Kursangebot

Hier entstehen Träume auf weißem Porzellan

Erika Bemme in ihrem Atelier an der Wallstraße. Hier hat sie schon viele Schüler ausgebildet. Fotos: Roland Keusch
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Erika Bemme in ihrem Atelier an der Wallstraße. Hier hat sie schon viele Schüler ausgebildet.

Die Kunstporzellanmalerin Erika Bemme gibt Kurse in der Rotation in Lennep. Gelernt sie in der Staatlichen Manufaktur Meissen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Als sie gerade eben einen Stift halten konnte, hat Erika Bemme bereits das Kräuterbuch ihrer Mutter „verziert“ – und seitdem immer nur gemalt. Ihre Werke hingen viele Jahre in ihrer Dorfschule. Und schon als Kind wollte sie immer nur vom Steingutteller mit dem Fehldruck essen. Eine kleine 1 erschien, wenn das Essen verspeist war. Beides verschmolz schließlich zu einem Beruf, einer Leidenschaft: Erika Bemme (78) ist Kunstporzellanmalerin mit eigenem Atelier an der Wallstraße in Lennep. Diese besondere Kunstform gibt sie zudem an ihre Schüler weiter. „Porzellanmalerei ist ausgefallen, sie erweitert den Horizont“, sagt sie. In der Rotation der Familie Schmidt an der Kölner Straße bietet Erika Bemme Kurse an. Es sind Plätze frei (| Kasten).

Die Vitrinen sind voller Schätzchen. Erika Bemmes Lieblingsmotive sind die der klassischen Indischmalerei. Dies ist eine besondere Technik.

Gelernt hat Erika Bemme, die aus der Oberlausitz stammt, in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen. Fünf Jahre dauerte die Ausbildung, die sie gemeinsam mit einer Freundin absolvierte: zwei Jahre Zeichnen, drei Jahre Technik. Als sie einstieg, war Erika Bemme 15 Jahre alt. Sie spezialisierte sich dabei auf die Indischmalerei. Das ist eine abstrakte Malerei, deren Motive im Ursprung zum Teil an der ostasiatischen Porzellan-Malerei anlehnen. Sie gilt als eine der ältesten Meissener Malereien. Erst wird mit der Feder vorgemalt, dann mit dem Pinsel ausgemalt. „Ich hatte schon immer den Hang zu etwas Besonderem“, sagt die Porzellanmalerein lachend.

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Zunächst arbeitete sie bei Meissen. „So kam es je nach Auftrag vor, dass ich monatelang nur ein Muster in Grün oder Purpur malte.“ Über eine Station in Berlin, wo sie unter anderem als Stadtbilderklärerin arbeitete, kam sie schließlich 1982 nach Remscheid und absolvierte eine Umschulung. 20 Jahre arbeitete Erika Bemme als Sekretärin beim Fachverband Werkzeugindustrie – nebenbei malte sie aber wieder in ihrem Atelier. „Ich habe dann von 8 bis Mitternacht gemalt. Das war für mich nach einem stressigen Arbeitstag Entspannung.“ Ausstellungen führten sie in die Niederlande und in die Schweiz, nach Großbritannien, Australien, sogar bis nach Thailand.

Erika Bemme fertigt Auftragsarbeiten nach Wunsch und stellt individuelle Geschenke für Hochzeit, Geburtstag oder Jubiläum her. So bringt sie auch Brautpaare dazu, ihr Porzellan auf der Rückseite selbst mit eigener Handschrift zu verzieren. Ein Geschenk für die Ewigkeit.

Die Farbe braucht Zeit zum Fließen.

Erika Bemme

Zwei Bücher hat die Kunstporzellanmalerin bereits geschrieben, die sie ihren Schülern an die Hand geben kann. Und vor allem kann sie ihnen das „lebende Objekt“ zeigen: Ihre Vitrinen sind voller Schätzchen, handgefertigt mit viel Liebe zum Detail. Ihre Arbeiten reichen vom Fingerhut über den Teller und der Tasse bis zur Vase. Alles, was aus Weißporzellan ist, lässt sich bemalen. So hat Erika Bemme auch schon das eine oder andere ausgefallene Stück gestaltet: zum Beispiel einen Teller mit einer preisgekrönten Kuh für einen Zuchtverband oder Erotikdosen, die von außen normal aussehen, beim Aufklappen aber Delikates preisgeben.

Bei der Porzellanmalerei ist ein gutes Auge gefragt. Und eine ruhige Hand. Den Rest lernen die Schüler bei der Expertin. Zunächst wird eine Vorlage erstellt, die dann übertragen wird. Mit dem Federhalter wird aufgetragen. Die Grundsubstanz ist Terpentin, das zu Dicköl verdunstet. Diese wird mit Farbpulver gemischt. „Es darf nicht zu fett sein, sonst platzt es.“ Nach dem Brennen wird mit Farbe ausgefüllt. Das ist gar nicht so einfach: Porzellan verhält sich als Material ganz anders als zum Beispiel Papier. Und auch die Feder und die Farbe haben es in sich. „Die Farbe ist dicker als Tinte. Sie braucht Zeit zum Fließen.“ Doch wer einmal den Dreh raus hat, wird am Ende glücklich ein absolutes Unikat in seinen Händen halten.

Die Kurse

Mini-Weihnachts-Kurse: Bei Kurs 1 entwirft der Schüler unter Anleitung von Erika Bemme in nur zwei Stunden ein Schälchen für kleine Weihnachtsnaschereien. Inklusive Material und Porzellan: 40 Euro. Bei Kurs 2 geht es um leichte Porzellan-Dekoration; zwei mal zwei Stunden. Wegen der erforderlichen Brände inklusive Material: 80 Euro. Zusätzlich das ausgewählte Porzellan. Immer dienstags 10 bis 12 oder 18 bis 20 Uhr in der Rotation in Lennep, Kölner Straße 6. Geeignet für Anfänger.

Asia Nelken/Zweig mit Vögeln: Zwei mal zwei Stunden, dienstags 10 bis 12 oder 18 bis 20 Uhr in der Rotation – entweder Asia Nelken oder Zweig mit zwei Vögeln. Im Preis von 60 Euro enthalten sind Material und Farben. Zusätzlich zahlt der Teilnehmer sein ausgewähltes Porzellanteil plus zwei Farbbrände. Geeignet für Anfänger. Auch andere Termine sind möglich.

Außerdem: Es gibt auch Schnupperkursangebote einzeln oder für Gruppen im Atelier Wallstraße 37.

Anmeldung: Tel. (02191) 66 30 19 www.erika-bemme.de

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