Jubiläum

H. O. Schmidt macht Lennep zum Kultur-Hotspot

Horst-Olaf Schmidt, kurz H. O. Schmidt, ist Konzept- und Aktionskünstler sowie Bildhauer. Hier ist er mit seinem skulpturalen Säulengemälde mit unendlichen Motiven „Unlimited“ (2021) in seinem Atelier zu sehen. Foto: Doro Siewert
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Horst-Olaf Schmidt, kurz H. O. Schmidt, ist Konzept- und Aktionskünstler sowie Bildhauer. Hier ist er mit seinem skulpturalen Säulengemälde mit unendlichen Motiven „Unlimited“ (2021) in seinem Atelier zu sehen.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Der Aktionskünstler und Bildhauer feiert im November sein 45-jähriges kreatives Schaffen mit Persönlichkeiten der Szene.

Remscheid. Was leicht versteckt auf dem Zuweg zum Rotationstheater als niedlicher bergischer Bau anmutet, ist in Wirklichkeit eine kleine Schatztruhe – prall gefüllt mit künstlerischen Werken aus 45 Jahren, bleibenden Statements und frischen Ideen. Hier, in der Kölner Straße 4, hat Horst-Olaf Schmidt, kurz H. O. Schmidt, sein 25-Quadratmeter-Atelier und seine private, charmante „Stiegen-Galerie“. Der Remscheider Konzept- und Aktionskünstler sowie Bildhauer feiert Ende November seinen 45-jährigen Schaffensprozess mit Persönlichkeiten der deutschen Kunstszene, unter anderem Museumsleitern und Sammlern – und macht Lennep damit einmal mehr zum Kultur-Hotspot.

„Meine Kunst ist das Philosophieren über das Gegebene, Erlebte – und die Fantasie. Und das Niederknien vor den Ersten dieser drei. Den Rest besorgt die Farbe!“, findet H. O. Schmidt. Der politische und sozialkritische Künstler hat seit elf Jahren einen festen Kurator: Peter Köster. Nur ein schwindend geringer Prozentsatz deutscher Künstler leiste sich heutzutage noch einen Kurator, erklärt Schmidt, der von seiner Kunst lebt. Auftragsarbeiten und Ausschreibungen machen einen Großteil seines Schaffens aus. Momentan sei wegen Corona jedoch vieles ins Stocken geraten.

H. O. zeugt neues skulpturales Säulengemälde „Unlimited“

Umso mehr freut sich der 60-Jährige auf den Austausch mit Sammlern, Museumsdirektoren und Kunstinteressierten am 27. November. Dann können sie unter anderem sein 2021 entstandenes skulpturales Säulengemälde „Unlimited“ mit unendlichen Motiven kennenlernen. Gesichter scheinen sich anzuschauen, die Rollen, die zum Leben erwachen, treten in einen Dialog. „Diese Art Kunst ist in der Szene meines Wissens nach überhaupt nicht bekannt.“

Die Rollen lassen sich drehen – so entsteht ein immer neues Werk, ein unendliches. In seiner „Stiegen-Galerie“ mit urig-schiefem Fußboden und traumhaftem Ausblick auf die Stadtkirche Lennep gibt es sogar ein skulpturales Säulengemälde mit zehn Rollen – und noch mal mehr unendlichen Motiven. „Unlimited No. 1“ ist für 22.500 Euro zu haben. Werk Nr. 3 ist derzeit in Arbeit.

Auch Werke seiner Action-Painting-Reihe „Notre Dame“ gibt es hier zu sehen. Aus einer 480-Quadratmeter-Leinwand erschuf Schmidt 100 Einzelwerke, nachdem das Pariser Wahrzeichen in Flammen stand. In der „Stiegen-Galerie“, die nur auf eigene Gefahr über eine steile Treppe zu erreichen ist, findet sich auch das „Linsenglas – Das Auge sieht mit“, eine Installation aus Einmachdosen, Weckgläser-Deckeln, Okularen und Hanfseil. Es fordert im Sinne Joseph Beuys den zweiten Blick.

Den Jahrhundert-Aktionskünstler sieht H. O. Schmidt durchaus kritisch. „Ich bezeichne ihn auch als Täter.“ Denn er war Bordschütze und Funker in einer Stuka im Zweiten Weltkrieg. „Auf der anderen Seite ist er jemand, der die Kunst aus ganz anderen Betrachtungswinkeln zeigt.“ Und eben mehr als ein Fett-und-Filz-Künstler. Für sein Projekt „100 Jahre Beuys“, eine künstlerische Kooperation mit Prof. Dieter Kreidler, hat sich H. O. Schmidt noch einmal genau mit Joseph Beuys auseinandergesetzt, der im Mai 100 Jahre alt geworden wäre. Er spürte dem „Erneuerer der Kunst und Gesellschaft“ nach. Und ließ sich zu eigenen Werken inspirieren. „Von seinen Studenten hat Beuys immer den zweiten Blick verlangt“, erklärt er. Und der ist auch bei H. O. Schmidt angebracht, gar gefordert.

Ich mag es nicht, wie wir mit den Dingen umgehen.

H. O. Schmidt über menschengemachte Zerstörung

Der Remscheider Künstler steht für den abstrakten Expressionismus und den Neo-Fluxus, er ist Schüler des Düsseldorfers Hugo Imhoff und des leitenden Bühnenbildners der Städtischen Bühnen Wuppertal. Impulse erhielt er von Günther Salewski, Georg Baselitz oder Fluxus-Künstlerin Mary Bauermeister. Ihr widmete Schmidt eine Hommage.

Seine Arbeiten auf Metall, Holz, Glas oder Maché greifen dabei oft politische und gesellschaftliche Themen auf. Kritik an Trump, an den Religionen, an der Verschwendungs- und Zerstörungskultur der Menschen. „Ich mag es nicht, wie wir mit den Dingen umgehen“, sagt Schmidt, der sehr naturverbunden ist. Viele seiner Werke entstehen auch direkt in der Natur. Zum Beispiel „fabulous forest 2.0“, bei dem er bei 30 Grad raumgreifend im Wald arbeitete.

Ein großformatiges Werk werden sowohl die Remscheider als auch die Solinger kennen: „Nok 30“ hängt an der Portalwand von Haus Müngsten. Der Bereich an der Wupper liegt dem Remscheider besonders am Herzen. Durch das idyllische Fleckchen Natur führt er Interessierte bei seinen Künstlerwanderungen. „Hier geht es weniger um Kunst, sondern um Bewusstseinserweiterung, den Blick zu schärfen“, erklärt Schmidt. Das Angebot komme gut an. „Viele, die mitwandern, sagen hinterher: ,Den Weg bin ich schon so oft gegangen, aber so habe ich das noch nie gesehen.‘“

Das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern: „digitopia“, das sich mit Fresken beschäftigt. Oder wie es Peter Köster ausdrückt: „H. O. Schmidt zeigt abstrakt und sinnlich das allgegenwärtige Paradies, die fragile Natur. Einzigartig anders. Thematisch aktuell wie nie. “

Videos zu den Projekten:

talking-art.de oder bei Youtube

Das Event

45 Jahre Kunst von H. O. Schmidt feiert der Künstler am Samstag, 27. November, im Atelier Kölner Straße 4 und draußen auf dem Hof in Lennep mit Museumsdirektoren, bekannten Sammlern und Promis der deutschen Kunstszene. Es wird ein Künstlergespräch geben. Werke können erworben werden. Anmeldung für Kunstinteressierte notwendig: os.media@gmx.de

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