Museum in Lennep

Hier werden die Tuchmacher wieder lebendig

Er zeigt nicht nur Sakkos aus Wülfing-Stoff, sondern trägt auch selbst eines: Franz Werner von Wismar im Tuchmuseum.
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Er zeigt nicht nur Sakkos aus Wülfing-Stoff, sondern trägt auch selbst eines: Franz Werner von Wismar im Tuchmuseum.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Lenneper Museum feiert 25-jähriges Bestehen – Eine Führung durch die Themenräume lohnt sich.

Remscheid. Hier wird Geschichte nicht nur lebendig, sondern auch greifbar: Das Tuchmuseum in der Hardtstraße 2 feiert 25-jähriges Bestehen. Seit einem Vierteljahrhundert hält es die Tradition der Tuchmacher hoch – und wo wäre das besser möglich als in Lennep, in der Stadt, in der einst 40 Tuchmacher auf einem Fleck lebten? Der Tuchmacherweg des Bergischen Geschichtsvereins erinnert heute noch daran.

Wie ist das Tuchmuseum entstanden?

Als das Tuchmuseum 1997 im Obergeschoss des verschieferten Gebäudes an der Hardstraße gegründet wurde, bestand es schon zehn Jahre – als Werksmuseum der Firma Johann Wülfing und Sohn in Radevormwald-Dahlerau. „Nach dem Konkurs der Tuchfabrik suchten wir eine neue Bleibe, und die Stadt bot uns diese Wohnung hier an, die früher Hausmeister beherbergte. Wir konnten dann das Tuchmuseum einrichten - worüber wir der Stadt sehr dankbar sind“, erklärt Museumsleiter und Gründungsmitglied Franz Werner von Wismar (73). Er hat selbst einen starken Bezug zum Thema: Er baute nicht nur das Werksmuseum in Dahlerau 1984 auf, sondern sein Pflegevater war auch der ehemalige Werksleiter Detmar Hardt.

Wer ist der Träger des Tuchmuseums?

Die Anna Hardt Stiftung. Sie hat die Räume immer für ein Intervall von zehn Jahren von der Stadt gemietet. Die Stiftung kommt für Strom, Gas, Versicherung & Co. auf. Denn das Museum erhebt keinen Eintritt. Die Stiftung hat etwa 30 Mitglieder. Zudem stellen sechs Ehrenamtliche die Öffnungszeiten sicher. Sie kommen sogar aus Rade, Wermelskirchen, Gummersbach.

Wie hat es sich entwickelt?

Sehr gut, mein Franz Werner von Wismar. Gäste seien Schulklassen, Touristen, aber auch Einheimische, die auch öfters noch mal wiederkommen – denn die Fülle von Informationen ist groß. Wie viele Exponate in den Räumen untergebracht sind, kann niemand zählen. Das Tuchmuseum habe sich in 25 Jahren gut rumgesprochen, meint Franz Werner von Wismar. Einziger Kritikpunkt der Besucher: Sie finden den Eingang manchmal nicht. Handicap sei zudem die Treppe. Zumindest die im Innern kann von mobilitätseingeschränkten Personen überwunden werden: per Lift.

Was zeigt es?

Das Tuchmuseum zeigt die Geschichte der bergischen Tuchmacher am Beispiel der Firma Johann Wülfing & Sohn, Hardt & Co., Hardt Pocorny, Peter Schürmann & Schröder und der Hückeswagener Firma Schnabel. „Sie waren auch Tuchfabrikanten, ehe sie auf Watte umstellten“, erklärt der Museumsleiter. Inzwischen gibt es keine der Tuchfabriken mehr. 1993 hat Johann Wülfing & Sohn als letzte Tuchfabrik den ersten Konkurs angemeldet, 1996 den zweiten. So auch die Kammgarnspinnerei der Wülfing-Gruppe in Lennep: 1993 der erste, 1998 der zweite Konkurs. Der Grund: die Konkurrenz aus Fernost. „Sie machte es möglich, dass Textilien billig wurden. Auch die Qualität war nicht mehr die gleiche“, erklärt von Wismar. Von der Wülfing-Tuchfabrik in Dahlerau gibt es noch ein großes Bild am Eingang. Wussten Sie zum Beispiel, dass in New York als erstes die Lenneper Tuche verkauft wurden? Dass Heinrich Hardt die Deutsche Bank mitgegründet hat? Was der Unterschied zwischen Kammgarn und Streichgarn ist? Und wie das Wasser bitteschön in die Kammgarnspinnerei kam, die ja fernab von der Wupper lag? Wer das mit nein beantwortet, sollte sich unbedingt die verschiedenen Themenräume ansehen. Hier gibt es Musterbücher, Sakkos mit schwerem Baumwollstoff der Textilfirma, einen Vier-Quadratmeter-Webstuhl, den weit verzweigten Stammbaum der Hardts, eine Nachbildung eines Labors, viele Fotos, Dokumente und Schautafeln zu sehen. An den Wänden lässt sich die Geschichte und die Entwicklung gut nachvollziehen.

Zudem gibt es immer wieder Sonderausstellungen. Zurzeit eine über Bügeleisen sowie eine Textil-Werkschau von Gabi Heimann. Sie ist bis Anfang Februar zu sehen.

Kann man Führungen buchen?

Ja - und das empfiehlt sich auch. Denn Franz Werner von Wismar ist quasi das Lexikon der Firma Wülfing auf zwei Beinen. Eine Führung für zehn Personen kostet 40 Euro, für Schüler (25 Personen) 25 Euro plus 1 Euro Eintritt je Schüler. Für Schulen gibt es einen Museumskoffer mit Material als Unterrichtsvorbereitung.

Geöffnet

Das Tuchmuseum, Hardtstraße 2 in Lennep, bleibt noch bis 7. Januar 2023 geschlossen. Erster Öffnungstag ist Sonntag,
8. Januar 2023. Geöffnet ist dienstags, 12 bis 16, und sonntags, 14 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung: Tel. (0 21 91) 7 91 16 88. Bitte lange klingeln lassen. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen gibt es hier:

www.tuchmuseum.de

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