Brandschutz

Klosterkirche ist drei Monate eine Baustelle

Wo das Publikum sonst Kleinkunst genießt, gucken jetzt Kabel aus den Wänden, fehlen Vorhänge und ist der Boden abgeklebt. Gebäudemanager Dirk Schöneborn, die Architekten Christof und Sophie Welke und Torsten Kohl (Förderverein, v. l.) im Minoritensaal.
+
Wo das Publikum sonst Kleinkunst genießt, gucken jetzt Kabel aus den Wänden, fehlen Vorhänge und ist der Boden abgeklebt. Gebäudemanager Dirk Schöneborn, die Architekten Christof und Sophie Welke und Torsten Kohl (Förderverein, v. l.) im Minoritensaal.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Denkmalgeschütztes Gebäude wird auf den neuesten Brandschutz-Stand gebracht – Im Etat sind 1,3 Millionen Euro eingeplant.

Remscheid. Da, wo sonst „mit Leib und Seele“ der Gin Tonic über die Theke geht, herrschen jetzt Staub und Folie: Das Kulturzentrum Klosterkirche ist seit Montag eine Baustelle. Im Minoritensaal schleifen die Jungs gerade mit Schmirgelpapier das Geländer per Hand ab, während im Webersaal der junge Fliesenleger die alten Fliesen abschlägt. Große Scherbenhaufen und Kleberreste erzählen von schweißtreibender Arbeit. Eine große Mulde parkt im Klosterhof, Elektriker und Maler huschen durch die Räume, während im Foyer das Radio dudelt. Die Garderobe wurde kurzerhand zum Werkzeugtresen umfunktioniert, auf den Stehtischen gibt es Raumpläne statt Bier und Programmhefte.

Der ganze Innenraum ist abgeklebt – jede Stufe, jede Leuchte, der komplette Boden. Wer schon mal seine Wände daheim gestrichen hat, weiß: Abkleben ist die aufwendigste Arbeit überhaupt. Und die nervigste. Und hier wurden kilometerlange Wege abgeklebt, um das altehrwürdige Gemäuer zu schützen – es hat ein bisschen was von Hallencharme. Der Minoritensaal erscheint ohne die meterhohen Vorhänge plötzlich in einem ganz anderen Licht, über der Bühne klebt noch ein halbschlaffer Luftballon an irgendeiner Strebe über den eingepackten Strahlern. Die Stühle, auf denen hier sonst Kabarett und Kleinkunst genossen wird, lagern zusammengekuschelt in einem anderen Raum. Und auch in der Klosterschänke brutzelt heute kein Steak, stattdessen schlitzen Elektriker die Wände auf.

Wo sonst „mit Leib und Seele“ im Foyer Weißwein und Bier über die Theke gehen, herrscht nun Staubalarm.


Der Grund: Die Stadt Remscheid als Eigentümerin bringt nach rund 30 Jahren die Klosterkirche auf den neuesten Stand der Sicherheit. Grund ist der Brandschutz. „Wir haben diverse Brandschutzauflagen bekommen. Die Klosterkirche war in diesem Punkt hinter dem Soll“, erklärt Architektin Sophie Welke. Die ersten Überlegungen, das alte Minoritenkloster besser gegen Feuer und Flammen zu schützen, kamen 2015 auf. Kleinere Maßnahmen wie Rauchschutzvorhänge und Brandwachen wurden bereits umgesetzt. Die Bestimmungen, gerade für Versammlungsstätten, sehen heute weitergreifende Maßnahmen vor. „Unter anderem müssen wir einen separaten Brandschutz-Technikraum anlegen“, erklärt Dirk Schöneborn vom städtischen Gebäudemanagement. Dieser wird neben der Garderobe im Foyer entstehen – die Besucher werden ihn aber wohl kaum sehen. Beim Brandschutzkonzept geht es auch darum, das Gebäude in Brandabschnitte abzuschotten. Gebäudemanager und Architekten stimmen sich eng mit der Unteren Denkmalbehörde ab, denn „die Kloki“, wie die Lenneper ihr Kulturzentrum liebevoll nennen, ist ein Denkmal. Ein Jahr wurde geplant – so konnte sich auch das Kulturmanagement auf die dreimonatige Schließung bis 17. März einstellen. Die erste Show startet im April. „Dass die Schließung jetzt nach den Corona-Lockdowns kommt, ist ein Wermutstropfen für den Verein, aber es ging nicht anders“, sagt Welke. Denn: drei Monate keine Kulturveranstaltungen, drei Monate keine Vermietungen, drei Monate keine Einnahmen. Die Schänke wird nur zwei Monate geschlossen sein.

Adieu, ihr Fliesen: Der Webersaal erhält einen neuen Boden. Nach dem Aufräumen wird Vinyl verlegt – der ist leichter zu reinigen.

Kosten: Laut Stadtkämmerer Sven Wiertz (SPD) ging man ursprünglich von 1,3 Millionen Euro aus. Diese wurden in den Doppelhaushalt 2021/2022 eingestellt. „Aber wir alle kennen den angespannten Markt“, sagt Dirk Schöneborn in Hinblick auf vermutlich steigende Preise. Lieferprobleme gibt es laut der Architektin bei den Türen. „Das eine oder andere wird bei der Wiedereröffnung noch fehlen, es wird den Betrieb aber nicht gefährden.“

Die weiteren Arbeiten: Außer den Arbeiten am Brandschutz – es muss unter mit einem Durchbruch im Obergeschoss ein zweiter Rettungsweg geschaffen werden – wird die Haustechnik überarbeitet. Diese umfasst neben Maßnahmen für den Bereich von Heizung, Lüftung und Sanitär insbesondere die grundhafte Erneuerung der Elektrotechnik, das heißt, der Verteilungen- und Unterverteilungen im Hause, der Leitungsverbindungen und der Beleuchtung. Hier möchte die Stadt auf energiesparende LED-Leuchten umstellen. Auch die Künstlergarderobe wird erneuert. „Wir sind aktuell sogar einen Tag schneller als geplant“, freut sich Sophie Welke.

Für Stefan Plasberg und seine Kollegen von Elektrotechnik Schenkendorf ist diese Baustelle eine Herausforderung, wie er sagt. Vier Kilometer Kabel hat das Team schon verlegt, es werden noch weitere dazukommen. Quasi jeder Raum muss angepackt werden. „Wichtig ist, dass hier alle Gewerke gut zusammenarbeiten“, sagt er. Die meisten kommen aus Remscheid.

Energetische Optimierung: Viel Spielraum, um das Haus energieeffizienter zu machen, gibt es nicht – es wurde bereits viel getan. Die Holzfenster sind doppeltverglast. „Wir können lediglich die Heizungssteuerung optimieren. Eine Solaranlage geht nicht, da es ein Denkmal ist“, erklärt Architekt Christof Welke.

Architektin Sophie Welke: „Sind einen Tag schneller als geplant.“

Der Verein: Der Verein Kulturzentrum Klosterkirche hat mehr als 500 Mitglieder, Vorsitzender ist Torsten Kohl. „Wir haben die anstehende Sanierung genutzt und viel aussortiert“, sagt er. Zum Beispiel einen ganzen Transporter voll Altpapier. Aber keine Sorge: Die alten Kutten sind noch da. Wie der Verein das Jahr 2022 überstanden hat, wird bei der Jahreshauptversammlung im Mai vorgestellt. So viel kann Kohl aber schon einmal sagen: „Wir werden auf plus minus null herauskommen.“

Jede Stufe, jede Leuchte wurde ordentlich abgeklebt.

Historie: Die aus dem Franziskanerorden hervorgegangenen Minoriten ließen sich 1641 in der Stadt Lennep nieder. Mit Unterstützung des Landesherrn und des Kölner Erzbischofs begannen sie 1677 mit dem Bau einer Klosteranlage, die stetig erweitert wurde. Das Klostergebäude wurde bereits 1681 bezogen, die Fertigstellung der Klosterkirche dauerte bis 1696. Einweihung war 1700. Die Kloki hielt auch dem großen Stadtbrand von 1746 stand und wurde zur Emporkirche – Ende des 19. Jahrhunderts dann zur Fabrikationsstätte von Trikotagen. Angesichts des drohenden Abrisses gründete sich ein Verein, um die Kloki zu schützen. 1985 begann der Wiederaufbau, 1987 erfolgte die Einweihung als Kultur- und Bürgerzentrum. Seitdem hat sich „die Kloki“ einen Namen in der gesamten deutschen Szene gemacht.

Programmstart

Weil die Klosterkirche umfangreich renoviert wird, startet das Kulturprogramm erst ab April 2023. Und so ist es denn eine kurze Spielzeit bis zur Sommerpause, die es aber „in sich hat“, wie Kulturmanagerin Andrea Preker sagt. Los geht es am 14. April mit Christopher Köhler und Lars Ruth. Auf ihrer „Die Magier – Die Freakshow Tour“ machten sie Halt mit ihrer Rock’n’Magic- Mystery-Show. Als Nächstes ist dann Anne Folger mit ihrem musikalischen Kabarett „Fußnoten sind keine Reflexzonen!“ dran: 20. April.

Alle Infos zum Programm und Tickets gibt es ab sofort auf der Internetseite: www.klosterkirche-lennep.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare