Improvisationstheater

Musik- und Tanztheater Filidonia kennt das Wort „Grenzen“ nicht

Miriam Bathe (vorne links) hat das Musik- und Tanztheater Filidonia 2016 gegründet. Heute umfasst es zwölf Künstler aus aller Welt. Foto: Julia Priss
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Miriam Bathe (vorne links) hat das Musik- und Tanztheater Filidonia 2016 gegründet. Heute umfasst es zwölf Künstler aus aller Welt.
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Miriam Bathe (32) gründete das Ensemble 2016. Im April tritt es in Honsberg auf. Das Publikum wird stets einbezogen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Sie haben kein Konzept. Keine festen Texte. Und keine vorgefertigten Stücke. Das Musik- und Tanztheater Filidonia improvisiert, lässt sich treiben. Das Wort „Grenzen“ kennen die zwölf jungen Profi-Künstler nicht. Filidonia gilt als eine der aufstrebenden Newcomergruppen in NRW. „Wir treffen uns und schauen, was passiert“, erklärt Gründerin Miriam Bathe (32). „Mit Tanz, Musik, Theater und Installationskunst versuchen wir, das Leben auszudrücken. Das, was uns bewegt – und das geht so besser als mit Worten.“

Die gebürtige Solingerin erhielt ihren ersten Geigenunterricht an der städtischen Musikschule Solingen. Schon immer träumte sie davon, Geige zu studieren. Doch ihr Herz schlug genauso für das Improvisationstheater. Weil es in Solingen kein dementsprechendes Angebot gab, schloss sie sich während ihrer Abizeit „Den glorreichen 6 bis 8“ an, einer Impro-Theatergruppe der Musik- und Kunstschule Remscheid, geleitet von Charles Wesseler. Die „Glorreichen“ entwickelten freie Stücke – Miriam Bathe war begeistert. „Ich hatte schon immer vor, Geige zu studieren – was ich dann auch in Wuppertal getan habe. Aber ich merkte schnell: Dabei ging es sehr darum, perfekt zu sein, genau das zu spielen, was in den Noten steht. Mir hat das Persönliche und die Improvisation gefehlt“, sagt Miriam Bathe.

Also gründete Miriam Bathe 2016 im Rahmen ihres Bachelorstudiums das Ensemble Filidonia mit Studenten aus ganz NRW aus den Sparten Tanz, Musik, Theater, Kunst. Der erste Auftritt war beim Street Art Festival 2016 in Honsberg. Damals war es noch ein Riesen-Projekt-Ensemble. Nun ist es ein festes mit zwölf internationalen Künstlern. „Wir rücken die Vielseitigkeit, das Andersartige, das Kontroverse in den Mittelpunkt“, erklärt Bathe.

Mindestens einmal im Jahr tritt Filidonia mit einem neuen Projekt auf. „Inbetween“ ist gerade über die Bühne gegangen. Aktuell arbeiten die Profi-Künstler, die meist gerade ihr Studium beendet haben, bereits am neuen Projekt „Zwischenstopp Heimat“, gefördert vom Kulturbüro Remscheid, vom Bergischen Kulturfonds, von der Stadt Wuppertal und dem Musikfonds. Geprobt wird online, da die Mitglieder über die Welt verstreut sind.

Den Begriff „Heimat“ beleuchtet das Ensemble dabei aus verschiedenen Blickwinkeln. „Er ist sehr ambivalent. Heimat boomt. Aber Heimat ist auch ein Begriff, der in der Nazizeit benutzt wurde. Wir wollen erforschen, was das heute für uns bedeutet“, erklärt Miriam Bathe. Da die Ensemblemitglieder zum Beispiel auch aus Asien oder England kommen, verbinde jeder etwas anderes mit dem Wort „Heimat“. „Bei uns geht es darum, diese Facetten des Lebens zusammenzubringen“, erklärt Bathe, die in Wuppertal lebt und als Dozentin an der städtischen Musikschule Solingen arbeitet. Neben der klassischen Konzerttätigkeit ist sie zudem als Musikerin, Performerin und Regisseurin unterwegs.

Im April 2022 wird „Zwischenstopp Heimat“ in Honsberg bei Ins Blaue aufgeführt. Dabei wird wohl auch wieder das Publikum eingebunden – denn auch hier gibt es für Filidonia keine Grenzen. Oft gibt es noch nicht mal Stühle.

„Kuk Ma!“: Max Süss stellt Miriam Bathe und Filidonia heute im Video bei KuK vor: kuk-remscheid.de

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