schieben“, ergänzt Blumenschein. Für die neue Anlage gab es 30 000 Euro vom Land. Dass das Licht jetzt sogar eine eigene Funktion hat und die Bühne plastischer wirken lässt, konnten bereits die Zuschauer vom „Zauberlehrling“ sehen.

Zum Job hinter den Kulissen gehört auch das Hin- und Herfahren von Bühnenbildern mit dem Lkw. Denn der Fundus, in dem Kostüme und Kulissen lagern, befindet sich in einem Lager im Südbezirk. Auch auf Tournee ist das Team Technik natürlich dabei. Sonst liefe ja auch dort nichts.

Das WTT-Team

Außer den Technikern Nils Blumenschein und Kim Preyer tragen einige andere zum Erfolg des WTT bei:

Claudia Sowa: Intendantin, Regisseurin und Gesellschafterin.

Björn Lenz: Schauspieler, Theaterpädagoge, verantwortlich für Sonderformate, Gesellschafter.

Bea Lange: Verwaltung, Buchhaltung, Besucherdienst, Gastspielakquise, Gesellschafterin.

Peter Strieder: Bühnenbildner.

Thomas Ritzinger: Studentische Aushilfskraft für Social Media und Öffentlichkeitsarbeit, Schauspieler.

Marc Schmitz: Kasse und Hausmeister.

Schneiderei: Die Stelle der Schneiderei soll im Sommer neu besetzt werden. Die Aufgaben umfassen die Kostüm- und die Funduspflege.

Bundesfreiwilligendienst: Das WTT beschäftigt auch einen Bufdi.

Externe: Hinzu kommen externe Künstler, Schauspieler und Grafikdesigner.

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