Kunst

Beim Malen taucht er in eine andere Welt ab

Für Ralf Idel ist das Malen ein Rückzugsort. In seiner Kunst gibt er sich seiner Stimmung hin. Foto:
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Für Ralf Idel ist das Malen ein Rückzugsort. In seiner Kunst gibt er sich seiner Stimmung hin.

Acryldesigner Ralf Idel schafft Kunst aus Babykleidung, Industrieschrott und weiteren Utensilien

Von Peter Klohs

Remscheid. Um in das Atelier von Ralf Idel zu gelangen, geht es einige Stufen hinab in eine Art Souterrain, den Idel „Keller“ nennt. Am Rande des Stadtteils Lüttringhausen gelegen, kann man hier gewiss stress- und störungsfrei arbeiten. Zwischen 50 und 60 Arbeiten des Künstlers stehen im großzügig geschnittenen Raum. Ein Gemälde sticht sofort ins Auge: Großformatig zeigt es die Wuppertaler Schwebebahn gemeinsam mit der Müngstener Brücke, überspannt von einem Regenbogen. Zahlreiche Schnuller bereichern das Kunstwerk. „Die sind alle echt“, sagt Idel, „sowie ich prinzipiell nur echte Baby-Sachen verarbeite.“

„Ich halte mich an keine Regeln.“

Ralf Idel, Künstler

Daneben beeindruckt Abstraktes in grüner Leuchtfarbe, ein Elefant mit Mütze, Geografisches mit goldenen Kreisen, die entfernt an die Arbeiten von Paul Klee denken lassen, ein Bild mit blauen Schuhen, das vor kurzem noch im Allee-Center ausgestellt war, ein Kindergesicht mit zwei unterschiedlich farbigen Augen, Bilder mit „Industrieabfällen“, Zahnrädern, Radkränzen. Daneben zahlreiche Tuben mit Farben, ungeordnet, doch nicht chaotisch wirkend, die offensichtliche Unordnung hat System.

Das ist also der Ort, an dem Ralf Idel seine bemerkenswerte Kunst schafft. Aber auch in anderen Bereichen hat sich der 1962 in Wuppertal geborene Idel ausprobiert. Er war Musiker, Fußballtrainer, Designer. Aber der Reihe nach. „Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen“, erzählt Ralf Idel. „Wir waren zu Hause acht Kinder. Das Malen war damals mein Rückzugsort. Ich habe mit dem Ausmalen von Figuren angefangen, bis ich nach einiger Zeit erste eigene Zeichnungen entworfen habe.“

Das Malen und Zeichnen begleitete Idel jedoch nicht permanent. „Es gab Ruhezeiten“, erklärt der Künstler, „dann habe ich wieder gemalt, Ruhezeiten, gemalt. So ging das einige Jahre.“ Mit 16 Jahren entdeckte er die Musik für sich, und das mit viel Erfolg. „Mit zu viel Erfolg“, wie er heute findet. „Das Ding mit der Musik wurde mir zu schnell zu groß, und ich habe es schnell wieder beendet. Das, was ich tue, soll mir Spaß machen. Und zu große und zu zeitintensive Dinge machen keinen Spaß, sondern Stress.“

Ebenfalls erfolgreich war seine Zeit als Fußballtrainer beim SV Heckinghausen, von der er farbenreich und humorvoll erzählt, von diversen Aufstiegen, von seiner Freundschaft mit Minas Hantzidis, von Martina Voss. Und zwischendurch hat er immer wieder gemalt. Dann besuchte er Freunde in Bayern. Dort hatte die Gastgeberin ein selbst gefertigtes Bild aufgehängt, Stoff auf Leinwand, bepinselt. „Das war keine Kunst“, erklärt Idel, „und ich habe der Dame gesagt: Mach doch was mit echter Kleidung. Das wollte sie nicht. Also habe ich das, wieder zu Hause, einfach mal ausprobiert. Und das hat mir gut gefallen.“

Nicht nur ihm. Im Internet auf Ralf Idel aufmerksam geworden, wandten sich viele Eltern an ihn. „Kunstwerke mit getragener Babykleidung kommen gut an“, weiß der Künstler. „Und es ist wichtig, dass die von mir bearbeitete Kleidung vom Kind wirklich getragen wurde. Wichtig für die Emotionen, vor allem die der Eltern, wenn sie das Bild betrachten.“ Er befragt seine Kunden nach ihrer Lieblingsfarbe. „Und welche Farbe sie keinesfalls auf ihren Bildern haben wollen. Das funktioniert gut. Viele kontaktieren mich auch einfach und sagen: Mach mir was.“

Idel arbeitet mit Acrylfarbe. „Die ist peppiger als andere Farbe“, findet er, „sie erzeugt mehr Tiefe, glänzt. Andere Farbe ist gediegen, aber ich male nicht gediegen. Ich halte mich an keine Regeln. Mit Ölfarbe könnte ich gar nicht arbeiten, überhaupt nicht.“ Idel improvisiert in seiner Kunst, gibt sich seiner Stimmung hin, probiert aus. „Ich möchte keine Hunde malen“, sagt er. „Das würde ich machen, wenn ich damit Geld verdienen wollte. Ich will aber Spaß haben.“

Neben dem Spaß sorgt die Malerei dafür, dass Idel nach seinem stressigen Job als Lager-Logistiker zur Ruhe kommt. „Ich bin beim Malen in einer anderen Welt“, bekennt er. Im kommenden Jahr plant Ralf Idel, zusammen mit Max Süss (Kunst und Kultur in Remscheid) „Malen für Kinder“ im Allee-Center anzubieten. „Und darüber hinaus möchte ich, wenn ich mal in Rente bin, durch das Malen gut hinzuverdienen. Dann ist das mit dem Geld auch eine andere Sache.“

Hintergrund

Wer sich für die spezielle Kunst von Ralf Idel interessiert, bekommt auf seiner Homepage einen ausführlichen Eindruck. Auch das große Bild mit Schwebebahn, Regenbogen und Schnullern ist dort – neben vielen anderen Belegen seiner Kunst – zu betrachten.

www.acryldesigner.com

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