Lesetiger

Vorleser gesucht: Warum Vorlesen für Kinder so wichtig ist

Anlässlich des bundesweiten Akttionstags las Melissa Emara von den Lesetigern den Kindern in der Thalia-Buchhandlung vor.
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Anlässlich des bundesweiten Akttionstags las Melissa Emara von den Lesetigern den Kindern in der Thalia-Buchhandlung vor.
  • Melissa Wienzek
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Barbara Hampe von den Lütteraten liefert fünf gute Gründe fürs Vorlesen. Zwei Leseclubs für Kinder in Remscheid. Ausbildung für neue Vorleser im Mai.

Remscheid. Der Hase Hibiskus mit der coolen Sonnenbrille hat es den Kindern angetan. Und schwuppdiwupp sind sie selbst Teil der Geschichte, die ihnen Melissa Emara von den Caritas-Lesetigern gerade in der Kinderecke der Thalia-Buchhandlung vorliest.

„Ich kenne auch einen, der Tom heißt“, sagt einer der Jungs, und die anderen wackeln vergnügt auf ihren Melonen-Sitzkissen. „Guckt mal, die Freunde müssen durch die gaaanze Stadt fahren“, sagt Emara und fährt mit dem Finger die gezeichnete Strecke im Buch ab.

Einer der jungen Zuhörer muss das überprüfen: mit dem kleinen Finger tippt er auf die Seite, während es ein Orangenkissen weiter um Polizeigeschichten geht. Der jungen Remscheiderin muss Lesetigerin Eva Kramer nicht mehr erklären, wie man eine Rettungsgasse bildet. „Ich weiß, wie das geht“, sagt die Kleine und erklärt. Ein Polizist hätte es nicht besser sagen können.

Auch an anderen Stellen in Remscheid tauchten Kinder in der vergangenen Woche zum bundesweiten Vorlesetag in die Welt der Geschichten ein. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz las beispielsweise auf Einladung der Lütteraten in der Adolf-Clarenbach-Schule und Sozialdezernent Thomas Neuhaus in der Nelson-Mandela-Schule.

Fünf Gründe fürs Vorlesen

Aber warum ist das Vorlesen eigentlich so wichtig? Barbara Hampe von den Lütteraten, die auch Vorlesepaten ausbildet, zählt einige gute Gründe auf:

1. Wortschatz erweitern - übrigens nicht nur bei Kindern

Vorlesen erweitert laut Studien, die auch bei der Stiftung Lesen eingesehen werden können, den Wortschatz. Gerade für Kleinkinder sei dies wichtig. „Kleinkinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, haben einen um 70 Prozent erhöhten Wortschatz gegenüber den Kindern, denen nicht vorgelesen wird.“

Zwischen dem 12. und 18. Monat sprechen Kleinkinder in der Regel erste Worte. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres beherrschen sie circa 50 bis 200 Wörter, berichtet Barbara Hampe. Danach bilden sie die ersten grammatikalischen Mehrwortsätze. „Mit sechs Jahren sollten sie im Durchschnitt 10.000 Wörter kennen, zum Ende der Grundschule ungefähr 40.000.“

Interessant: Auch danach hört es nicht auf. Täglich erfassen wir etwa 20 neue Wörter. „Wir lernen also bis ins hohe Alter und bleiben geistig fit.“

2. Vorbilder finden - Pippi und Co.

Kinder lernen Vorbilder aus Büchern kennen. „Mein Lieblingsbuch ist zum Beispiel ,Pippi Langstrumpf“, verrät Hampe. „Gerade uns Mädchen wird hier gezeigt: Wir sind stark und müssen nicht hinter den Jungs zurückstecken.“

3. Kompetenzen stärken - Empathie, Zuhören, Fantasie...

Sympathie aufbauen, sich in andere hineinfühlen, andere Länder kennenlernen, aber auch zuhören, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Fantasie - all das fördere das Vorlesen. Zudem sorgt es für eine enge Bindung und gewährt eine Ruhezeit im stressigen Alltag.

4. Wer Geschichten hört, liest selbst auch gern

Kinder, denen vorgelesen wird, lesen auch selbst gerne lieber als Kinder, denen nicht vorgelesen wird: 54 Prozent im Gegensatz zu 38 Prozent.

5. Sprachklang erfühlen

Besonders für Zuwanderer sei das Vorlesen wichtig. „Denn jede Sprache hat einen anderen Klang. Sie lernen so unseren Sprachmodus“, sagt die Expertin. Am besten geeignet für Kinder mit ausländischen Wurzeln sei laut Hampe das Kamishibai-Theater: Hier sind Bilder mit Sprache verknüpft, und das macht auch noch richtig Spaß. Gerade für Kitas sei Kamishibai perfekt. Die kleinen lebhaften Theater können bei der Stadtbibliothek entliehen werden.

Unterstützung für Kitas und Schulen

Die Kinder- und Jugendbibliothek bietet Lehrkräften und Erziehern Unterstützung bei der Leseförderung an. Neben Führungen in einem der drei Standorte können auch spannende Rallyes gebucht werden. Zudem gibt es extra Bücher- und Medienkisten zum Ausleihen. Auch bei Projektwochen unterstützt das Team. Kontakt zur Kinder- und Jugendbibliothek: Tel. (0 21 91) 16 25 49.

Lesetiger: Vorleser gesucht

Wer mag, kann bei der ehrenamtlichen Vorlese-Gruppe „Lesetiger“ der Caritas noch mitmachen. Kontakt per E-Mail: m.emara@caritasverbandremscheid.de

Das nächste Seminar des Bürgerkollegs für angehende Vorlesepaten mit Werner Brück und Barbara Hampe findet am 12. Mai 2023, 13 bis 19 Uhr, in der Zentralbibliothek statt.

Die Leseclubs in Remscheid

Lennep: Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren treffen sich montags und donnerstags jeweils ab 15 Uhr im Deutschen Röntgen-Museum. Es werden ehrenamtliche Vorleser gesucht. Kontakt: Birgit Dömling, Tel. (0 21 91) 16 34 08; birgit.doemling@remscheid.de.

Südbezirk: Das WTT, Bismarckstraße 138, bietet in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Rosenhügel ebenfalls einen Leseclub für Kids zwischen sechs und zwölf Jahren an. Es gibt zwei Gruppen: montags 15 bis 17 Uhr, mittwochs 13.30 bis 15.30 Uhr im WTT.

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