Lockdown

Vom Opernsänger zum Vorwerk-Vertreter

Hans-Arthur Falkenrath verdiente vor der Krise sein Geld mit Singen. Doch dann brachen alle Auftritte weg. Er musste umschulen.Foto:Roland Keusch
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Hans-Arthur Falkenrath verdiente vor der Krise sein Geld mit Singen. Doch dann brachen alle Auftritte weg. Er musste umschulen.

Lockdown beschwerte Berufsmusiker Hans-Arthur Falkenrath schlaflose Nächte – Jetzt verkauft er Staubsauger.

Von Peter Klohs

Remscheid Für einen Opern- und Konzertsänger wie Hans-Arthur Falkenrath (62), der seiner Kunst in der Stimmlage Bass nachgeht, ist die Partie des Sarastro in Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ sicher eine der dankbarsten und schönsten Rollen. Und genau die probte der Sänger für eine große „Zauberflöten“-Produktion, als Mitte März der erste Lockdown zuschlug. Die Vorstellungen in Monschau und Köln wurden abgesagt. Mehreren Konzerten, die der Sänger bestreiten sollte, erging es ebenso. Sein Plan, alle Beethoven-Lieder innerhalb eines Jahres aufzuführen, war von heute auf morgen zerstoben. „Da musste ich die Handbremse ziehen“, bedauert Falkenrath. „Obwohl die Nachfrage gerade nach den Beethoven-Konzerten schon enorm war.“

„Ich wusste zu Beginn nicht, ob das Vertriebsgeschäft und ich uns anfreunden konnten.“
Hans-Arthur Falkenrath

„Die ersten vier Wochen nach dem Lockdown waren extrem hart“, berichtet der Lüttringhauser Sänger. „Da habe ich einige schlaflose Nächte verbracht und immer wieder gedacht: Was wird jetzt?“ Denn dass er eines Tages mit seiner Kunst kein Geld mehr verdienen würde, hatte er, wie er wörtlich sagt, „nicht auf dem Schirm“. „Und wenn sich auch die Agenturen extrem zurückhaltend geben, dann ist man da als Künstler machtlos.“

Aber nach diesen dunklen Tagen setzte sich bei Falkenrath die Erkenntnis durch, dass es besser ist, irgendetwas zu tun als nichts zu tun. „Also habe ich mich erst einmal bei einigen Unternehmen beworben, deren Anzeigen in der Presse mir erfolgversprechend erschienen.“

Unter diesen war auch eine Bewerbung an das Wuppertaler Traditionsunternehmen Vorwerk. Und Vorwerk meldete sich dann tatsächlich einige Zeit später bei ihm. „Ich hatte die Bewerbung schon beinahe vergessen“, berichtet der Sänger. „Und ich wusste zu Beginn auch nicht wirklich, ob das Vertriebsgeschäft und ich uns anfreunden konnten.“ Aber die ersten Gespräche verliefen zufriedenstellend. Hans-Arthur Falkenraths Bewerbung wurde angenommen.

„Offiziell bin ich jetzt selbstständiger Handelsvertreter und besuche unsere Kunden in Lennep.“ An Schulungen nimmt der ausgebildete Sänger nach wie vor in regelmäßigen Abständen teil.

Seine sonore und volltönende Stimme mag ihm den Einstieg in den neuen Beruf erleichtert haben, gibt der Bassist zu. „Aber man beobachtet sich ja auch selbst, und ich war über mich selbst in nicht geringem Maße erstaunt. Das Verkaufen von Markenstaubsaugern kam mir nicht fremd vor.“ Dazu beigetragen hat sicher auch das unaufgeregte und kollegiale Verhalten seiner Mitarbeiter. Falkenrath fühlt sich in diesem für ihn neuen Geschäftszweig wohl.

„Eines Tages wird Corona besiegt sein“, ist Falkenrath gewiss, „und dann werden wieder Konzertangebote oder Opernproduktionen kommen. Es ist vollkommen klar, dass diese für mich Vorrang haben. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass mich die Tätigkeit als Handelsvertreter weiter begleiten wird.“ Viele seiner Kollegen führen zwei- oder gar dreigleisig. „Es gibt etwa 3000 bis 4000 freiberufliche Sänger in Deutschland“, weiß der Bassist, „und noch einmal die gleiche Zahl in Festanstellung. Da muss man schauen, wo man bleibt.“

Zur Person

Der Bassist Hans-Arthur Falkenrath kam über Umwege zur Musik. Zunächst studierte er in Berlin Jura. Seine Eltern wollten nicht, dass der Filius seine Zukunft als Sänger plante. „Mach was Ordentliches“, sagte sein Vater immer. Über Chorgesang und Gesangsunterricht landete Falkenrath dann doch in der Opern- und Konzertlandschaft. Der in Lüttringhausen ansässige Bassist ist seit 2003 freiberuflich als Sänger tätig, nachdem er zuvor durch ein festes Engagement an Dresden gebunden war. „Als Freiberufler kann man die Familie viel besser in den Alltag integrieren.“ Der Sänger konnte seinen Lebensunterhalt vor der Pandemie durch seine Kunst bestreiten.

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