Vorführungen

Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten

Sieglinde (62) und Martin Haase (62) haben nun einen weiteren Ausstellungsraum. Dort zeigen sie in einer Sonderausstellung sieben tschechische Marionettentheater, die um die Jahrhundertwende entstanden sind. Auf jedem prangt übrigens ein Harlekin. Fotos: Roland Keusch
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Sieglinde (62) und Martin Haase (62) haben nun einen weiteren Ausstellungsraum. Dort zeigen sie in einer Sonderausstellung sieben tschechische Marionettentheater, die um die Jahrhundertwende entstanden sind. Auf jedem prangt übrigens ein Harlekin.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Sieglinde und Martin Haase haben ihre Ausstellung vergrößert – Sie wollen bald wieder Freiluft-Vorführungen anbieten.

Remscheid. Während des Lockdowns ist ganz schön viel passiert in Haases Papiertheater. Sieglinde und Martin Haase (beide 62) haben die Zeit genutzt, um ihr einzigartiges Theater in ihrem Wohnhaus an der Ackerstraße weiterzuentwickeln – und hoffen, dies auch bald wieder Besuchern live zeigen zu können. Für den RGA haben die Haases schon mal exklusiv den Vorhang geöffnet.

Sonderausstellung: In einem neuen Raum im Kellerbereich zeigen die Haases nun in einer Sonderausstellung sieben tschechische Marionettentheater. Sie sind alle etwa 100 Jahre alt. „In Tschechien spielten die Erwachsenen mit Kleinmarionetten statt mit Papierfiguren. Dieses Theater war sehr anspruchsvoll. Es gab dort auch viele Wanderbühnen, die versuchten, vom fahrenden Theater zu leben“, erklärt Martin Haase. Auf jedem Theater prangt übrigens ein Harlekin. „Wenn wir im Internet auf Kleinanzeigen-Portalen ein Theater sehen, fängt für uns das Forschen an“, erzählt Sieglinde Haase. Woher stammt das kleine Kunstwerk? Und aus welchem Verlag? „Wir dokumentieren das alles.“ Haases Papiertheater ist nicht einfach nur ein Hobby, das, was in der Ackerstraße 14 geschieht, ist ein Lebenswerk mit viel Leidenschaft.

Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten

Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
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Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
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Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
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Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
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Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
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Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
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Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten
Papiertheater öffnet die Bühne für Marionetten © Roland Keusch

Theater-Ausstellung: Mittlerweile ist das leuchtende Paradies europäischer Papiertheater-Modelle auf 25 angewachsen. Es gibt italienische, englische, spanische, französische. „Und jedes hat seine eigene Geschichte“, sagt Martin Haase. Zum Beispiel der besondere Dachbodenfund aus Frankfurt: Das um 1900 von einem deutschen Bankier in Prag gebaute Papiertheater gehörte einst den Vorfahren Richard von Weizsäckers. „In seiner Familie wurde auch gespielt“, hat Sieglinde Haase herausgefunden. Oder die Trümmerteile, die vor 140 Jahren einst ein Theater waren. Ein Sammler aus Hanau, der seine Sammlung nun im Alter von 82 Jahren in gute Hände geben möchte, übergab den Haases eine Kiste Trümmer. „Wir dachten erst, das sei nur Schrott“, gibt Martin Haase zu. Dann feilte, säuberte und bastelte er – und nun steht das besondere Stück wieder, geblieben sind allerdings die Wasserschäden. „Es hat seinen eigenen Charme“, sagt Sieglinde Haase. In diesem Raum gibt es übrigens auch Papiertheater des Verlags A. Haase aus Prag und J. Scholz aus Mainz zu sehen. „Scholz war mein Mädchenname und Haase mein heutiger“, erzählt Sieglinde Haase lachend. Klar, dass das Ehepaar zuschlagen musste. Die Haases denken dabei an jedes noch so kleine Detail. Alles ist gehalten mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert, es gibt auch ein Polyphon, das tatsächlich funktioniert.

Stücke: Mittlerweile bieten die Haases 28 Stücke an, vom Krimi über Parodien bis zu Märchen. Im Mittelpunkt stehen bergische Stücke. „Bevor wir wieder loslegen, müssen wir aber erst mal kräftig üben“, verrät Sieglinde Haase.

Die Hölle ist eine Szene, die bei den tschechischen Marionettentheatern immer wieder auftaucht. Dieses hier stammt von der Firma Münzberg.

Neues Kinderstück: „Zirkus International“ heißt das neue Kinderstück, das Martin Haase geschrieben hat. Nach dem Kinderbuch von Lothar Meggendorfer treten hier Artisten und wilde Tiere in der Manege auf, mit kindgerechter Sprache und nur 20-minütiger Dauer. „Wir haben ein Testpublikum, das das neue Stück für gut befunden hat: unsere zwei Enkel im Alter von drei und sechs Jahren“, erzählt Martin Haase. Künftig sollen alle interessierten Kinder in den Genuss der Vorstellung kommen.

Buchung: „Sollten wir bald noch nicht wieder drinnen spielen dürfen, rollen wir wieder den roten Teppich auf unserer Terrasse aus“, sagt Sieglinde Haase. 2020 war das bereits ein gern genutztes Angebot zu Pandemiezeiten. Um gute Lichteffekte zu erzielen, würden die Vorstellungen dann etwas später starten. Übrigens: Haases Papiertheater kann man auch privat buchen. Auch Kindergärten und Schulen fragen häufig an.

Kontakt: Haases Papiertheater, Ackerstraße 14, Remscheid, Tel. 7 72 87, E-Mail: kontak@haases-papiertheater.de

www.haases-papiertheater.de

Festivals & Co.: Ende Juli sind die Haases bei einem Musikfestival in Flims am Rhein in der Schweiz zu Gast. Und was würde da besser passen als das Stück „Vom Zauber des Rheins“? Im September geht es dann zum Internationalen Papiertheaterfestival nach Norddeutschland. Dann haben die Remscheider Kulturmacher etwas ganz Besonderes im Gepäck: das Stück „Ein Herz aus Papier“, bei dem das WTT mitgewirkt hat. Intendantin Claudia Sowa und Schauspieler Björn Lenz haben dem Papiertheater dafür ihre Stimmen geliehen. Auch an zwei digitalen Festivals haben die Haases bereits teilgenommen. „Im Anschluss meldete sich die Princeton University aus den USA und fragte, ob sie einzelne Bilder aus unserem Beitrag für ein wissenschaftliches Magazin verwenden dürfen“, erzählt Martin Haase. So wandert Haases Papiertheater um die ganze Welt. Und setzt sich damit weiterhin für diese einzigartige Kulturform ein.

Mehr Fotos: www.rga.de

Kulturerbe

Auf die Initiative von Sieglinde Haase hin hat die Kultusministerkonferenz das Papiertheater im März zum Immateriellen Kulturerbe erklärt und ins Bundesdeutsche Verzeichnis aufgenommen. „Das ist eine ganz besondere Wertschätzung für diese wunderbare Kulturform und für alle, die das Papiertheater ausüben“, sagt Haase.

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