Bildungsprogramm

Grundschüler bilden ein Orchester

Eflal (9, vorn) hat sich für die Geige entschieden. Sie schwänzt nie, sagt sie.
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Eflal (9, vorn) hat sich für die Geige entschieden. Sie schwänzt nie, sagt sie.
  • Melissa Wienzek
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Musisches Förderprogramm „Jekits“ läuft an sieben Schulen – Das Land will mehr Klassen zulassen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. EEGG CCCC CCCC CCEE. Diese Buchstaben stehen heute im Musikraum der GGS Eisernstein im Mittelpunkt. Hier wird allerdings kein Deutsch gelernt, sondern Orchestermusik. 21 Kinder singen die Buchstaben schön im Takt, während Karin Hilger an der Tafel mit dem Finger mitfährt.

Hier sind die Keyboarder zu sehen. Auch gemeinsam klappt es super.

„Keyboards!“, ruft sie jetzt, und Jasmin (9), Leon (10) und die anderen Musiker lassen ihre Finger über die Tasten gleiten. „Gitarren!“, „Geigen!“, „Die Bässel!“, sagt Karin Hilger, und die Kinder legen sich ins Zeug. Am Ende sorgt der Beat von Finn (9) am Schlagzeug noch für den perfekten Groove.

„Instrumente sind im Raum, laute und auch leise, spielen schon, man glaubt es kaum, gut auf seine Weise“, stimmen die jungen Musikerinnen und Musiker jetzt an. Als Zugabe spielt das junge Nachwuchsorchester den „Wellerman“ unter Klavierbegleitung und anschließend zum Playback. Das klingt schon richtig gut. Also Achtung, liebe Bergische Symphoniker – ihr bekommt bald Konkurrenz.

Gleich vier Schlagzeuger stehen zur Auswahl

Unter der Leitung der gebürtigen Radevormwalderin Karin Hilger, die eigentlich Kirchenmusikerin mit dem Schwerpunkt Chormusik ist und viele Jahre Kindermusicals auf die Beine gestellt hat, lernen die Kinder hier spielerisch Instrumente, Musik und Noten kennen – und sind davon total fasziniert. „Die Begeisterung in den Augen zu sehen und wie sich die Kinder dadurch entwickeln, ist einfach toll“, sagt Karin Hilger, die aber auch bemerkt: Musikalische Grundbildung wird in den Familien immer weniger. Manch ein Kind kenne keine Blockflöte.

„Jekits“ soll das ändern. So nennt sich das kulturelle Bildungsprogramm des Landes in Grund- und Förderschulen in NRW. „Jekits“ steht für „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“. In Remscheid ist die Musik- und Kunstschule der Stadt Remscheid die Botschafterin für die musischen Künste. Sieben Schulen mit acht Standorten sind dabei, an drei gibt es Instrumental-, an zwei Tanz- und an zwei Gesangsunterricht. „Wenn Kinder geboren werden, sind alle Gehirnzellen vorhanden, nur die Verknüpfungen fehlen noch“, erklärt Hilger, die früher selbst Schülerin an der MKS war und nun seit 2019 Jekits-Lehrerin ist. „Das bedeutet: Kinder zwischen zwei und zehn Jahren sind in der Lage, alles zu lernen.“ Diese Idee greife das Programm auf.

Kinder starten im zweiten Schuljahr mit dem Musizieren

Im zweiten Schuljahr starten die Kinder aktuell mit dem Musizieren. Das erste Jahr ist ein kostenfreies Reinschnuppern für alle im Musikunterricht, für das zweite Jahr müssen die Eltern ihre Kinder anmelden und einen geringen Betrag entrichten. Der Unterricht unterteilt sich in 45 Minuten Instrument, dann 45 Minuten Orchester. Instrumente sind vorhanden. Das Land will das Programm nun ausbauen. Künftig sollen die Grundschüler in den Genuss von drei Jahren Jekits kommen.

An der GGS Eisernstein läuft das bereits rund. Das zweite Orchester wird hier von Tommy Goebel geleitet. Karin Hilger leitet zudem eines an der GGS Döprfeld/Struck. Hier darf es auch mal laut zugehen. Und vor allem dürfen sich die Mädchen und Jungen ausprobieren. „Wir haben Kinder, die kein Deutsch sprechen können, aber sie können Rhythmus“, beschreibt es Karin Hilger. Denn Musik ist ein verbindendes Element und kommt ohne Sprache aus. Die meisten Kinder wollten Gitarre und Keyboard lernen. „Und sie lieben Poplieder, die sie aus dem Radio kennen.“

Was liegt da näher, als eine Band aufzubauen? Mit Luca, seinem Zwillingsbruder Finn, deren Freund Theo sowie mit Amelie (alle 9) hat man sogar gleich vier Schlagwerker zur Auswahl. „Wir lernen neue Instrumente kennen und helfen uns gegenseitig“, sagt Keyboarderin Jasmin (9).

Amelie, die erst Gitarre gespielt hat und nun Schlagzeug, ergänzt: „Es macht auch Spaß, weil man mit seinen Freunden zusammen die Instrumente kennenlernt.“ „Wir haben die beste Musiklehrerin. Und wir streiten hier auch nicht“, findet Emilia (9). Warum die Schüler so gute Orchestermusiker sind, erklärt die neunjährige Eflal: „Weil wir nie schwänzen.“

Ausweitung

Das Land hat das Signal gegeben, dass mit den bereitstehenden Mitteln zum kommenden Schuljahr 2022/23 maximal 50 Klassen (etwa 20 Schulen) neu aufgenommen werden könnten. Das Prozedere zum Auswahlverfahren wird zurzeit geklärt.

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