Weltpremiere

Neuer Dokumentarfilm würdigt Pina Bausch

Dancing Pina macht die universelle Kraft des Tanzes sichtbar, wobei Körper, Identität und Biografien aufeinandertreffen.
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Dancing Pina macht die universelle Kraft des Tanzes sichtbar, wobei Körper, Identität und Biografien aufeinandertreffen.

„Dancing Pina“ feiert am 13. September im Wuppertaler Cinema Weltpremiere.

Von Karl-Rainer Broch

WUPPERTAL/SOLINGEN Elf Jahre, nachdem Wim Wenders in seiner Dokumentation „Pina“ eine Reihe von Tanzstücken der in Solingen geborenen Tanz-Choreographin Pina Bausch in Erinnerung gebracht hatte, erlebt mit „Dancing Pina“ nächste Woche am 13. September im Wuppertaler Cinema ein weiterer Dokumentarfilm seine Premiere, gefolgt von weiteren Erstaufführungen in anderen deutschen Städten. Im Oktober-Programm des Solinger Cobra-Kinos ist der Film jeweils montags zu sehen.

Im Film werden unterschiedliche Tanzkompanien zwei Stücke ganz im Sinne der 2009 verstorbenen Künstlerin wieder aufleben lassen. Regisseur Florian Heinzen-Ziob übernahm für die Wiederaufführung von Pina Bauschs „Iphigenie auf Tauris“ im Jahr 2019 durch das Ballettensemble der Dresdener Semperoper Einspielungen des Originals und erreichte eine eindrucksvolle Hommage mit Gänsehaut-Feeling.

Kamera ist immer hautnah dabei

Ein Jahr später versammelten sich Tänzerinnen und Tänzer aus ganz Afrika an der Ecole des Sables im Senegal, um „Das Frühlingsopfer“ zu proben. In Dresden legten die Akteure Wert darauf, dass der Geist Pinas erhalten bleibt, indem nicht nur die damaligen Tänzer befragt und Original-Videos der Gluck-Oper-Inszenierung eingespielt wurden. Im Senegal sollte mit dem „Frühlingsopfer“ eine Verbindung zu afrikanischen Tänzen erreicht werden.

Für die dort entstandene Kompanie war es, als ob sie bei den Proben ein neues Vokabular erlernten. Ein Tänzer meinte: „Hier ist es perfekt, nicht perfekt zu sein, wir tanzen ohne Rücksicht darauf, ob es dem Publikum gefällt.“

Die Kamera ist immer hautnah dabei und erlaubt einen Einblick, wie man ihn als Zuschauer nie erleben kann. Darüber erfährt man viel Privates von den Tänzerinnen und Tänzern. In Afrika sind Opfer ein Teil des Lebens: „Für den Tanz muss man ein Opfer bringen, war vielleicht auch bei Pina so“, war die allgemeine Meinung.

In Dresden war die Aufführung ein Jahr vor der Corona-Pandemie eine glänzende Premiere. Die geprobten Szenen brachten mit jedem auch noch so unscheinbaren Detail eine nachdrückliche Erinnerung an das Wirken von Pina Bausch zurück. Besonders eindrucksvoll wurde zum Beispiel der Zusammenbruch an einem Tisch wiedergegeben: „Der Geist Pinas bleibt in der Neuinszenierung erhalten.“ Nach Beendigung der Proben im Senegal sollte eine Welttournee mit Uraufführung in Dakar starten, doch wegen Corona wurde sie abgesagt, auch weitere Aufführungen, auch in Deutschland, kamen nicht mehr zustande. Einer der Höhepunkte im Film war dann der Entschluss der Tänzerinnen und Tänzer, dennoch „Das Frühlingsopfer“ zu zeigen. Sie richteten im Sand am Meeresstrand eine kleine Bühne her und tanzten Pinas Vermächtnis – allerdings ohne Publikum.

Was den neuen Pina-Film auszeichnet, ist die Erkenntnis, dass Menschen bewegt werden, Ungewöhnliches zu tun. Diese Erkenntnis kommt im Film auch auf der Leinwand ins Publikum zurück.

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