Kunst

Er erschafft Träume aus Holz und Gold

Der 2,30 x 2,30 Meter große Elch grüßt im Schaufenster der Goldschmiede Frank Niebch an der Scharffstraße.
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Der 2,30 x 2,30 Meter große Elch grüßt im Schaufenster der Goldschmiede Frank Niebch an der Scharffstraße.
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Frank Niebch ist Goldschmied und Skulpturenkünstler. Sein Schaufenster an der Scharffstraße ist der Hingucker.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Auf der einen Seite ist das Glatte, das Perfekte, auf der anderen das Raue und Ursprüngliche: Der Remscheider Frank Niebch ist von beidem gleichermaßen fasziniert. Denn er hat zwei Herzen in seiner Brust: Eines schlägt für Metalle, eines für Holz. Mit beiden Werkstoffen lebt er sich kreativ aus - und erschafft dabei bleibende Kunstwerke fürs Leben. Denn Frank Niebch ist Goldschmied und Holzskulpturenkünstler.

Wer über die Scharffstraße flaniert, wird es bereits gesehen haben: das Schaufenster des Goldschmieds. Denn das ist ein Hingucker: Links schläft eine 3,50 Meter große Frauenskulptur im Schaufenster, während rechts ein 2,30 x 2,30 Meter großer Elch mit Geweih die Passanten grüßt. Rentner mit Einkaufstaschen bleiben stehen, Kinder winken und staunen. „Viele kommen auch in den Laden rein und sagen, wie schön sie die Werke finden“, erzählt Frank Niebch.

So sah die liegende Naturschönheit noch zu Ostern aus: frisch grün. Jetzt ist sie braun. Sie schlummert im Schaufenster.

Die liegende Gartenskulptur ist bereits seit Ostern da. Aber mittlerweile hat sie sich verändert: Das frische Grün ist einem Braun gewichen. Denn die Naturschönheit lebt. Ihren Körper hat Frank Niebch mit Rollrasen bezogen - und der hat sich mittlerweile trotz Gießens verändert. „Durch das Braun kommen die Konturen nun besser zum Vorschein“, findet der Künstler, der sein zweites Standbein und Ausgleich „Holzliebe“ nennt.

Der Kopf der Dame besteht aus massivem Eichenholz. Diese Holzsorte bearbeitet der Skulpturenkünstler in seinem Atelier am Hasten am liebsten. Nur: Wie ist die riesige Gartenschönheit eigentlich in den Laden gekommen? Antwort: in Einzelteilen. Gut, dass es im Atelier auch einen Gabelstapler gibt. . . Der Kopf wurde erst vor Ort an den Körper montiert. Genauso verhielt es sich bei dem imposanten Elch aus Mischholz. Kaum zu glauben: Die Holzteile wie Bein, Auge und Huf haben Frank Niebch und seine Lebensgefährtin eigentlich kaum mit der Motorsäge bearbeitet. „Das Holz hat schon eine fertige Struktur, es bringt die Maserung von sich aus mit, während ich das Gold geradlinig und glatt bearbeite“, erklärt er.

Schmuck ist immer mit einer Geschichte verbunden.

Frank Niebch

Die Liebe zum Edelmetall war zuerst da. Nach der Ausbildung zum Goldschmied bei Abeler in Wuppertal zog es den gebürtigen Remscheider nach Wermelskirchen. Dort blieb er elf Jahre, ehe er zwei Jahre lang in Köln arbeitete. Danach eröffnete er einen Laden an der Burger Straße. Seit 2017 betreibt Frank Niebch sein Geschäft an der Scharffstraße. Die Holzkunst kam bereits vor 25 Jahren dazu. „Für meine Goldschmiede habe ich immer nach Möglichkeiten gesucht, um meine Schmuckstücke attraktiv in Szene zu setzen. Irgendwann entdeckte ich meine Leidenschaft für Holz und begann, mehrmals im Jahr meine Schaufensterdekoration daraus zu fertigen.“ Alles fing mit einfachen Holzskulpturen an, die als Präsentationsfläche für Ringe, Halsketten oder andere Schmuckstücke dienten. Und dann ging es immer weiter.

Verstorbene Tiere hält Niebch in Holz für die Ewigkeit fest.

Heute fertigt Niebch alles nach Kundenwunsch an - das kann eine Holzskulptur des verstorbenen Hundes sein, große Ringe für Hochzeitspaare als Erinnerungsstück, eine massive Gartenbank, ein kunstvoll mit der Kettensäge bearbeiteter Adler - oder auch ein ganzer Hühnerstall. Für einen Zahnarzt fertigte er eine Zahnskulptur an, für den Nabu drei Rotkehlchen. Auch der Schmuck - Ringe, Armreifen, Anhänger - aus Gold sind Erinnerungsstücke, die in der Werkstatt Scharffstraße entstehen.

Stets individuell. So manche Lebensgeschichte hat Frank Niebch dabei schon von seinen Kunden erfahren. „Es geht öfter mal emotional zu“, erzählt er. „Denn Schmuck ist immer mit einer Geschichte verbunden.“ Die Leidenschaft für das Handwerk hat Frank Niebch übrigens weitervererbt: Seine beiden Söhne sind ebenfalls Goldschmiede und haben sogar bei ihm gelernt.

Schmiede-Trends

Aktuell sei Gelbgold wieder im Kommen und löse damit den Weißgold-Trend ab, sagt der Goldschmied. Zudem fertigte er zuletzt vermehrt kleine Anhänger für Ketten an, die befüllt werden können. Kontakt: Tel. (0 21 91) 4 61 71 60
www.niebch.de

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