Bühne

Publikum empfindet Puppenspiel als Krönung des Theaters

Schauspieler und Puppen agierten gemeinsam auf der Bühne und machten das Schauspiel zum Theatererlebnis. Foto: Roland Keusch
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Schauspieler und Puppen agierten gemeinsam auf der Bühne und machten das Schauspiel zum Theatererlebnis.

Die Bremer Bühne Cipolla gastierte mit „Der Untergang des Hauses Usher“ im Teo Otto Theater.

Von Monika Meurs

Remscheid. Ein wenig grotesk sind Bühnenbild wie auch die Inszenierung der Erzählung nach Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „Der Untergang des Hauses Usher“. Vor der beeindruckend unaufwendigen Kulisse wird diese Geschichte von der Bremer Bühne Cipolla in Szene gesetzt. Ausdrucksstarkes Ganzkörper-Puppenspiel trifft auf kreative musikalische Untermalung, eine eindrucksvolle Lichtinszenierung unterstreichen die Handlung.

Der amerikanische Autor Edgar Allan Poe erzählt in „Der Untergang des Hauses Usher“ von menschlichen Urängsten und vom Kampf des Geistes gegen dunkle Triebe. Er behandelt aber auch gleichermaßen die Themen Freundschaft, Empathie und Liebe, die über den Tod hinausgeht. Durch extra für diese Inszenierung angefertigte Puppen, expressives Schauspiel von Sebastian Kautz sowie subtiler Livemusik von Gero John realisiert die Bühne Cipolla ein Theaterprojekt, das seinesgleichen sucht. Kostüme wie auch Lichtdesign machen das Bild als Gesamtkunstwerk rund. In Poes Kurzgeschichte dreht sich alles um den sterbenskranken Roderick Usher, der auf seinen letzten Metern um Gesellschaft und Aufmerksamkeit seines Studienfreundes bittet. Der namenlose Freund – gleichzeitig der Erzähler– erkennt, dass sowohl das Anwesen wie auch Roderick vom Verfall bedroht sind. Zum Zeitvertreib wird gemeinsam gemalt, gesungen, gelesen. Schmerzhaft wie heilsam gleichermaßen. Aber es bleiben auch viele Fragen unbeantwortet. Dem Publikum bleibt in diesem subtilen Stück die Interpretation und Adaption selbst überlassen. So muss Theater mit Anspruch sein.

Und es dauerte nicht lange, da hatten die Akteure das Publikum gefesselt. Nicht nur der Inhalt erfuhr eine Neuauflage, auch die Präsentation faszinierte: Mensch und Puppe wurden eins. Dazu gehörten ungewöhnliche Cello-Klänge, eigentümliche Kulissen-Arrangements und minimalistisch großartig eingesetzte Requisiten. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass Fakt und Fiktion, Leben und Kunst sehr oft sehr nah beieinander liegen. Puppe und Mensch wurden eins, er lieh ihr seine linke und rechte Hand, seine Stimme - und erweckte die Puppe zum Leben; eine Glanzleistung von Sebastian Kautz. Puppe und Mensch gingen eine Verbindung ein, beinahe eine Entsprechung zum richtigen Leben. Vielschichtigkeit auf diese Weise vor Augen zu führen ist eine Kunst. Manchmal verkauzt, manchmal sehr menschlich.

Und übrigens heißt der Geier, der den Leichnam von Roderick nur allzu gern auseinandergenommen hätte, „Bruno“. Das erfuhren die Anwesenden im Nachhinein im persönlichen Gespräch mit den Akteuren.

„Ich bin mitgerissen worden. Puppenspiel ist die Krönung des Theaters“, meinte Theaterbesucher Hans Lothar Schiffer. Damit sprach der nicht nur in Remscheid bekannte Kulturfreund allen aus der Seele.

Am Ende wurden die beiden Darsteller zu „Tatort-Reinigern“. Eingekleidet mit Ganzkörper-Anzügen haben sie die Bühne aufgeräumt. Vielleicht nicht nur die. Eine sinnbildlich wie eindrucksvolle Schlussszene.

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