Bergische Symphoniker

Miki Kekenj sprengt die Ketten von E- und U-Musik

+
  • Philipp Müller
    VonPhilipp Müller
    schließen

Der Konzertmeister der Bergischen Symphoniker textet und komponiert Hip-Hop mit klassischen Musikelementen.

Von Philipp Müller

Remscheid. Er ist 15 Jahre alt. Der junge Mihalj Kekenj lebt in Braunschweig. Der Vater ist Berufsmusiker in einem klassischen Orchester, auch die Mutter stammt aus einer Musikerfamilie. Schon früh hatte „Miki“ daher Geigenunterricht, wird seit seinem sechsten Lebensjahr von Professoren unterrichtet. Dann kommt der Hip-Hop in sein Leben. Die raue Musik aus den USA. Er hört sie auf dem Skateboard, statt mit der Geige zu üben.

Doch er hat Hip-Hop nicht als Opposition zum Elternhaus gehört, erzählt Kekenj heute. Es war der Protest des jungen Mannes mit Migrationshintergrund. Mit Gleichgesinnten gründete er eine Band. Es sei schnell klar gewesen, dass er die Musik machte, ein anderer schrieb die Texte. Doch er schrieb auch selbst Wortkaskaden, so, wie er es bis heute tut. Es ging ihnen darum, als eigentlich etablierte Jungs trotzdem darauf aufmerksam zu machen, dass man mit Migrationshintergrund doch nicht ganz dazugehörte. Sie haben einfach ihre Sorgen und Gefühle aufgeschrieben.

„Wir wollten so hart und cool sein wie die Vorbilder aus Amerika.“
Miki Kekenj, Komponist

„Wir wollten so hart und so cool sein wie die Vorbilder aus Amerika“, erinnert er sich. Und nicht nur das: „Für uns war klar, wir werden Superstars“, blickt der heute 42-jährige Musiker mit einem Schuss Humor zurück. Denn es gelang nicht wirklich. Er studierte, offenbarte sein großes Talent an der Violine und landete schließlich als Konzertmeister bei den Bergischen Symphonikern. Er lebt heute mit seiner Frau und seinen Kindern in Düsseldorf. Ein Trauma der verpassten Chance? Im Gegenteil. Der Job ließ ihm die Freiheit, sich auch als Hip-Hop-Künstler weiterzuentwickeln.

Mitten in der Pandemie erschien sein neues, bei Sony Music verlegtes Album „Mein Utopia – Opus 2“. Es zeigt genau das, was Kekenj heute als Künstler antreibt. Als Komponist verehrt er Mahler und Strawinsky. Ganz konsequent fließen spätromantische Klänge ein, sind die Anleihen der Klassik des 20. Jahrhunderts und der Filmmusik nicht zu überhören. Ebenfalls konsequent benennt er die Tempi seiner Stücke mit klassischen Fachbegriffen wie „Adagio“ oder „Andante“.

Das habe auch damit zu tun, dass, je älter er geworden sei, immer mehr Klassik in den Hip-Hop einzog. Zugleich sucht er die Nähe zum Soul, denn der sei die musikalische Basis der schnellen Rhythmen. Wer sich auf Opus 2 einlässt, erlebt eine Welt der Musik, in der die klassischen Instrumente ganz selbstverständliche neben Loops zu hören sind. Kekenjs Loops sind vor allem rhythmische Schlagzeugpassagen, die unter die live im Studio eingespielten Instrumente gemischt werden. Er habe es auch mit einem echten Schlagzeug versucht, doch dabei sei das Feeling des Hip-Hops für ihn nicht rübergekommen.

Heute nutzt Miki Kekenj den Hip-Hop vor allem als Stilelement, dem er seine musikalischen Reisen unterordnet. Doch die Nebenstraßen in dem ganz klassischen Bereich sind teilweise ganz große Alleen geworden, die voller gefühlsbetonter Melodien gebaut sind und mit ebenso voller Empathie steckenden Texte zum Ziel führen. Das ist für ihn ehrliche Unterhaltung, in die er viel persönliche Seele gelegt hat.

Natürlich werde er mit dieser Musik keine 15-Jährigen erreichen. Die einstige Rebellion ist der Form gewichen. Und doch steckt – auch wenn der Konzertmeister das so nicht ausdrücken würde – Revolution in seinem Schaffen. Er sprengt locker die Ketten zwischen der ernsten E-Musik und der unterhaltenden U-Musik. Rapper wie Curse gehen dabei mit ihm auf diesem Weg. Konzertformate wie „On Fire!“ zeigen, wie Kekenj das macht.

Symphoniker

Konzertmeister Kekenj und Kollegen haben den Betrieb jetzt komplett eingestellt. Die Konzertsäle und Theater dürfen mindestens bis 10. Januar nicht öffnen. Das Orchester hat jedoch viel Musik auf Video aufgenommen. Darunter auch ein Weihnachtskonzert. Zudem gibt es auf dem Youtube-Kanal der Symphoniker einen Adventskalender:

https://t1p.de/7h0u

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare