Nach zwei Jahren Pause

Frauenchor Ehringhausen: 100 und kein bisschen leise

Wenn die Sängerinnen auftreten, tragen sie stets schwarze Kleidung und dazu einen bunten Schal. Hier mal in Rosa. Foto: Jan Christoph Heinsch
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Wenn die Sängerinnen auftreten, tragen sie stets schwarze Kleidung und dazu einen bunten Schal. Hier mal in Rosa.
  • Melissa Wienzek
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Jubiläum wird 2022 nachgefeiert. Im Advent gibt es jedoch einen Auftritt. Geprobt wird im Bürgerhaus-Süd.

Remscheid. Zwischen rieselndem Laub und den ersten Kürbissen vor den Türen erschallt ein seeliges „Alle Jahre wieder“ durch den Südbezirk, das einem die Gänsehaut auf die Arme treibt. So schön klingen die Stimmen der Frauen, die an diesem Abend im Bürgerhaus-Süd proben. Man wünscht sich Anfang Oktober bereits den Advent herbei. Und auch die Sängerinnen des Frauenchors Ehringhausen können ihn kaum erwarten. Schließlich steht dann das erste Konzert seit zwei Jahren Corona-Zwangspause an.

Sie können es noch – oder wieder, beweisen die 24 aktiven Sängerinnen eindrucksvoll an diesem Dienstagabend im Bürgerhaus-Süd. „Die eine sagt, sie kann die Luft nicht mehr so gut halten, die andere sagt, ich bin schon wieder voll drin“, sagt Chorleiterin Elisabeth Rieger, die zu jeder Probe aus Köln nach Remscheid kommt. „Es ist Übungssache. Schließlich sind viele Muskeln beim Singen beteiligt.“ Um die vorzubereiten, stehen am Anfang der Probe erst einmal Ganzkörperlockerungsübungen an, ehe überhaupt ein Lied angestimmt wird. Und das mit viel Spaß, die Stimmung ist familiär. Man merkt: Hier sind über die Jahre Freundschaften entstanden.

Und die wurden auch während der Pandemie weiter gepflegt. „Wir haben über unsere Whatsapp-Gruppe Kontakt gehalten“, sagt Rieger. Während der kontaktarmen Zeit gab es stets „das Wort zum Dienstag“. „Wir haben beide abwechselnd gedichtet, das hat den Mädels unheimlich viel gebracht“, sagt die 1. Vorsitzende Inge Prinz. „Was mich sehr stolz gemacht hat: Es ist niemand während der Pandemie ausgetreten“, sagt Inge Prinz. „Und das erste Wiedersehen, als wir wieder durften, habe ich als sehr emotional empfunden.“

Zunächst wurde auf einem Grundstück an der Lenneper Straße an der frischen Luft geprobt, jeder auf seinem Stühlchen auf Abstand. Seit Ende Mai dürfen die Frauen wieder im Bürgerhaus-Süd proben. „Am Anfang haben wir mit dem Zollstock Abstände abgemessen. Jetzt freuen wir uns natürlich über die Quadratmeter im Saal“, erklärt die Vorsitzende. 150 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Zudem seien alle geimpft.

Jetzt können sie wieder im Bürgerhaus-Süd proben: die Sängerinnen samt Leiterin Elisabeth Rieger (hinten, r. mit gemustertem Schal).

Der Werdegang: Der Frauenchor Ehringhausen feiert dieses Jahr 100-jähriges Bestehen. Angefangen hat alles in der Hofschaft Ehringhausen. „Dort gab es 1850 zunächst einen Männerchor. 71 Jahre später, also 1921, hat sich dann der Frauenchor gebildet – aus Angehörigen des Männerchors. Die Frauen hatten schließlich auch Lust, einem Hobby zu frönen“, sagt Inge Prinz. Heute sind nur noch Annette und Ina als waschechte Ehringhauserinnen dabei. Bereits ihre Mutter sang im Chor.

Alle Frauen dürfen hier mitsingen, egal, woher sie kommen, betont Prinz. Die jüngste Sängerin ist 22, die älteste 82. „Die Älteste, die wir je hatten, ist kurz vor ihrem 100. Geburtstag gestorben“, erzählt Prinz. Geprobt wurde früher bei Richard Becker, auch mal in der alten Poststation, seit 2012 im Bürgerhaus-Süd. Zahlreiche Chorfahrten zeugen von viel Spaß – und einer starken Gemeinschaft. Bei der „Strucker Kirmes“ sind die Frauen stets mit ihrer Tombola dabei, auch in Altenheimen oder im Seniorenbüro haben sie schon gesungen. Das beliebte Nachbarschaftskonzert hat stets viele Gäste – wegen Corona fällt es dieses Jahr aus.

Repertoire: Das Repertoire des Frauenchors Ehringhausen umfasst moderneres Liedgut wie Schlager, Pop, Musical, insgesamt an die 100 Lieder. Jedes Konzert steht unter einem Motto, erklärt die Klavierpädagogin und Organistin Elisabeth Rieger, die den Chor seit 2003 leitet. „Bei einem Filmmusikkonzert hatten wir beispielsweise Lieder aus ,Mary Poppins‘ oder ,Flashdance‘“. Beim Konzert „Liebe ist. . .“ gab es nicht nur Lieder wie „Love, Love, Love“ oder aus „König der Löwen“, sondern auch die passende Herz-Deko.

„Wir machen eigentlich immer eine Show daraus“, erklärt Rieger. So gibt es neben Musik und Deko auch Sketche oder Theater. Auch ihr Outfit stimmen die Frauen übrigens stets darauf ab: Die Grundkleidung ist schwarz, dazu wird ein farbiger Schal kombiniert. Einmal hatten die Frauen sogar prominente Unterstützung: Clemens Schmuck von den „Alten Bekannten“ machte mit beim Gospelkonzert.

Das Jubiläum: Wegen Corona fällt die Feier dieses Jahr aus. 2022 soll alles nachgeholt werden: ein Festakt mit geladenen Gästen im Mai im Werkzeugmuseum. Das Jubiläumskonzert soll am 27. August 2022 stattfinden.

Nächster Termin: Da das vom Männergesangverein Ehringhausen organisierte traditionelle Weihnachtskonzert am 3. Adventssonntag ausfällt, stellen die Frauen etwas Eigenes auf die Beine: Am 4. Advent, 16 Uhr, gibt es ein kleines Adventskonzert in der Christuskirche. Pfarrer Eichner moderiert. Eintritt frei, Spenden für die Chorkasse erbeten.

Proben

Geprobt wird immer dienstags ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus-Süd, Auguststraße 24. Interessierte dürfen vier Mal schnuppern. Danach können beide Seite entscheiden, ob sie miteinander warm geworden sind. Die Stimme kann im Chor geschult werden, sagt Chorleiterin Elisabeth Rieger, es brauche aber ein gewisses musikalisches Grundgespür. Kontakt: 1. Vorsitzende Inge Prinz, Tel. (0 21 91) 3 17 81.

frauenchor-ehringhausen.de

Auch die Bergischen Symphoniker starten wieder.

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