Papier- und Buchrestaurator

Er bewahrt die Geschichte der Remscheider

Papierrestaurator Matthias Beil (34) mit einem Registerband von 1873-1888.
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Papierrestaurator Matthias Beil (34) mit einem Registerband von 1873-1888.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Matthias Beil (34) ist Papier- und Buchrestaurator des Historischen Zentrums. Sein schönster Fund war ein alter Globus im Haus Cleff. Er macht auch Workshops für Kinder und Erwachsene.

Remscheid. Die Wegwerfgesellschaft mit ihrem Immer-wieder-neu-Kaufen und Schnell-wieder-in-den-Müll-Werfen ist nicht sein Ding. Matthias Beil (34) liebt alte Zeitzeugen mit Geschichte, mit Ecken und Kanten, Gerüchen und Macken. So stehen bei ihm zu Hause keine schwedischen Allerweltsmöbel, sondern solche aus der Gründerzeit mit Charakter, die er selbst aufbereitet hat. „Auch altes Werkzeug hat mich schon immer fasziniert“, erzählt er. Das Erhalten von kostbarem Gut ist Matthias Beil eine Herzensangelegenheit. Und die kann er jetzt auch in seinem Beruf bei der Stadt Remscheid ausleben.

Denn der gebürtige Berliner, der viele Jahre in Aurich gelebt hat, ist seit etwas über einem Jahr der neue Buch- und Papierrestaurator des Historischen Zentrums, zu dem neben dem Archiv auch das Deutsche Werkzeugmuseum und Haus Cleff gehören. Für beide Seiten ein Glücksgriff: Matthias Beil suchte seit anderthalb Jahren eine neue Stelle im Raum Köln, wo er nun lebt.

Stellen sind in der Branche rar gesät. „Und wir waren glücklich, weil Matthias Beil ein Fachmann ist, der sich mit historischen Archivalien auskennt. Das ist eine ganz sensible Arbeit“, sagt der Leiter des Historischen Zentrums, Dr. Andreas Wallbrecht. Denn nach seiner Ausbildung zum Buchbinder für Einzel- und Sonderanfertigungen in Hannover arbeitete Matthias Beil im dortigen Archiv. Fast zehn Jahre polierte er die alten Papiere und Bücher wieder auf, ehe ihn das Glück ins Bergische brachte.

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Hier, im Remscheider Archiv, geht erst einmal jeder Neuzugang über seine Werkstatt-Theke. Dazu zieht der Experte Kittel, Handschuhe und Mundschutz an und schiebt das Stück unter die Abzugshaube mit Hepafiltersystem - denn niemand weiß, ob der Neuzugang nicht mikrobiell befallen ist. Im schlimmsten Fall könne dies toxische Reaktionen auslösen, erklärt Beil. Dann wird das gute Stück gereinigt, gern mit Naturkautschukschwämmen oder Ziegenhaarbürsten, vor allem aber immer mit Vorsicht.

Die Neuzugänge kann Dr. Andreas Wallbrecht übrigens kaum noch zählen. „Alles aus dem Einwohnermeldebereich wie Geburts- und Sterbeurkunden wird nur noch hier gesammelt. Zudem sind wir angehalten, alle Dinge aus der Stadtverwaltung zu dokumentieren, die das Leben widerspiegeln.“ Zum Beispiel Ratsunterlagen. „Wir bewahren hier die Geschichte der Öffentlichkeit, dieser Stadt auf. Das ist eine hohe Verantwortung“, erklärt Wallbrecht, mit welcher Sorgfalt im Historischen Zentrum gearbeitet werden muss.

Durch die digitale Erfassung schützen wir das Original.

Matthias Beil

Hinzu kommen private Sammlungen. Noch reicht der Platz. Aber es wächst jeden Tag. Aktuell ist man bei 2,5 laufenden Regalkilometern. Daher sei das Vorantreiben des digitalen Archivs so wichtig: „Archive müssen für die Zukunft planen.“ Die digitale Erfassung ist eine von Matthias Beils Aufgaben. „Dadurch schützen wir auch das Original, weil es nicht mehr angefasst werden muss.“ Die Datenmenge sei riesig, der Zeitaufwand ebenso.

Aber auch die Kontrolle und Pflege von Altbeständen, die Beratung von Kollegen beim richtigen Verpacken und Lagern von Archivalien und natürlich das Restaurieren zählen zu seinen Aufgaben. Gerade arbeitet er an einem Registerband von 1873-1888. 40 Arbeitsstunden sowie unzählbare Ruhe und Sorgfalt hat er bereits investiert, das alte Tesafilm entfernt, Fehlstellen ausgebessert, die Buchblockhefte wieder mit Nadel und Faden zusammengeführt und Heftbünde aufgeklebt. Am Ende noch einen Buchdeckel aus säurefreier Pappe aufgebracht - nur die ist archivtauglich. Sonst vergilbt es.

Matthias Beil hat übrigens auch ein Faksimile des alten Hasenclever-Buches aus dem 17. Jahrhundert angefertigt, das nach der Sanierung von Haus Cleff in der neuen Ausstellung zu sehen sein wird. Seinen schönsten Fund machte der 34-Jährige auf dem Dachboden von Haus Cleff: einen alten Schulglobus aus dem 19. Jahrhundert, der in einem desolaten Zustand war. Sie können sich wohl denken, was mit ihm passiert ist. . .

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Workshops

Matthias Beil gibt zwei Workshops. „Blatt für Blatt mit Kleber und Faden“ am 19. und 20. Juli, 10 bis 13 Uhr, richtet sich an Kinder, „Die Schneider der Bücher“ am 19. und 26. November, 10 bis 16 Uhr, an Erwachsene. Kosten: 10 Euro Material plus 2,50 Euro Teilnahme. Anmeldung: Tel. (0 21 91) 16 25 19;
per E-Mail: werkzeugmuseum-hiz.de

werkzeugmuseum.org

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