2. Philharmonisches Konzert

Mozart-Arien treffen auf den ungeheuerlichen Elan Beethovens

Andreas Spering übernimmt das Dirigentenpult.Foto:Christian Palm
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Andreas Spering übernimmt das Dirigentenpult.

Beim 2. Philharmonischen Konzert der Bergischen Symphoniker steht Andreas Spering am Dirigentenpult – Sopranistin ist Sophie Karthäuser.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Herr Spering, Sie sind der Dirigent des 2. Philharmonischen Konzerts nächste Woche und haben das Programm ausgewählt. Was erwartet die Zuhörer in Remscheid und Solingen?

Andreas Spering: Ein ganz tolles Programm mit klassischer und frühromantischer Musik: zwei Mozart-Konzertarien, Beethovens Symphonie Nr. 1 op. 21, und Mendelssohns Ouvertüre aus Athalia op. 74.

Warum gerade diese Werke?

Spering: Daniel Huppert hatte mich nach einem klassischen Programm gefragt – und ich wollte unbedingt Beethovens Erste machen und einen Solisten einladen – so entstand die Verbindung zu Mozarts Konzertarien.

Warum liegt Ihnen Beethovens Erste so am Herzen?

Spering: Beethovens Erste ist ein Stück, das mit einem Bein noch ganz in der älteren klassischen Tradition in Richtung Haydn steht, aber mit dem allerersten Akkord eine solche Ungeheuerlichkeit vollbringt, die das ganze Tor zum Gesamtwerk Beethovens aufstößt. Die Erste setzt eine neue Wegmarke. Denn sie beginnt – das fällt den Zuschauern heute vielleicht gar nicht mehr so auf – mit einer Dissonanz. Eine Ungeheuerlichkeit, so was gab es damals nicht. Aus dieser Benchmark entwickelt sich die gesamte Dramaturgie. Die Symphonie ist ein unheimlich spannendes, witziges, geistreiches Stück mit all dem Beethovenschen Elan. Die Erste wurde 1801 uraufgeführt, die Konzertarien etwa 15/20 Jahre früher, so dass man eine gute chronologische Brücke hat.

Und was zeichnet die Mendelssohn-Ouvertüre aus?

Spering: Die Ouvertüre aus Athalia op. 74 war im ganzen 19. Jahrhundert unheimlich populär. Die Gesamtaufführung geht auf Racines Drama zurück. Racine galt als der Dramatiker überhaupt. Friedrich der Große, der besser Französisch sprach als Deutsch, sagte einst: „Ich hätte lieber wie Racine geschrieben als den Siebenjährigen Krieg gewonnen.“ Dieses Stück bringt den ganzen Grundkonflikt der Athalia, der grausamen Herrscherin, die vom Thron gestoßen wird, zur Geltung. Ein ganz spannendes Stück, ich freue mich sehr darauf.

Wer ist die Solistin des Abends?

Spering: Sophie Karthäuser, eine belgisch-französische Sängerin, mit der ich schon mehrfach zusammengearbeitet habe. Sie ist eine der tollsten Mozartsängerinnen unserer Zeit, wie ich finde. In Deutschland ist sie noch nicht so bekannt, in den Benelux-Staaten ist sie unheimlich populär und hat dort Festivalauftritte. Sie ist eine gefühlvolle, lyrische Sopranistin. Ein ganz großer Glücksfall für das Orchester und für mich, dass sie mit uns die beiden Arien macht.

Sie stehen selbst am Dirigentenpult, nicht Generalmusikdirektor Daniel Huppert. Sie standen bereits mit zahlreichen Orchestern auf der Bühne, haben namhafte Produktionen begleitet. Was hat Sie besonders geprägt?

Spering: So vieles. Meine zwei Lehrer und immer wieder die Begegnung mit bedeuten Solisten und fantastischen Orchestern. Das Verhältnis mit einem Orchester sollte nie ein einseitiges sein. Es ist nicht meine Vorstellung, dass da vorne der große Maestro steht und alle hören auf das Kommando. Die Orchestermusiker sind teilweise schon länger im Geschäft als ich. Ich sollte also immer wieder reinhören, was ein Orchester anbietet und die Musiker mitnehmen können. Mit den Bergischen Symphonikern feiere ich eine Premiere, ich kenne sie noch gar nicht. Wir haben am Donnerstag mit dem Proben begonnen. Ich freue mich sehr auf die Konzerte in Remscheid und Solingen.

Zur Person – Karten

Zur Person: Andreas Spering (55) stammt gebürtig aus Birkenfeld, Rheinland-Pfalz, und wuchs im Hunsrück auf. Er etablierte als Künstlerischer Leiter der Brühler Schlosskonzerte das erste und einzige Haydn-Festival Deutschlands. Opernproduktionen führten ihn an diverse internationale Opernhäuser, wo er vor allem die großen Mozartopern wie auch Beethovens „Fidelio“ und Webers „Freischütz“ dirigierte. In Aix-en-Provence gastierte er mit „Don Giovanni“. Spering war viele Jahre musikalischer Leiter der Händelfestspiele Karlsruhe. Auf dem Konzertpodium arbeitet er mit Orchestern wie den Bamberger Symphonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig, Gothenburg Symphony Orchestra und dem Mozarteumorchester Salzburg.

Karten

Karten für das Remscheider Konzert am Mittwoch, 29. September, 19.30 Uhr, im Teo Otto Theater kosten 28 Euro, Jugendticket 6,50 Euro: Tel. (0 21 91) 16 26 50 oder theaterticket.remscheid.de

Karten für das Solinger Konzert am Dienstag, 28. September, 19.30 Uhr, im Solinger Theater und Konzerthaus sind erhältlich ab 24 Euro unter Tel. (02 12) 20 48 20 oder unter www.theater-solingen.de

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