Zweiter Lockdown

Kulturszene setzt alle Hoffnungen auf Dezember

Sven Graf, künstlerischer Leiter des Teo Otto Theaters, muss im November zehn Veranstaltungen verschieben.
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Sven Graf, künstlerischer Leiter des Teo Otto Theaters, muss im November zehn Veranstaltungen verschieben.
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Einrichtungen bleiben ab Montag geschlossen – Karten werden zurückerstattet – Kritik an den neuen Maßnahmen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Es ist die zweite bittere Pille, die die deutschen Kulturschaffenden schlucken müssen, auch in Remscheid. Die Bundesregierung verordnet den Kulturstätten im Kampf gegen Corona erneut Bettruhe: Ab Montag bleiben die Häuser zu. Die Remscheider Szene hofft nun, dass die neuerliche Notfall-Therapie wirkt – und das Publikum im Dezember wieder gestärkt in ihre Häuser kommt. Der RGA hat sich umgehört.

Klosterkirche: Mit den „Glühwürmchen“ (| S. 17) hat sich die Lenneper Kulturstätte am Donnerstag in die Zwangspause verabschiedet. Diese Künstler werden im November nicht dort auftreten: Hans Gerzlich, Georg Krumm, Ensemble Noisten, Jens Heinrich Claassen, Marc Weide, René Steinberg und Florian Schroeder. Wird ein Termin verschoben, haben Kunden das Recht auf Rückerstattung. „Ich hoffe, dass unser Publikum das mitträgt“, sagt Sonja Tewinkel, Kulturmanagerin der „Kloki“. Gott sei Dank habe das Kulturzentrum 40 000 Euro aus dem Notfallfonds erhalten – so könne man die Künstler bei der Stange halten. Tewinkel sieht den Lockdown Teil 2 kritisch. „Theater sind nicht die Superspreader.“ Das ständige Umplanen sei kräftezehrend. Dennoch: Das Haus setzt aufs Streaming im Dezember. Bereits zwei Shows hat die Klosterkirche so live übertragen – und damit gute Erfahrungen gemacht. „Selbst Ältere sagen: Das ist ja einfach und eine tolle Sache“, erzählt Tewinkel. Der Kunde kauft ein Online-Ticket und genießt daheim die Show. Für die „Alten Bekannten“ am 15. Dezember sind bereits 290 Tickets verkauft – auch hier gibt es einen Stream. Auch das Weihnachtsspecial der Soul Shake Party am 23. Dezember soll digital laufen – hier gibt es kein Online-Ticket, sondern es wird um eine virtuelle Spende gebeten. „Das ist eine gute Gelegenheit, uns zu

Sonja Tewinkel (Klosterkirche) setzt aufs Streamen im Dezember.

unterstützen“, sagt Tewinkel.

Rotationstheater/Musikschule: Mit Violinistin Katharina Garrard verabschiedet sich das Rotationstheater heute Abend in die Pause. Das Team versuche nun, Kontakt zu den Künstlern aufzunehmen, um Termine zu verlegen. Glücklicherweise gab es dafür auch Geld aus dem Notfallfonds. „Natürlich ist der neue Teil-Lockdown für die Kultur verheerend, aber es war absehbar und konsequent“, sagt David Schmidt. Das Rotationscafé ist noch bis einschließlich Sonntag, 1. November, geöffnet. Heute von 10 bis 18, Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Ab Montag bleibt auch die Schule für Musik, Tanz und Theater geschlossen. „Darum haben wir uns dazu entschlossen, im November keinerlei Beiträge für die Schule zu erheben“, sagt Schmidt. Bei Bedarf könne Online-Unterricht angeboten werden.

WTT: Auch die Termine im WTT fallen aus. „Falls Sie uns in diesen Zeiten unterstützen möchten: Sehr gerne stellen wir Ihnen Gutscheine für eine unsere Veranstaltungen aus“, schreibt das WTT in seinem Newsletter. Jede Summe ab 5 Euro sei möglich. Die Gutscheine kommen per Post. Bitter: Auch das Gastspiel „Eine Weihnachtsgeschichte“ am 29. und 30. November im Teo Otto Theater fällt Corona zum Opfer.

Teo Otto Theater: Benefizkonzert, 4. Philharmonisches, „Rigoletto“, „Komplexe Väter“ mit Jochen Busse und Hugo Egon Balder – ganze zehn Veranstaltungen im ersten Haus am Platz entfallen im November. „Für ,Rigoletto‘, ,Komplexe Väter‘ und ,Untergang des Hauses Usher‘ sind wir in Gesprächen für einen Ersatztermin“, sagt Sven Graf, künstlerischer Leiter, der sich mit dem Verschieben und Umplanen bereits bestens auskennt. Problem: Der Kalender für 2021 ist eigentlich voll. „Es geht von vorne los. Aber wir haben uns darauf eingestellt, und ich gehe davon aus, dass wir im Dezember wieder starten.“ Das Geld für bereits gekaufte Karten werde automatisch zurücküberwiesen.

Graf ist hin- und hergerissen, ob der erneute Teil-Lockdown der richtige Weg ist. „Niemand möchte gern solche Entscheidungen treffen, aber als Kunstschaffender bin ich bin mir wie viele meiner Kollegen nicht sicher, ob das das richtige Augenmaß ist.“ Denn gerade die Theater hätten immer wieder an den besten Sicherheitskonzepten gefeilt.

„Kunst kommt immer noch von Können und nicht von Wollen.“
Sven Graf, Teo Otto Theater

Die Schule für Musik, Tanz und Theater verzichtet im November auf den Beitrag.

Und gerade in schweren Zeiten bräuchten die Menschen Trost und Zuversicht – das alles liefere Kultur. Streaming ist im Theater übrigens kein Thema, weil es an den technischen Möglichkeiten mangelt. „Wir wollen auch nicht streamen um des Streamens Willen, denn Kunst kommt immer noch von Können und nicht von Wollen.“ Der künstlerische Leiter hofft nun auf eines: dass die Zuschauer bei all dem mitspielen. „Bei allem Verständnis, aber das sind nervende Vorgänge. Ich hoffe, dass es nicht umschlägt in ein ,Ich lass das jetzt mal mit der Kultur.‘“

Schloss Burg

Fällt aus: Adventsbasar, viele Führungen.

Verschoben: Fragile Matt, geplant für 19. November, auf 17. Dezember, sowie zwei Burgmahle.

Findet statt: Der Abschluss des Burgleuchtens heute und morgen.

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