125 Jahre

Museumsdetektive spüren Röntgens Fotografien auf

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Morgen jährt sich die Entdeckung der Röntgenstrahlen zum 125. Mal – Nachlass wird in einer Ausstellung erstmals zugänglich gemacht.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Ein schönes Geschenk zum Entdecker-Jubiläum haben die Detektive des Röntgen-Museums Wilhelm Conrad Röntgen gemacht: In einer neuen Sonderausstellung bringen sie Fotografien des Physikers und ersten Physiknobelpreisträgers ans Licht. Denn Röntgen war nicht nur ein erstklassiger Wissenschaftler, sondern auch passionierter Jäger, leidenschaftlicher Wanderer und ein talentierter Fotograf.

Mit der neuen Sonderausstellung „Von Lennep in die Welt – unterwegs mit Wilhelm Conrad Röntgen“, die zum morgigen 8. November eröffnet wird, machen das Röntgen-Museum, der Kölner Archivar Marcel Michels, der Bergische Geschichtsverein und der Landschaftsverband Rheinland Röntgens Nachlass öffentlich zugänglich – in einer neuen, öffentlich zugänglichen Datenbank. Ziel ist es, möglichst zahlreiche und wichtige Dokumente, Briefe, Bilder und Exponate aus der Sammlung Röntgens wissenschaftlich aufzubereiten und zu digitalisieren. Mit dieser Erschließung kann das Deutsche Röntgen-Museum einen weiteren wichtigen Beitrag zur biografischen Forschung von Wilhelm Conrad Röntgen im Röntgenjahr 2020 leisten.

„Die Recherchen in den Archiven waren wahre Detektivarbeit. Die Schrift war teilweise sehr schwierig zu entziffern“, erzählt Christina Falkenberg, die das Medienarchiv im Röntgen-Museum betreut. Sie unterstützte den Archivar und Kurator der Ausstellung, Marcel Michels, bei seiner Arbeit. Erst einmal mussten alle 1500 Foto-Negative Röntgens auf dem großen Wagen, der im Keller des Museums steht, gesichtet werden. Und das möglichst vorsichtig. „Sie lagern dort in säurefreiem Papier. Die Originale sollten natürlich möglichst wenig bewegt werden“, erklärt Marcel Michels.

„Röntgen zeigte sich ungern selbst. Er stand auch ungern im Rampenlicht.“
Marcel Michels

Als der Archivar Fotos verglich und Briefe sichtete, gelang ihm ein Überraschungsfund: Er fand heraus, wann das Foto des Röntgen-Geburtshauses am Gänsemarkt tatsächlich aufgenommen wurde. Bislang ging man davon aus, dass es zwischen 1910 und 1930 gemacht wurde. Aber in Wirklichkeit ist es viel älter: Es stammt aus dem Jahr 1896. Michels fand einen Brief, den Röntgens Cousin Emil Rudolf ihm am 28. Februar 1896 geschrieben hat. Dort heißt es: „(. . .) Vielleicht kann ich Ihnen mit beifolgenden Bildern eine kleine Freude bereiten, es ist eine Ansicht von Lennep und die Ihres Geburtshauses (. . .).“ Dabei lagen zwei Fotografien – eine davon ist das oben abgebildete Foto.

Die Sonderausstellung mit 50 Fotografien von Röntgen hängt an einer Schauwand im Lenneper Museum. Jede Schaffensphase Röntgens wird dort abgebildet. Bereits ab den frühen 1880er Jahren fotografierte Röntgen auf Reisen. Zunächst waren seine Bilder eher statisch, bedingt durch die große und schwere Kamera samt Stativ. Landschaften, Portraits, Gruppenaufnahmen seiner Familie kamen ihm als Objekte vor die Linse. Ab 1895 wurden seine Fotografien dynamischer – dank seiner neuen Momentkamera, die er nun in den Händen halten konnten. Im März 1901 folgte der nächste Schritt: Röntgen kaufte eine Stereokamera und entwickelte damit eine neue Bildsprache. Nun fing er Bewegungen ein. „Die Negative sind qualitativ so gut – wir hätten sie für die Ausstellung sogar noch stärker vergrößern können“, ist der Kurator begeistert.

Zu sehen ist hier übrigens auch Röntgens erstes Selbstportrait, das er im Hörsaal der Universität Würzburg 1891 mit einem Magnesiumblitz aufnahm. Oder auch eine sehr intime Szene mit seiner Frau Anna Bertha und seiner Adoptivtochter Josephine Bertha. Eine kleine Sensation. „Denn Röntgen zeigte sich ungern selbst. Er stand auch ungern im Rampenlicht. Sein Ruhm gefiel ihm gar nicht“, erklärt Michels. Von ihm selbst sind einzelne Farbfotos zwischen den Schwarz-Weiß-Fotos Röntgens in der Ausstellung zu sehen. Er spürte einen Teil der Orte auf, die Röntgen einst bereiste – und nahm aktuelle Fotos auf. So ist zum Beispiel Pontresina im direkten Vergleich 1895/2020 zu sehen. Seine Reiseberichte sind übrigens im neuen Röntgenführer „Wilhelm Conrad Röntgen – den X-Strahlen auf der Spur“ nachzulesen.

Wegen des Teil-Lockdowns muss das Museum diesen Monat geschlossen bleiben. Dennoch können Interessierte die Foto-Ausstellung jetzt schon sehen – im Internet. 350 Fotografien sind bereits in der Datenbank hochgeladen. Und es werden immer mehr. Ab Dezember können die Besucher dann die Schau vor Ort sehen. Der Clou: Jedes Foto ist mit einem QR-Code versehen.

Wer mit seinem Smartphone den Barcode scannt, gelangt in die öffentliche Datenbank – und kann dort lesen, wann das Foto wo aufgenommen wurde, wer oder was darauf zu sehen ist. Marcel Michels nutzte dafür Google Earth und Street View. „Das 19. und 21. Jahrhundert kommen hier wirklich schön zusammen.“

Das 160 Jahre alte Hotel „Vittoria“ in Sorrento in Italien, in dem Röntgen 1896 mit seiner Frau residierte und von dessen Terrasse aus er ein Foto schoss, gibt es übrigens heute noch. „Allerdings kostet eine Übernachtung dort heute 1100 Euro“, erzählt Michels.

Die Datenbank

Die Ergebnisse sind ab sofort in der öffentlich zugänglichen Datenbank zu sehen:

https://rheinland.museum-digital.de/

In den nächsten Schritten werden weitere röntgenbiografische Exponate aus den Archiven des Deutschen Röntgen-Museums bearbeitet und der Blick auf andere Archive erweitert.

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