Kulturarbeit

Teo Otto Theater investiert ins junge Publikum

„Der Grüffelo“ war eine der bestverkauften Veranstaltungen in der Corona-Zeit im Teo Otto Theater. Foto: Lisa Wiechert/Junges Theater Bonn
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„Der Grüffelo“ war eine der bestverkauften Veranstaltungen in der Corona-Zeit im Teo Otto Theater.

Möglichst früh will Sven Graf Kinder für Kultur begeistern, damit sie später wiederkommen. 25- bis 35-Jährige fehlen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Alle Theater Deutschlands haben dasselbe Problem: Ihnen fehlt eine ganz bestimmte Gruppe an Gästen: junge Leute. Auch dem Teo Otto Theater. Der künstlerische Leiter Sven Graf hat sich daher auf die Suche begeben. Und ein Konzept erstellt, wie er junges Publikum künftig ins „Schmuckkästchen“ holen möchte. Dabei sei eines ganz entscheidend: „Unser Anliegen muss es sein, dass man abends aus dem Theater rausgeht und man mehr bekommen hat, als man geben musste.“ Und dabei geht es nicht einfach ums Geld.

Sven Graf plant mehr Angebote für kleine Kids.

Für diese positiven Theatererfahrungen will er sorgen. Und das bereits möglichst früh. Denn wer bereits als Kind einen tollen Tag im Teo Otto Theater verbracht hat, wird auch als Erwachsener wiederkommen, ist sich Sven Graf sicher. Stichpunkt: nachhaltige Theater- und Kulturarbeit. „Insofern ist es eine Investition in die Zukunft. Viele reden vom Publikum der Zukunft – aber das ist falsch. Es ist das Publikum der Gegenwart.“ Das Generieren von jungem Publikum sei jetzt die große Aufgabe der Zeit. Auch für ihn. Es geht ums Vertrauenschaffen. Eine Analyse.

12 bis 25 Jahre: Wie alt ist das „junge Publikum“ eigentlich? Sven Graf schätzt sie auf 12 bis 25 Jahre. Genaue Zahlen, wie alt die Teo-Otto-Theatergänger sind, hat er nicht vorliegen. Man arbeite gerade an einer Erhebung. Fakt sei aber: Die Zahlen in der Altersgruppe seien ausbaufähig und sollen gesteigert werden – denn hier werde der Grundstein gelegt. Für Teens und Twens müsse man jetzt passende Angebote schaffen. „Hier können wir prägende positive Erinnerungen schaffen. Das ist nicht nur für die Wahrnehmung von Kultur im Allgemeinen wichtig, sondern auch, um sie später wieder als Kulturbegeisterte zurückzugewinnen.“ Doch davor beginne eine Orientierungsphase.

25 bis 35 Jahre: In diesem Alter stellen sich den jungen Remscheiderinnen und Remscheidern viele Fragen: Gründe ich eine Familie? Welchen beruflichen Weg schlage ich ein? „Zudem scheint es in dieser Zeit die Tendenz zu geben, Remscheid zu verlassen“, mutmaßt Graf. „In dieser Altersspanne verlieren wir uns oft. Dagegen kann man nicht viel tun.“

Ausnahme: Junge Eltern. Sie finden auch in diesem kritischen Alter den Weg ins Theater. Interessant: „Während der Corona-Zeit gehörten Jugendveranstaltungen wie ,Ronja Räubertochter’ oder ,Der Grüffelo’ zu unseren bestverkauften Veranstaltungen“ Daher möchte er hier ansetzen: In der neuen Spielzeit ab September soll es zwei Veranstaltungen im oberen Foyer geben, die sich speziell an Kinder ab vier Jahren aufwärts richten. Dabei soll es kuschelige Sitzsäcke geben, und die Kinder dürfen sich während der Vorstellung bewegen.

Danach: „Wenn sich alles gesettelt hat, das Kind größer ist oder betreut werden kann, kommt diese Gruppe wieder für uns als Kulturbesucher in Betracht“, sagt Sven Graf. Jetzt könnten die Über-35-Jährigen, grob geschätzt, zurückgewonnen werden – aber meist nur, wenn sie in der Vergangenheit schon gute Theatererfahrungen gemacht haben. Daher der Ansatz, möglichst früh für das erste Haus am Platz zu begeistern. Ein Invest in die Zukunft.

Verständnis von Kultur: Das grundsätzliche Verständnis von Kultur habe sich sehr gewandelt. „Das, wovon viele Theater noch zehren, nämlich, dass es ein ,Bildungsbürgertum‘ gibt, das Kultur als selbstverständlich ansieht, ist aus der breiten Masse verschwunden“, sagt Sven Graf. Stattdessen herrsche die Gefahr, dass Kultur zum Event werde – und in einer Reihe mit Disco, Kino, Youtube, Netflix und Computerspielen stehe. „Wir müssen aufpassen, dass wir kein einmaliger Besuch bleiben“, sagt Sven Graf. Warum ist das so? „Diese Gefahr besteht, wenn wir keine Brücken zu nächsten oder ähnlichen Veranstaltungen, zu anderen kulturellen Gruppen oder Organisationen oder zu einer engeren Verbundenheit zum Theater schlagen und festigen“, meint der Kulturexperte. Daher sei der Ausbau dieses Netzwerks wichtig – und das Betonen der eigenen Stärke, um sich von Netflix & Co. abzugrenzen. Damit die Menschen mehr aus dem Theater mitnehmen, als sie ausgeben. „Das Theater ist keine heilige Kuh, es darf angefasst werden“, betont Graf.

Bereits umgesetzt: Um junges Publikum anzusprechen, wurden zum Beispiel Instagram- und Youtube-Accounts errichtet und die Facebook- und Homepage-Auftritte überarbeitet. Livestreams, Online-Produktionen wie „Das Sehbuch“ oder „Mythische Wesen und wo sie zu finden sind“ oder Masterclass-Tanzworkshops wurden gestartet. Zudem Projekte wie Teos Theatertour: Ensembles führen dabei Stücke in Schulen auf. Und nicht zuletzt die neue Company in Residence.

Das Theater ist keine heilige Kuh, es darf angefasst werden.

Sven Graf, künstlerischer Leiter

Wie geht es weiter? Um die Zielgruppe des jungen Publikums zu erreichen und nachhaltig an das Haus zu binden, müsse das Remscheider Kulturleben ähnliche Vernetzungen aufweisen wie es die Plattformen im Internet tun, meint Sven Graf. Nach dem Motto: „Gefällt dir, was du gesehen hast, dann gibt es hier mehr. Wenn nicht, versuche doch das hier.“ Um dieses Angebotsnetzwerk spannen zu können, müsse die reine Quantität an Angeboten vorhanden sein – wenn nötig, kostenfrei. „Die Angebote bauen wir im Moment auf und versuchen, über Partner nachhaltige Synergien für die verschiedenen Remscheider Kultureinrichtungen zu erzeugen.“ Und ganz wichtig: sichtbarer werden. Denn welcher junge Remscheider kennt schon den Almanach? Zudem sollen Workshop-Angebote ausgeweitet werden, auch mit der neuen Company. Und es soll mehr Einführungen in Stücke geben.

Kontakt

Sven Graf, künstlerischer Leiter, freut sich über Wünsche, Kritik und Ideen. Auch von Schulen, von Jugendlichen, von Theatergängern. Er steht gerne für Gespräche bereit. Kontakt: Tel. (02191) 16 38 58 oder per E-Mail: sven.graf@remscheid.de

www.teo-otto-theater.de

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