Interview mit Michael Klimas und „Kosho“

„Liebe & Musik Open Air“ am 4. September: Das haben die Söhne Mannheims zu sagen

Michael Klimas (r.) ist seit 2004 dabei. Er ist Sänger, Songschreiber und Produzent mit polnischen Wurzeln. Er setzt sich mit seinen Texten für soziale Gerechtigkeit, Toleranz und Liebe ein. Von ihm wurde auch die neue Single „Eine Million Lieder“ produziert. Fotos: Sebastian Weindel
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Er ist einer der „Söhne Mannheims“: Michael Klimas ist seit 2004 dabei. Er ist Sänger, Songschreiber und Produzent mit polnischen Wurzeln. Er setzt sich mit seinen Texten für soziale Gerechtigkeit, Toleranz und Liebe ein. Von ihm wurde auch die neue Single „Eine Million Lieder“ produziert.
  • Melissa Wienzek
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Am 4. September tritt die Band beim Festival in Remscheid auf – Michael Klimas und „Kosho“ über das Konzert, den neuen Song und Rassismus.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Die Söhne Mannheims sind einer der absoluten Top-Acts beim ersten „Liebe & Musik Open Air Festival“ in Remscheid. Was erwartet die Zuschauer an jenem 4. September?

Michael Klimas: Auf jeden Fall eine Riesenfreude, wieder auf der Bühne stehen zu können. Seit längerer Zeit hatten wir nur sporadisch Konzerte, aber nie so ein richtiges. Wir freuen uns tierisch auf unseren Auftritt in Remscheid. Michael „Kosho“ Koschorreck: Wir wollen unsere Zuhörerinnen und Zuhörer glücklich machen – mit den alten Hits genauso wie mit dem Lebensgefühl, das die neuen Songs rüberbringen. So gibt es einen schönen Querschnitt durch unser Programm. Lockdownbedingt mussten wir uns Gedanken machen, wie wir uns live auch nur vor einer kleinen Anzahl von Zuschauern präsentieren können. Daher haben wir drei, vier kleinere Formationen aus verschiedenen Bandmitgliedern gegründet. In Remscheid sind wir aber fast die ganz große Besetzung. Wir spielen quasi unplugged mit viel Akustikgitarre, viel Klavierklang, sehr transparent.

Die Söhne Mannheims feiern mit der von Michael Klimas produzierten Single „Eine Million Lieder“ gerade ihr lang erwartetes Comeback. Wie ist der Song in Coronazeiten entstanden – und worum geht es?

Klimas: Entstanden ist er bei Giuseppe „Gastone“ Porrello im Studio. Wir hatten dort eine Vier-Tage-Session. Dabei haben wir viel Qualitätszeit miteinander verbracht – gesprochen, gekocht. In der Lockdown-Stimmung haben wir uns überlegt, worüber wir schreiben könnten, was wäre wichtig? Ursprünglich ist der Song ein Dankeschön an Familie und Freunde gewesen. Dann haben wir ein Video dazu gedreht – und den Song noch mal auf eine andere Ebene geholt. Darin thematisieren wir auch die Situation der Kulturschaffenden, die im Lockdown Auftrittsverbote hatten. Es war eine sehr nervenzerreibende Zeit für Künstler und Veranstalter.

Auch er ist einer der „Söhne Mannheims“: Gitarrist Michael „Kosho“ Koschorreck erweitert, verfeinert, und moduliert den Söhne-Sound seit über 20 Jahren. Bei jedem Konzert widmet er das Solo von „Dein Leben“ einem Menschen, der ihm wichtig ist.

Söhne Mannheims: Neues Album kommt vielleicht 2022

2017 ist mit „MannHeim“ das letzte Studioalbum erschienen. Mit „Miracle“, „Moral“ und „Eine Million Lieder“ sind bereits Vorboten für ein neues Album in Umlauf gebracht worden. Wann können sich die Fans auf ein Album freuen?

Klimas: Ich hoffe nächstes Jahr. Wir werden erst mal weitere Singles herausbringen. Dafür werden wir bald eine intensive Studiophase beginnen. Das ist nun wieder möglich. Im Studio fängt man einfach den Moment ein. Dort passieren Dinge, die man nicht planen kann.

Mehr zum geplanten Festival: Festival in Remscheid: Auch die Söhne Mannheims wollen kommen

Wie habt ihr die Corona-Krise erlebt?

Kosho: Für jeden in der Band war es sicher ganz unterschiedlich, wir sind ja ganz unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Leben. Für mich persönlich war es extrem ambivalent: Ich habe es am Anfang sehr genossen, die Ruhe in der Stadt zu genießen. Ich lebe mitten in Mannheim. Auch das Leben mit meiner Freundin, das nun eine Regelmäßigkeit hatte, habe ich sehr genossen. Auf der anderen Seite war aber die existenzielle Bedrohung: Wo kommt jetzt eigentlich das Geld her? Diese Ungewissheit hat sehr an der Seele genagt. Ich habe übrigens festgestellt, dass ich das Autofahren überhaupt nicht vermisst habe. Klimas: Bei mir war es auch so. Ich bin eigentlich ein Stadtmensch, ich liebe es, unter Menschen und unterwegs zu sein. Ich habe gemerkt, wie schnell sich das alles ändern kann. Und wie du dann dein eigenes Leben hinterfragst und dich fragst, was dir guttut. Das sind so Sachen, die einen echt geprägt haben.

Künstlerisch war ja auch nicht viel machbar, ihr konntet nicht proben oder gemeinsam ins Studio, geschweige denn auftreten.

Kosho: Ja. Ich habe zwar für mich selbst geübt und geschrieben, aber was mir gefehlt hat, war, sich mit den Kollegen zusammenzusetzen und Musik zu machen. Sonst lief alles immer nur online. Aber dabei kannst du nur improvisieren und keine festen Arrangements machen wegen der Zeitverzögerung. Das war schwierig. Aber auf der anderen Seite hat Corona erzwungen, dass Meetings online stattfinden – und das hat funktioniert. Ich unterrichte unter anderem an der Popakademie in Mannheim und am Konservatorium in Vorarlberg. Es war schon toll, dass ich die Möglichkeit hatte, an Webinaren in den USA teilzunehmen. Ich habe wahnsinnig viel mitgenommen. Das ist eins der positiven Dinge.

Wie würdet ihr selbst den Stil der Söhne Mannheims beschreiben?

Kosho: Wir machen eine wilde Mischung aus Hip-Hop, Rock und Pop, würde ich sagen.

Klimas: In den 90er/2000ern gab es Cross-over, zum Beispiel Rock und Pop mit Rap-Elementen. Das hat es immer ausgemacht, und das sind wir auch immer noch. Durch die Besetzung allein ist es ja schon Cross-over. Und was wir garantieren können: Bei uns gibt es keine Autotune-Stimmen, es ist alles echt gesungen.

Die Söhne Mannheims gibt es bereits seit 26 Jahren. Was ist das Erfolgsrezept?

Klimas: Dass sich die Band noch nicht aufgelöst hat, ist unser größter Erfolg (lacht). Man weiß, was man hat. Wir sind wie eine Familie. Hier gibt es Reibungen, Meinungsverschiedenheiten, aber am Ende des Tages kommen wir immer auf einen gemeinsamen Nenner. Wir finden eine gemeinsame Sprache. Kosho: Und wir haben immer wieder neue Leute dabei mit neuen Einflüssen, neuen Geschichten. Das merke ich jetzt sehr stark mit Karim Amun und Giuseppe „Gastone“ Porrello, die neue Geschichten erzählen, die unterschiedlich klingen und auf unterschiedliche Art und Weise Wärme und Energie ausstrahlen. Das gibt uns alten Hasen neue Inspiration und ermöglicht das, wofür Musik da ist: das aktuelle Lebensgefühl einzufangen und wiederzugeben. Denn eine bestimmte Phase in seinem Leben verbindet man immer wieder mit einem Song. Wir hoffen, dass wir diese Songs liefern können.

Ihr seid ein Kollektiv aus zwölf Musikern unter anderem mit Wurzeln in Simbabwe, Jamaika, Ghana, Ägypten. Erhebt ihr eure Stimme gegen den Rassismus?

Klimas: Ja, das ist absolut richtig, und da gibt es keine Alternative. Das haben wir auch am eigenen Leib erlebt. Wir hatten oft damit zu kämpfen, wenn Bandmitglieder persönlich beleidigt wurden, weshalb wir uns auch bei ,Rock gegen Rechts‘ engagiert haben. Auch jetzt erheben wir unsere Stimme gegen Rassismus. Das macht eine Band auch stärker, weil wir unsere Botschaft nach außen tragen – und Rassismus die Stirn bieten.

Festival in Remscheid: Das Konzert, Tickets und die Band

Konzert: Die Söhne Mannheims treten mit ihrem Akustik-Konzert am Samstag, 4. September, um 20 Uhr beim ersten „Liebe & Musik Open Air“ auf dem Schützenplatz auf. Support ist Mic Donet, der Soulsänger, der einst als Leadsänger von Carlos Santana durch die USA tourte.

Tickets: In der Preiskategorie 1 kostet eine Lounge für 2 Personen 101,20, in der Kategorie 2 kostet eine Lounge für zwei Personen 94,50 Euro. Die Lounges stehen coronakonform auf Abstand. Karten: remscheid-live.de

Vorteil mit RGA-Karte: Der RGA ist offizieller Medienpartner der Veranstaltungsreihe. Die Tickets sind in den Vorverkaufsstellen von Remscheid live sowie online erhältlich. RGA-Karten-Inhaber erhalten einen Rabatt von 10 Prozent je Ticket, gültig für maximal zwei Tickets.

Band: Seit über 25 Jahren sind die Söhne Mannheims eine der erfolgreichsten deutschen Bands. Ein multikulturelles Kollektiv mit Hits wie „Und wenn ein Lied“, „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ und „Vielleicht“. Nach 18 Gold- und 8 Platin-Alben, Tourneen durch Clubs und Hallen, Höhen und Tiefen erzählen sie die Geschichte jetzt weiter. Gründungsmitglied Xavier Naidoo singt seit 2017 in eigenem Namen. Die Besetzung in Remscheid: Michael Klimas, Dominic Sanz, Karim Amun, Giuseppe „Gastone“ Porrello und Rapper Metaphysics formen die Gesangseinheit. An Schlagzeug und Bass bilden Söhne-Urgestein Ralf Gustke und Edward Maclean das Fundament für Gitarrist Kosho und Pianist Florian Sitzmann. www.soehne-mannheims.de

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