Kindertrauergruppe

Sie bieten trauernden Kindern einen Raum

Hier, in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde am Höhenweg in Lennep, treffen sich die Kinder einmal im Monat an einem Montagnachmittag. Anke Stolz, Claudia Kreckel, Anja Labensky und Reinhild Grube (v. l.) im Gruppenraum.
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Hier, in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde am Höhenweg in Lennep, treffen sich die Kinder einmal im Monat an einem Montagnachmittag. Anke Stolz, Claudia Kreckel, Anja Labensky und Reinhild Grube (v. l.) im Gruppenraum.
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Neue Gruppe der Hospizvereine am Hasenberg ist gestartet. Weitere Teilnehmer können noch hinzukommen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Die Bücher „Geht Sterben wieder vorbei?“ und „Hat Opa einen Anzug an?“ liegen direkt neben dem „Trauerland-Spiel“ im Kreis, in der Mitte brennt eine bunte Kerze, die über einen dicken, bemalten Wackerstein wacht. Kleine Sitzkissen drumherum laden dazu ein, in diesem Kreis Platz zu nehmen – gedacht ist er aber nur für Kinder.

Die neue Kindertrauergruppe des Netzwerks Ambulante Hospizarbeit Radevormwald/Remscheid/Wermelskirchen ist in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde am Hasenberg in Lennep gestartet. Der Ort ist bewusst gewählt: Für alle Städte sei er gut erreichbar, erklärt Anja Labensky vom Ambulanten Hospizverein Remscheid. Wir erklären, was die Kinder dort genau machen und welche Rolle die Eltern spielen.

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Die Gruppe: Die vier Kinder zwischen neun und zwölf Jahren aus Remscheid, Rade und Hückeswagen treffen sich hier jeden dritten Montag im Monat von 16 bis 18 Uhr im geschützten Rahmen. Sie haben alle einen nahestehenden Verwandten verloren und können hier ihren Gefühlen freien Lauf lassen, wenn sie denn mögen. „Traurig sein gehört dabei genauso dazu wie fröhlich sein“, sagt Anja Labensky, die die Gruppe gemeinsam mit ehrenamtlichen Kolleginnen leitet.

Jedes Gefühl hat seine Berechtigung, seinen Platz. Das eine Kind sei wütend, das andere in sich gekehrt. Hier findet das speziell geschulte Team Mittel und Wege, individuell auf jedes Kind einzugehen. In der Pause geht es übrigens auch um andere Themen bei den Kindern, hat Anja Labensky festgestellt: Da wird über den Alltag, die Hobbys, die Schule geschwatzt. „Es ist wahnsinnig toll zu sehen, wie viel Interesse sie aneinander zeigen und wie wertschätzend die Kinder miteinander umgehen.“ Sie seien erstaunlicherweise sehr offen, freut sie sich.

Ablauf: Jedes Treffen hat ein Oberthema. Es gibt immer eine „gestaltete Mitte“, in die etwas hineingelegt werden darf. Letztens wurden zum Beispiel Grablichter oder Schwimmkerzen gebastelt. Dabei ist immer die bunte Kerze und der bemalte „Reflexionsstein“ mit Sonne, Schmetterling, Träne & Co. Kinder können damit ausdrücken, wie sie sich fühlen. Es gibt immer einen kreativen Teil. „Darüber entstehen bei den Kindern viele Gespräche“, sagt Labensky.

Sie dürfen zudem zwei Aufgaben übernehmen: die Kerze anzünden und den Gong schlagen, um die Gruppe zu eröffnen. Und am Ende auch wieder die Kerze löschen und den Gong schlagen zum Beenden des Treffens. Danach werden die Kinder gefragt: Wie war es heute für euch? Habt ihr Wünsche und Ideen für die nächste Stunde? „Zuletzt hatten sich die Kinder zum Beispiel gewünscht, Fotos der Verstorbenen mitzubringen“, sagt Anja Labensky.

Inhalt und Ziel: „Den Kindern ist es wichtig, in Kontakt zu sein. Sie merken: Sie sind mit ihrer Trauer nicht allein“, sagt Labensky. Gerade, wenn ein Elternteil sterbe, seien betroffene Kinder oft die einzigen in Schule oder Freundeskreis, denen dies widerfahre. Und: Sie schützen nicht selten ihre Eltern und verbergen daheim ihre eigenen Gefühle. Am Hasenberg darf alles raus. Und das ist gut so. „Trauer sollte kein Tabuthema sein. Tod und Trauer gehören genauso zum Leben dazu wie Freude.“

Elterngruppe: Während die Kinder in ihrem eigenen Raum sind, können die Eltern oder Angehörigen nebenan in einem separaten Raum Platz nehmen, ein Buch oder eine Zeitschrift lesen bei einem Tee oder Kaffee. Das ist aber keine Pflicht. Erwachsene, die über einen Verlust oder die Situation sprechen möchten, können dies mit Reinhild Grube und einer Kollegin tun.

Teilnehmen: Grundsätzlich können noch Kinder in der Gruppe aufgenommen werden. „Falls der Bedarf groß ist, könnten wir auch eine zweite Gruppe einrichten“, sagt Anja Labensky. Es ist jedoch vorab ein Vorgespräch mit den Eltern oder Angehörigen des Kindes nötig. Die Ansprechpartner: siehe Kasten. Es gibt auch die Möglichkeit einer Einzeltrauerbegleitung.

Finanzierung: Die Angebote sind kostenfrei, die Hospizvereine tragen selbst die Kosten für die neue Kindertrauergruppe. Daher würden sie sich über Spenden freuen.

Kontakt

Die Kindertrauergruppe ist ein gemeinsames Projekt der Hospizvereine. Weil es sich um eine geschlossene, geschützte Gruppe handelt, ist ein Vorgespräch mit den Eltern oder Angehörigen nötig. Ansprechpartner in den Städten sind:

Remscheid: Anja Labensky, Tel. (0 21 91) 46 47 05; info@hospiz-remscheid.de

Wermelskirchen: Anke Stolz, Tel. (0 21 96) 88 83 40; kontakt@hospizverein-wk.de

Radevormwald: Andrea Fürst, Tel. (0 21 95) 68 49 36; info@hospiz-rade.de

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