„Mit Worten kann man die Herzen der Menschen erreichen“

Antonella Simonetti (58) stammt aus Italien. Foto: Ina Veiler
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Antonella Simonetti (58) stammt aus Italien.

Antonella Simonetti tritt mit ihrem Erzähltheater am 29. Oktober im Rotationstheater auf – Wir verlosen Karten

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

REMSCHEID Frau Simonetti, Sie sind eine sogenannte Storytellerin. Aber was ist das überhaupt?

Antonella Simonetti: Ein Storyteller ist ein Mensch, der Spaß daran hat, Geschichten zu erzählen. Wir sind von unserem Ursprung her eigentlich alle Storyteller, weil man sich, bevor man Lesen und Schreiben konnte, einfach nur Geschichten erzählte. Es war das Medium, durch das wichtiges Wissen vermittelt wurde. Insofern ist es eine der ältesten Aktivitäten, die wir Menschen kennen. Aber natürlich fühlt sich nicht jeder als ein Storyteller. Durch die zunehmenden Technologien haben wir diese Gewohnheit zudem ein bisschen verloren – so auch die Gewohnheit, einem anderen gut zuzuhören. Ein guter Storyteller muss erst einmal selbst gut zuhören können, um dann sein Wissen und seine Geschichten weitergeben zu können.

Das tun Sie am 29. Oktober im Rotationstheater mit ihrem Erzähltheater „Der Mann, der nicht sprach“. Auf was können sich die Gäste freuen?

Simonetti: Auf eine tolle Geschichte, die ich als Bühnenstück bearbeitet habe. Sie spielt während des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Einem Mann gelingt es im Laufe vieler Jahre, einen trostlosen und traurigen Ort in einen wunderbaren zu verwandeln. Das macht er jeden Tag durch dieselben Tätigkeiten mit einer unglaublichen Beharrlichkeit. Minute für Minute schafft er es, etwas Großes aufzubauen – spricht dabei aber nicht. Er schafft es, seine persönliche Tragödie als Sprungbrett zu nutzen für das Glück der anderen Menschen. Dieser Mann hat mich sehr beeindruckt.

Sind Italienischkenntnisse notwendig?

Simonetti: Absolut nicht. Aber natürlich werde ich viele Passagen auf Italienisch erzählen, diese werde ich aber eventuell später aufgreifen und auf Deutsch zusammenfassen. Die italienischen Passagen sind für mich wichtig, es ist meine Sprache, und die ist notwendig für meine Authentizität.

Was bedeutet Sprache für Sie?

Simonetti: Sprache ist ein sehr mächtiges Medium. Sie kann aufbauen und gleichzeitig zerstören. Für mich ist sie das Medium, mit dem ich meine Welten, meine Bilder erschaffen und vermitteln kann. Welten und Bilder, die uns guttun. Mit Worten kann man die Herzen der Menschen erreichen. Ich kann ermutigen und zum Nachdenken anregen. Was mir Spaß macht, ist mein Publikum zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Das macht mich glücklich.

Haben Sie ein Lieblingswort?

Simonetti: Ich habe viele Lieblingswörter. Je nach Tag, Situation, Geschichte. Aber das Wort, das gut zu der Geschichte ,Der Mann, der nicht sprach‘, passt, ist Hoffnung.

Zur Person / Karten

Antonella Simonetti (58) stammt aus der Region Marche, Italien. Dort lernte sie ihren Mann kennen, der sie vor 32 Jahren mit nach Deutschland nahm. Heute lebt sie in Köln. Nach einer Ausbildung als Theaterpädagogin arbeitete sie viele Jahre in Schulen. Es folgte eine Ausbildung als Storytellerin 2010. Seitdem ist sie selbst auf Bühnen unterwegs.

Karten für den Auftritt am Freitag, 29. Oktober, 20 Uhr, im Rotationstheater gibt es für 20 Euro (ermäßigt 18) im Vorverkauf beim Rotationstheater oder auf Remscheid-live.

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